Freddy Nock: «Mit 80 will ich noch einen verrückten Seillauf machen»

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Wie der Vater, so der Sohn: Freddy Nock zeigt dem 7-jährigen Leo, wie er das Todesrad in Bewegung setzt. (Raphael Nadler)
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Freddy Nock mit Chefredaktor Pfister im Todesrad. 25 Stunden am Stück will Nock nächstes Wochenende darin laufen. (ran)
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Freddy Nock mit Chefredaktor Pfister im Todesrad. 25 Stunden am Stück will Nock nächstes Wochenende darin laufen. (ran)
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(ran)

Wer mit Freddy Nock einen Interviewtermin vereinbart, muss auf einiges gefasst sein: Als wir ihn am Mittwoch in Oftringen auf dem Areal der Senn AG treffen, schickt er den Interviewer erst einmal ins Todesrad – jenes Akrobatik-Gerät, mit dem er am nächsten Wochenende am Rande des Powerman in Zofingen einen neuen Weltrekord aufstellen will. Ausreden überhört Nock charmant; er besteht darauf, dass es wichtig sei, ein Gefühl dafür zu bekommen, worüber man schreibe.

Freddy Nock ist ein Spross der Zirkusfamilie Nock. Bereits seine Grosseltern waren Seilläufer, sein Vater war Alfredo Nock. In den 80er Jahren ging Freddy Nock mit der Familie seiner Tante auf Tournee; er gewann bei verschiedenen internationalen Nachwuchsfestivals für Artisten Auszeichnungen. 1994 holte er mit der Truppe White Angels die Silbermedaille beim Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo.

Seit Ende der 90er Jahre ist Nock immer wieder mit Weltrekorden in den Schlagzeilen. Seinen ersten Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde holte er 1998 mit dem Lauf auf dem Tragseil der St. Moritzer Signalbahn.

Für den RTL-Spendenmarathon verbrachte er vor zwölf Jahren 24 Stunden im Todesrad; sein Partner war damals der Extremsportler Joey Kelly. Diesen Rekord will Nock nun brechen: Er will 25 Stunden am Stück im Todesrad laufen. Nock lebt seit neun Jahren in Uerkheim; er ist Vater von fünf Kindern.

Herr Nock, was ist Ihr Treiber, immer neue Herausforderungen zu suchen und neue Rekorde aufzustellen?

Ich bin ja im Zirkus aufgewachsen, und da konnte man alles ausprobieren – Reiten, Töfffahren, Seillaufen, was immer. Ich bin da reingewachsen. Mit vier Jahren stand ich zum ersten Mal mit meinem Vater auf dem Seil. Ich glaube, das hat mich damals geprägt: Ich bin der Seilläufer. Mit 16 habe ich mich entschieden, von meinen Eltern wegzugehen. Ich ging mit einer Tante und einem Onkel, die Luftshows gemacht haben, auf Tournee. In Rom habe ich zum ersten Mal einen Seillauf gemacht, von einer Brücke zu einem Kran. Das Seil schwankte enorm, ich schaffte die Strecke nicht ganz, und kehrte um. Das war eine Erfahrung, bei der ich sagte: Ich will es können. Neue Dinge auszuprobieren, die noch niemand vor mir gemacht hat, reizt mich. Und wenn ich es mache, mache ich es richtig.

Ihr neuer Plan klingt verrückt: Seillaufen in 5000 Meter Höhe.

Ja, am liebsten wären mir 10 000 Meter, aber das ist sehr aufwendig, weil es Sauerstoff braucht. Der Plan ist, auf einer Stange, die mit zwei Podesten an einem Heissluftballon in rund 5000 Meter Höhe montiert ist, mit einem Velo zu fahren, mit einer Balancierstange darüber zu laufen und schliesslich komplett blind darüber zu gehen – ungesichert.

Was, wenn Sie runterfallen?

Zum Plan gehört, dass in diesem Fall zwei Fallschirmspringer bereitstehen und mich im Fall der Fälle in der Luft abfangen.

Sie haben schon 23 Weltrekorde.

Ich nehme die Weltrekorde gerne. Es ist ein schönes Gefühl, mit einer Doppelseite im Guinness-Buch der Rekorde verewigt zu sein. Auch für den Nachwuchs, der das sieht (zeigt auf seinen Sohn Leo).

Voraussetzung ist eine hervorragende körperliche Form. Wie halten Sie sich fit, körperlich und mental?

Ich bin von Natur aus schlank, das habe ich schon in den Genen. Ich trainiere, aber ich trainiere nicht übermässig. Ich jogge regelmässig, zu Hause habe ich ein Power Plate, für mich ein sehr gutes Gerät. Vor einem speziellen Event trainiere ich in den drei Monaten davor täglich. In den letzten Wochen war es schwieriger: Ich hatte eine Schnittwunde und konnte drei Wochen nicht trainieren. Aber ich fühle mich fit, vor allem mental. Wenn ich an einer Sache dran bin, schalte ich alles andere komplett ab.

Sie werden im Dezember 54 — spielt Ihr Alter langsam eine Rolle?

(Lacht) Nicht 24? Nein. Das Alter 50 habe ich gespürt, ja. Aber mit 80 will ich noch einmal einen verrückten Seillauf machen, am liebsten mit meinem Sohn.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Ich esse weniger Fastfood, dafür viel Fisch und ausgewähltes Fleisch vom Metzger. Ich esse einmal am Tag, nebenher nasche ich; wenn der Körper etwas verlangt, hole ich es mir.

Gibt es ein Vorbereitungsgeheimnis? Eine aussergewöhnliche Routine, der sie folgen, um Ihre Ziele zu erreichen?

Ich habe für mich ein Gerät entwickelt, mit dem ich die Balance trainieren kann, weil ich keinen Trainingsplatz mehr habe. Ich kann es im Wohnzimmer aufbauen, es verfügt über drei verschiedene Stangen. Damit trainiere ich oft, auch Arme und Schultern.

Auf welchen Weltrekord sind Sie besonders stolz?

Ich bin auf alle stolz. Einer nach dem anderen hat sich ergeben.

Sie üben auch das Runterfallen vom Seil?

Ja, immer mehr. Die Reflexe zu haben ist sehr wichtig.

Wie gehen Sie mit den Risiken um – und wie minimieren Sie diese?

Ich kann nicht sagen: Ich mache jetzt mal ein Jahr Pause und mache nichts. Dann müsste ich ganz aufhören. Dann schleicht sich Unsicherheit ein, und das ist gefährlich. Zwei, drei Monate pausieren – das geht. Dann gehe ich wieder mit Freude dran, und man ist nach kurzer Zeit wieder sicher und fit.

Sie wollen Ihren eigenen Todesrad-Rekord brechen. Wie kamen Sie zu dieser Nummer?

Das Todesrad ist ein Spielzeug, das in den USA erfunden wurde und das es dort schon lange gibt. Ich bin 1996 im Zirkus Flic Flac dazu gekommen, bei dem ich engagiert war. Ich fragte, ob ich damit mal trainieren kann. Die Direktoren erlaubten mir, es frei zu benutzen. Nach der Show schob ich das Todesrad in die Manege und begann, darauf herumzuturnen. So wurde ich gut damit und kam langsam in die Nummer rein.

Bei ihrem Rekord vor 12 Jahren waren Sie 24 Stunden im Todesrad, jetzt wollen sie 25 Stunden schaffen. Was geht einem bei so einem Rekordversuch durch den Kopf?

Damals, 2006, war es nach 13 Stunden und dann nochmals nach 18 Stunden ganz schlimm. Das Rad stand in einer Halle, das war sehr monoton. Nach einer Weile schmerzten die Knöchel, ich hatte Rückenschmerzen. Im Rad zu laufen oder auf der Strasse – das ist ein grosser Unterschied. Die Belastungen sind anders.

Ihr Partner war damals der Extremsportler Joey Kelly.

Ja, er sagte mir: «Sag mir, wenn Du am Anschlag bist.» Irgendwann konnte ich wirklich nicht mehr. Ich hatte für so eine Situation mit Kelly abgemacht, fünf Minuten durchzuhalten. Joey Kelly rief: «Lauf die fünf Minuten!» Und tatsächlich: Nach fünf Minuten ging es wieder.

Jetzt in Zofingen steht das Rad draussen. Ist die Ausgangslage damit schwieriger oder einfacher?

Das ist sicher abwechslungsreicher. Es kann auch regnen und kalt sein, es werden immer Leute vorbeischauen. Die Zeit wird vermutlich schneller vorbeigehen.

Haben Sie einen Mentalcoach?

Nein, es sind meine Erfahrungen, die ich mitnehme. Was mir Joey Kelly damals gegeben hat in den 24 Stunden, ist unglaublich.

Was isst und trinkt man in diesen 24 Stunden?

Bananen, Cola, vielleicht mal ein Red Bull. Viel Zucker halt.

Toilette?

Ich will auf jeden Fall nicht aus dem Rad raus. Beim Weltrekord mit Kelly hatten wir zweimal fünf Minuten Pause. Darauf verzichte ich jetzt.

In den sozialen Medien sind Sie oft mit Ihrem Sohn Leo zu sehen, der sich schon artistisch betätigt. Wird er Ihr Nachfolger?

Ich kann es nicht sagen, vielleicht wird er Anwalt oder Lehrer. Aber ja: Er fährt Töff, seit er drei Jahre alt ist. Das Artisten-Gen von mir hat er sicher, was er daraus macht, kann ich nicht sagen. Mein Papa stand beim Training noch mit erhobenem Finger dabei; er korrigierte zum Beispiel sehr streng meine Fussstellung. Das war alte Schule. Diese harte Tour mache ich mit meinem Sohn nicht mehr. Und wichtig sind mir eine gute Schulbildung und ein Lehrabschluss.

Mit den ZT Medien zum Weltrekordversuch

Die ZT Medien AG, die unter anderem diese Zeitung herausgibt, ist immer in Bewegung – anlässlich der 30. Austragung des Powerman Zofingen möchten wir auch unsere Leserinnen und Leser in Bewegung bringen. Dafür eignet sich der nächste Samstag besonders gut; für diesen Tag hat die ZT Medien AG das Patronat für die Anlässe rund um den weltweit beachteten Sportanlass übernommen. Familien, Kinder und Jugendliche können sich an einem der vielen Läufe einschreiben und sich bewegen – ganz schnell oder auch gemütlich. Wer teilnimmt, tut erst noch Gutes: Der Reinerlös der Startgelder geht an den Spittelhof Zofingen, die Stiftung «Denk an mich» und die Schweizerische Muskelgesellschaft. Anmeldung: www.powerman.ch/de/charity.

Andere sind in Bewegung, weil sie das Tanzbein schwingen: Am Abend geht die Party im Stadtsaal in Zofingen ab, der Name der österreichischen Stimmungsband Wirbelwind ist Programm.

Bewegen wie keiner sonst wird sich auch der international bekannte Hochseilartist Freddy Nock aus Uerkheim. Nock will am nächsten Wochenende den eigenen Weltrekord überbieten und 25 Stunden im Todesrad laufen.

Vor Ort sein wird auch Radio Inside: Hier können Besucherinnen und Besucher ihre Musikwünsche aufgeben, die dann direkt über den Sender zu über 35 000 Hörern gelangen.

Besonders interessant: Wir bieten zusammen mit Aargau Verkehr (AVA) auf zwei Linien kostenlos Extrabusse zum Powerman nach Zofingen an. Die genauen Abfahrtszeiten und alle Angaben zum Programm auf der Rosengarten-Wiese und im Stadtsaal finden Sie auf www.ztmedien.ch/ztbewegt. Hier die wichtigsten Angaben:

Linie Langenthal: ab 11 Uhr und 12 Uhr via St. Urban – Vordemwald – Strengelbach – Zofingen.

Zurück: ab 18.30 Uhr und 19.30 Uhr.

Linie Sursee: ab 11 Uhr via Dagmersellen – Reiden – Zofingen. Zurück: ab 18.30 Uhr und 19.30 Uhr.

Als Co-Sponsoren sind Merbag und Remax an Bord; sie unterstützen das Engagement der ZT Medien AG.

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