Warum wir Aliens mögen

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Diese Woche bin ich über ein wissenschaftliches Thema gestolpert, das mich nachhaltig beschäftigt. Es geht um die Frage, die uns seit Jahrhunderten umtreibt und für deren Lösung wir immer grössere Teleskope bauen: Sind wir die einzigen intelligenten Lebewesen im Universum?

Für Immanuel Kant bestand kein Zweifel, dass es ausserhalb der Erde Lebewesen gibt, auch solche, die uns überlegen sind. Inzwischen suchen Heerscharen von Astronomen den Sternenhimmel mit gewaltigen Fernrohren nach erdähnlichen Planeten ab – beteiligt sind unter anderem Forscher der Universität Genf. Sie glauben zum Beispiel, in nicht allzu ferner Zukunft Ozon in der Atmosphäre von Exoplaneten nachweisen zu können – das wäre ein starkes Signal für mögliches Leben. Kurz und gut: Dass die Erde bei weitem nicht einzige belebte Ort im Universum ist, gilt als so sicher wie das Amen in der Kirche.

Doch nun kommen Forscher des Future of Humanity Institute der Oxford University in einer neuen Studie zu einem ganz anderen Schluss: Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir alleine sind, sei recht hoch. Die Forscher geben zu, «Lehnstuhl-Astronomen» zu sein. Ihre Aussagen basierten auf Fachliteratur und Statistik. Trotzdem reagierten Astrobiologen einigermassen nervös. «Wenn das wahr wäre, würde mich das schockieren», meinte etwa der in Zürich lehrende Ben Moore diese Woche zum «Tages-Anzeiger».

Warum mich das nachhaltig beschäftigt? Die Vorstellung davon, wie wir uns im grossen Ganzen verorten, wirkt als eine Art Hintergrundstrahlung, die unser Handeln sehr wohl beeinflusst. Auf die Frage, was es bedeuten würde, wenn wir tatsächlich die einzigen im Universum sind, gab einer der Oxforder Forscher einen bemerkenswerten Satz zu Protokoll: «Wir wären die einsamen Träger der moralischen Verantwortung.» Im Umkehrschluss heisst das doch: Die Suche nach ausserirdischer Intelligenz ist so populär, weil wir einen Teil der moralischen Verantwortung quasi an den Sternenhimmel delegieren können. Wenn uns Gott nicht mehr Last von den Schultern nimmt, dann müssen dies halt die Aliens übernehmen. Dass wir ganz alleine verantwortlich sind – dieser Gedanke fällt uns offenbar nach wie vor schwer.

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