Dieser Rolling-Rocker singt den Bass im erfolgreichsten Männerchor des Landes

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Der Uerkner Stefan Renevey mit Schwein Horst und im «Heimweh»-Look (unten). Peter Weingartner
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Im «Musik- und Wäschezimmer» auf dem Hof Heizenberg ob Uerkheim liegt die Gitarre auf dem Sofa, und die Trophäen hängen an der Wand: Platin und Gold für «Heimweh»-Alben. Hier lebt und wirkt Stefan Renevey mit seiner Lebenspartnerin Erika Schär. Ein Paradies, das auch viel Arbeit bedeutet. Erika wars denn auch, die Stefan zum Singen ausserhalb des privaten Rahmens animiert hat. «Sie hat mich nach Suhr zum Chor Stimmbar mitgenommen», sagt er. Da sind die beiden weiterhin aktiv.

Der Leiter dieses Chors, Mark B. Lay, habe ihm dann «Heimweh» empfohlen, wo ein Bass gesucht wurde. Ein Vorsingen und zwei Wochen später hatte er einen Vertrag mit dem aktuell wohl erfolgreichsten Männerchor des Landes. Gerade ist das neue Album «Vom Gipfel is Tal» in die Läden gekommen.

Er sammelt LPs
Mundartlieder mit Volksmusikgroove sind eigentlich nicht seine Musik. «Von meinen 2500 Platten gehört keine zu diesem Genre», sagt er. Er mags gerne rockig, hat viele Raritäten. 60er-, 70er-Jahre. «Ich handle nicht, ich sammle», sagt er, und die Freude ist gross, als der Zustellbote der Post eben ein Paket aus Spanien bringt mit einer neuen alten Vinyl-Platte: «Supernatural Fairy Tales» von der Gruppe Art (aus dem Jahr 1967), aus der dann «Spooky Tooth» hervorgingen. Auch die Katzen tragen einschlägige Namen: Prince, Joni (Mitchell), Bootsy (Collins), Robin (Trower). Fast zehn Jahre war Stefan Präsident des Vereins «Skateclub Rolling Rock» in Aarau; heute sitzt er noch im Vorstand. Er ist ein leidenschaftlicher Inline-Skater, hat den Berlin-Inline-Marathon sieben Mal gemacht und ist jahrelang den Swiss-Inline Cup gefahren.

«Heimweh» ist ein Projektchor. Im Moment sinds zwölf Sänger; an den Konzerten stehen jeweils acht auf der Bühne. Georg Schlunegger komponiert die Lieder und schreibt die Texte. «Heimat ohne Schmalz», sagt Stefan. Es gehe darum, die Menschen zu berühren. Emotionale Momente zu kreieren. Und das gelinge; an Konzerten werde manche Träne verdrückt, da die Texte die Leute bei deren Erfahrungen abholten, an deren Erlebnissen und Erinnerungen anknüpften. Themen wie Freundschaft, Familie, Liebe, Heimat, Verlust, Tod. Die Sänger erzählen jeweils auch persönliche Geschichten. «Viele Leute haben gemerkt, dass die Schweizer Kultur nicht so schlecht ist», sagt Stefan. Identitätsstiftend seien solche Lieder. Wie auch Schwingfeste. Was einst belächelt wurde, ist nun anerkannt. Managerin Yael Jundt von HitMill 360 bringts auf den Punkt: «Wir waren 2016 zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Innerschweizer Dialekt lernen
Unter den zwölf Männern hats Bergler und Städter, vom Wirt über den Bauern und den Unternehmer bis zum Disponenten im Polizeidienst. «Uns verbindet die Naturverbundenheit, die Freude an der Musik und der Schweizer Kultur», sagt Stefan, der in Zürich und Kölliken aufgewachsen ist und seit fünf Jahren in Uerkheim wohnt. Gemeinsame Proben gibts vorab am Tag der Konzerte. Sonst müssen die Männer selber üben. Distanzen, Arbeitszeiten: Das geht nicht anders. Der Vorteil des Aargauers: Er wohnt zentral. Andere Mitglieder kommen aus der Nähe von Solothurn, Luzern, viele kommen aus den Urkantonen und einer aus der Ostschweiz.

Da stellt sich die Frage nach der Mundart. «Der Dialekt des Leadsängers bestimmt den Dialekt des Liedes», sagt Stefan. Und das sind die Baritone und Tenöre. Georg Schlunegger arbeitet dann mit diesem Sänger zusammen. Möglicherweise müssen neue Reime gesucht werden. Auf jeden Fall gilt es, in diesen Idiomen zu singen. «Nicht immer einfach, vor allem der Dialekt der Innerschweizer», lacht Stefan und verzieht den Mund, um die richtigen Vokale zu produzieren. «Es könnte von mir aus so weitergehen», sagt Stefan, der aus erster Ehe zwei Söhne und drei Enkelkinder hat. Der Projektchor «Heimweh» bringe etwas ein. Er legts in gutes Essen an, besucht Festivals: Gampel, Montreux. Hauptberuflich arbeitet er bei shelterschweiz, einem Verein mit Sitz in Bremgarten, der Menschen in schwierigen Situationen Pflegeplätze in Familien vermittelt, als Sozialpädagoge. Da ist auch teilweise Homeoffice möglich. Ein Vorteil, denn es gilt Yaks, Schafe, Schweine, Hühner, Wachteln und Katzen zu betreuen. Abgesehen von der Hundezucht (Broholmer).

Gelebte Naturverbundenheit: Wald und fünf Hektaren Land kommen dazu. Aber wenn Stefan Renevey, ein «Bewegungsmensch», einen Auftritt hat, kann er beim Singen nicht ruhig stehen. Neu hat er einen Randplatz, dann hat er mehr Platz zum Tanzen und Schäkern mit Musikern und Publikum, da lebt er seine zweite Natur aus. Und «Heimweh» ist ansteckend: Erika hat sich eine Tracht gekauft.

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