Wenn die Mama meint, die Duathleten seien nicht ganz «putzt»

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Bei ihrer Premiere über die Langdistanz beim Powerman Zofingen 2017 lief Melanie Maurer im WM-Rennen als Sechste ein. MICHAEL WYSS

Ein Mädchen und ihre Mutter stehen am Streckenrand des Powerman Zofingen. Die beiden verfolgen gebannt, wie sich die Duathleten abmühen. «Die sind doch nicht ganz ‹putzt›», findet die Mama, «irgendwie cool» die Tochter. Seit jener Szene sind 20 Jahre vergangen. Das Mädchen kaufte sich irgendwann für 20 Franken ein Rennvelo, ist heute 30 und die stärkste Duathletin des Landes: Melanie Maurer. «Meine Wahrnehmung von solchen Rennen veränderte sich mit den Jahren», sagt die in Wikon aufgewachsene Sportlerin, «meine Mutter findet heute noch, dass das Ganze nicht normal ist.» Melanie Maurer spricht von Wettkämpfen wie das Langdistanz-Duathlon-WM-Rennen vom Sonntag: 10 km Laufen, 150 km Radfahren und nochmal 30 km Laufen. «Eigentlich scheinen 150 km schon weit, wenn man sie mit dem Auto zurücklegen muss», sagt die in Bern wohnhafte Luzernerin, «aber mit Routine relativiert sich vieles.»

Achtmal findet man Melanie Maurer in der Rangliste des Powerman Zofingen. Erstmals nahm sie 2004 teil und siegte als 16-Jährige bei den «Powerteens». Von 2010 bis 2016 finishte sie fünfmal über die Kurzdistanz, beim letzten Start als Schnellste. Grund für den Aufstieg war, dass Melanie Maurer seit 2011 das Ausdauertraining intensivierte. Bis 2012 hatte sie Handball gespielt, auch beim TV Zofingen und bei Thun in der höchsten Schweizer Liga, ehe sie ein Knorpelschaden im rechten Knie zum Sportartenwechsel zwang. «Manchmal vermisse ich es, mit anderen zu Trainieren. Als Einzelsportlerin bist du meist allein unterwegs», sagt Melanie Maurer, die eine Rückkehr zum Handball ausschliesst. Zumindest aufs Feld: «Ich würde mir bei einem Sprungwurf wohl die Schulter auskugeln.» Ein Engagement als Konditionstrainerin würde sie aber reizen.

Zurück in die Arbeitswelt

Das Rüstzeug dafür hätte sie mit dem Bachelor in Psychologie und Sportwissenschaften und als fast diplomierte Physiotherapeutin. Fast – denn das Physio-Studium hat Melanie Maurer unterbrochen. 2017 stürzte sie beim Multisportevent «Biennathlon», brach sich das Schlüsselbein und zog sich eine heftige Gerhinerschütterung zu, deren Nachwehen sie von den Abschlussprüfungen abhielten. Maurer entschied sich, statt an die Uni in die Arbeitswelt zurückzukehren. In einem 70-Prozent Pensum ist sie für Big Friends, einem Unternehmen in der Sportbranche engagiert. Big Friends ist auf Rad- und Laufsport, Triathlon und Langlauf spezialisiert und betreibt nebst einem Shop eine Trainingsakademie. Melanie Maurer ist im Verkauf tätig, leitet Trainings und schreibt Trainingspläne für mehrere Athleten. Von Letzterem profitiere sie auch selber, weil ihr bewusst werde, dass Jeder einen eigenen Weg finden müsse, um die Leistung steigern zu können. «Wir sind Individuen mit Vorlieben. Der Transfer von Theorie in die Praxis ist nicht ohne», sagt die Sportwissenschaftlerin, die in ihrer Ausbildung auch viel über Ernährung lernte.

MAURERS POWERMAN-RESULTATE

Vom Powerteen zur WM-Medaillenanwärterin

2017: ITU-WM-Langdistanz-Rennen, Platz 6, 8:10.53. – 2016: Hauptklasse Short Frauen, Platz 1, 2:28.08. – 2013: Hauptklasse Short Frauen, Platz 3, 2:34.41. – 2012: Hauptklasse Short Frauen, Platz 3, 2:39.28. – 2011: Hauptklasse Short Frauen, Platz 4, 2:44.18. – 2010: Hauptklasse Short Frauen, Platz 3, 2:48.36. – 2005: Powerteens weiblich Youth, Platz 1, 37.59. – 2004: Powerteens weiblich Youth, Platz 1, 37.19.

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Im Jahr 2011 finishte Melanie Maurer den Short-Powerman als Vierte. MWY


Das mit dem Essen ist bei der 30-Jährigen aber so eine Sache. Zwar sagt sie zu einem Nachtessen in guter Gesellschaft nie Nein, ebensowenig zu einem Schokoriegel zwischendurch. Aber bei Langdistanz-Rennen rebelliert schon mal der Magen. Bei ihrer Premiere im WM-Rennen des letztjährigen Powerman musste sie sich auf der zweiten Laufstrecke mehrmals übergeben. Magensäure und Schleim erschwerten ihr am Schluss der 30 km das Atmen. «Passiert mir das heuer wieder, werde ich aufgeben, was aus medizinischer Sicht das einzig vernünftige ist.» Unzählige Abklärungen hat Melanie Maurer hinter sich, eine Ursache für ihr Problem fanden die Ärzte nicht.

Topresultat wäre die Krönung

Die Kaderathletin wollte in Zofingen zuerst nur über die Kurzdistanz starten. Vor fünf Wochen entschied sie sich aber in Absprache mit dem Nationaltrainer und mit der Option auf einen Rennabbruch doch für den langen Powerman: «Die WM vor der Haustür lockt und ein gutes Resultat würde meine Saison krönen.» Ihr Palmares 2018 lässt sich definitiv sehen: Gold an der Mitteldistanz-Duathlon-SM in Tramelan, Silber an der Mitteldistanz-EM und an der Intervall-Duathlon-SM in Zofingen, Platz 6 an der Langdistanz-WM in Dänemark, fünf Siege in der nationalen Duathlon-Serie bei sieben Starts. «Wenn alles aufgeht und die Magenprobleme erst gegen Ende auftauchen, laufe ich mit einem guten Gefühl ins Ziel. Dann wird auch das Resultat gut sein.» Gut möglich, dass es im besten Fall zu einer Medaille reicht. Melanie Maurer freut sich auf Unterstützung am Streckenrand; von Freunden, Verwandten und von ihrer Mutter – «‹putzt› oder ‹nicht putzt› hin oder her.»

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Mit Handball begann Melanie Maurers Sportkarriere beim TV Zofingen. ZVG
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