Bildungskommission in Zukunft ohne Entscheidungsgewalt?

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Die Frage zur künftigen Bildungskommission entzweit die Behörden in der Gemeinde Wikon. (Archiv/André Widmer)

«Beratende Bildungskommission ja oder nein»? Die Abstimmungsfrage in Wikon für den 23. September zur Zukunft des jetzt als Schulpflege bekannten Gremiums entzweit in der Wiggertaler Gemeinde die Behörden. Genauer gesagt: Eine Mehrheit der heutigen Schulpflege ist gegen den Antrag des Gemeinderates, aus der Schulpflege eine Bildungskommission ohne Entscheidungskompetenz zu machen. Ab 2020 soll die Bildungskommission gar einen Sitz weniger haben. Die Gemeinde verspricht sich dadurch mehr Kompetenz und Verantwortung unter einem Dach. Heute setzt sich in Wikon die Schulpflege aus deren Präsidenten Reto Studer, Gemeinderat (Schulverwalter) Markus Dietrich und den beiden Schulpflegemitgliedern Caroline Farner und Philipp Blaser zusammen.

500 Stunden Arbeit

«Es gab nur eine Sitzung mit dem Gemeinderat», bemängelt Schulpflegepräsident Reto Studer neben dem Antrag auch den Meinungsbildungsprozess, der zum finalen Vorschlag geführt hat. Die Hauptkritik jedoch ist, dass mit der neuen Organisation einer Bildungskommission ohne Entscheidungsgewalt die Kompetenzen einseitig dem Gemeinderat zugeordnet würden, so die Schulpfleger. Die Bildungskommission würde auf diese Weise zum Beratungsgremium degradiert. «Somit wird das bewährte und erfolgreiche Milizmodell aufgegeben und ein gezieltes demokratisches Mitspracherecht der Bevölkerung verweigert», argumentiert die Schulpflege in einer Stellungnahme. Präsident Studer versteht die Schulpflege auch als «Puffer zwischen Gemeinderat und Schulleitung». Zwar ist der Schulleiter für die Einstellung von Lehrern zuständig, die Schulpflege hat aber mannigfaltige weitere Aufgaben mit Tragweite: Heute stellt die Schulpflege in Wikon die Schulleitung ein, ist für interne und externe Evaluation und die Umsetzung des Leistungsauftrages zuständig, beantragt allfällige Schulkreiswechsel.

Reto Studer erklärt, dass andere Gemeinden von der Grössenordnung Wikon sich für eine Bildungskommission mit Entscheidungskompetenz entschieden hätten. Insgesamt 500 Stunden arbeitet die Schulpflege derzeit im Jahr. Studer befürchtet, dass sich diese Arbeit auf Schulleitung und Gemeinderat verlagern würden und diese dann grössere Pensen benötigten. Die Aufgaben würden nicht weniger. Reto Studer, der selber in Dagmersellen als Schulsozialarbeiter angestellt ist, sagt: «Die Schule ist komplex und vielseitig, da muss man ein grosses Knowhow mitbringen». Die von Reto Studer gelobte Scharnierfunktion ist indes ein Punkt, den Gemeinderat Markus Dietrich abgeschafft und durch den direkteren Weg von Schulleitung zu Gemeinderat ersetzt sehen will. «So sind wir viel effizienter, ein Bindeglied ist nur ein Durchlauferhitzer». Schliesslich sei es auch der Gemeinderat, der für die Ausgaben im Bildungsbereich gerade stehen müsse.

Stärkung für Schulleiter

Dass die Bildungskommission über Klassengrössen entscheiden kann, dann aber der Gemeinderat «nur» für die entsprechenden finanziellen Folgen verantwortlich sein darf, sieht Dietrich als unpassend an. Ein Beispiel sei ein Verfahrensfehler der Bildungskommission, auf den die kantonale Dienstelle Volkschullbildung hinweist und der rund 5800 Franken Kosten für die Gemeinde verursacht habe. Der Gemeinderat soll künftig die oberste Führungs- und Aufsichtsbehörde über die Schule Wikon sein, so das Ansinnen. Der Gemeinderat erhofft sich eine Kostenreduktion bei den Ausgaben für die Schulpflege von derzeit 13 800 auf noch 7000 Franken. Der Schulverwalter vertritt zudem die Meinung, dass beispielsweise der Schulleiter durch die Kompetenzverschiebungen in seiner Position gestärkt wird. Schulverwalter und Gemeinderat Markus Dietrich wehrt sich zudem gegen den Vorwurf, dass die Schulpfleger im Vorfeld zu wenig in die Entscheidungsfindung eingebunden worden seien. «Das stimmt so nicht». Der Gemeinderat hat den Entwurf, der zudem vom Kanton abgesegnet wurde, der Schulpflege im März zukommen lassen und bis im Mai Zeit gegeben, Stellung zu beziehen. Ausser dem Nein zur Abgang der Kompetenzen habe es keine substantiellen Beiträge von Seiten der Schulpflege gegeben.

Eine Informationsveranstaltung zur Vorlage findet am Dienstag, 11. September, 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Wikon statt. 

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