Die «Unerschrockene Liselotte» führt seit 18 Jahren den Laden Bioland in Olten

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Liselotte Portmann betreibt seit gut 18 Jahren das Bioland Olten. Im ersten Halbjahr managte sie Laden, Küche und Service noch alleine. (Bild: Bruno Kissling)

Sie hat etwas Unerschrockenes, die Liselotte Portmann. Gleich in mehrfacher Hinsicht. Sie erwähnt so nebenbei, Gewinn aus Laden und Gastronomie im Bioland Olten, so heisst dieser nämlich offiziell, würden stagnieren. «Nein, das ängstigt mich nicht», sagt sie dann. Eher unüblich für jemanden aus dem Gewerbe. «Denn wissen Sie», fährt sie fort, «vor Jahren hab ich mit dem Herrgott einen Handel gemacht. Ich hab mit ihm gesprochen und ihn wissen lassen: Ich schaue zum Laden und du zum Geld.»

Sie lehnt sich zurück und bilanziert: «Es ist bislang aufgegangen und es wird auch weiterhin aufgehen.» Natürlich könne sie sich kein Leben in Saus und Braus leisten, aber eines mit bescheidenen Ansprüche liege durchaus drin. Zumal auch die Miete sehr fair sei. Das Haus steht im Besitz der Pro Filia. Der katholische Verband hat sich zum Ziel gesetzt, vor allem der weiblichen Jugend bei der Lösung ihrer Bildungs-, Berufs- und Lebensfragen zu helfen.

Gut 18 Jahre im Business
Seit gut 18 Jahren führt die 62-Jährige unter Bioland Olten eine Kombination aus Verkaufsladen und vegetarischem Restaurant. Gleich hinter dem Hauptbahnhof. Wichtig dabei: Nur Biologisches kommt in die Regale und auf den Tisch: «Demeter» heisst das Zauberwort. Und wie ihr Gegenüber sagt, «Demeter» sei eigentlich ein unglücklicher Name, beugt sie sich vor am Tisch und sagt bissig: «Demeter, so heisst die griechische Göttin der Fruchtbarkeit.» Ach so, das wusste ihr Gegenüber nicht. Aber Liselotte Portmann verzeiht schnell.

So wie sie auch allen verzeiht, die weder Laden noch Restaurant besuchen. «Ach», sagt sie, «das muss jede und jeder selber wissen.» Sie möge Menschen grundsätzlich, denn wer die nicht möge, könne das, was sie mache, gar nicht machen.

Bei allem Gleichmut: Unerschrocken wie sie ist, kann sich die Frau im Fall der Fälle auch auf die Hinterbeine stellen. Als ihr «Bioland», ein Verband für ökologischen Landbau in Deutschland, den Namen des Geschäfts verwehren wollte, kämpfte sie erfolgreich dagegen an und fügte ihrem Geschäft einfach noch den Ortsnamen Olten an. Punkt. «Von denen hab’ ich seither nie mehr was gehört», sagt sie zufrieden.

Der Zeit voraus

Vor Jahren schon hat Liselotte Portmann ihren Restaurationsbetrieb auf rauchfrei umgestellt; bevor dies zur gesetzlichen Pflicht wurde. «Ich glaube, das war im Jahr 2006, aber sicher bin ich mir nicht», räumt sie ein. Natürlich habe es erst ein Hallo unter den Gästen gegeben. «Der Rauch begann mich einfach zu stören und zwei, drei rauchfreie Tische bringen gar nichts.» Dann blickt sie über den Brillenrand und fragt halb besorgt: «Ich bin schon ein bisschen komisch, nicht wahr?» Dann lacht sie und ihr Gegenüber lacht mit.

Als sie im Mai 2000 in Olten begann, machte die Frau aus Derendingen mit kaufmännischer Ausbildung und der Leidenschaft für den Detailhandel noch alles selbst: Küche, Laden, Service. «Wissen Sie was? Nach einem halben Jahr war die Beige unerledigter Post so hoch, dass ich nicht mal mehr über sie hinwegblicken konnte», sagt sie heute.

 

So stellte sie eine Köchin ein. Teilzeit, wohlverstanden. Mittlerweile ist noch eine Aushilfskraft dazugekommen. Und von sich sagt sie, sie arbeite 150 Prozent. Mit ungebrochener Leidenschaft.

Man glaubt ihr das aufs erste Wort. Das erklärt auch halbwegs, warum sie sich schon jetzt mit dem Gedanken trägt, nach der Pensionierung im Bioland Olten weiterzumachen. «So als Seniorenprojekt. Aber konkret ist da noch nichts.»

Mehr Allergiker
Was sich in all den Jahren verändert hat in der Bio-Szene? Liselotte Portmann studiert nicht lange. «Also die Zahl der Allergiker hat enorm zugenommen.» Stichworte wie Zöliakie oder Laktoseunverträglichkeit fallen. Sie stellt dies mit einer gewissen Verwunderung fest, ohne über die Gründe dafür zu mutmassen. Und dann sei ihre Kundschaft doch breiter geworden. «Heute gibts solche, die stehen von Montag bis Freitag auf Bio und leben vegetarisch, ab Samstag essen sie handelsübliches Fleisch und alles andere als Bio», sagt sie.

Alles sei ein bisschen beliebiger geworden. Die echte Hardcore-Bio-Kundschaft sei eher auf dem Rückzug. Und sonst? «Dass die Grossverteiler mittlerweile auch Bio-Produkte anbieten, das merke ich im Laden natürlich schon», bedauert sie und zieht den Mund schief. Und dann: «Ach ja, die Müesli!» Sie meint damit jene, die fertig verpackt im Bioland Olten gekauft werden können.

Früher hätten ihrer zehn Mischungen genügt, heute liessen sich Hunderte verschiedener Provenienz verkaufen. «Solche mit Rosinen, mit Rosinen und Ananas, mit Rosinen, Ananas und Aprikosen, glutenfrei oder normal, Müesli mit Kernen, mit und ohne Nüsse, und, und, und. «Das hat sich stark verändert», sinniert Liselotte Portmann und erwähnt dann noch, dass sich heute auch alles tiefgefroren anliefern lasse. «Aber nicht bei mir», sagt sie bestimmt.

Hätte sie einen Wunsch frei, sie wünschte sich, ihr Gegenüber würde weniger Fleisch essen. Und wenn, dann solches, welches unter «Demeter»-Kriterien heranwachse. Sie lacht, hält ihren missionarischen Eifer im Zaum. Nur manchmal bricht er durch; unerschrocken, aber charmant.

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