Fricktal ist ein Mekka für Fossilienfans: Über 100 Versuchten am Wochenende ihr Glück

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Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer meldeten sich für die Fossiliengrabung in Ueken an, mit Schaufeln, Spitzhacke, Hammer und anderem Gerät machten sie sich ans Werk
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Vater und Sohn reisten aus der Innerschweiz an (links), Sarah Spescha aus Oberbözberg mit ihrem Fund.

Jo Roelofs hat schlecht geschlafen. Dem Organisator der Fossiliengrabung in Ueken im Fricktal machte das Wetter Sorgen. «Ich bin mehrmals aufgestanden, um zu schauen, ob der Regen aufgehört hat», sagte der Präsident der Vereinigung der Mineralien- und Fossilienfreunde Aargau (MFFA) und Grabungsleiter. Die Sorgen waren, zumindest was den Samstagmorgen angeht, unbegründet. Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Grabungsort auf einem Feld in der Nähe des Steinhofs spazieren, regnet es nicht. Trotzdem sind die meisten mit Regenjacke, Regenhose, Gummistiefeln ausgerüstet. Man weiss ja nie.

Besuch aus der ganzen Schweiz
Mehr als 100 Personen haben sich bei Jo Roelofs angemeldet, um während zweier Tagen nach Fossilien zu suchen. Darunter sind viele Mitglieder der MFFA, aber auch weitere Gäste aus der ganzen Schweiz. Am Strassenrand neben dem Feld stehen auch Autos mit Kennzeichen aus Tessin und Appenzell.

Viel Platz gibt es am Grabungsplatz nicht. Alle knien dicht nebeneinander und graben. Einige mit den Händen, andere haben Schaufeln und Hacken dabei. Die meisten suchen nach versteinerten Ammoniten, einer Tierart, die an die heutigen Schnecken erinnert und während 350 Millionen Jahren auf der Erde existierte, bevor sie zusammen mit den Dinosauriern vor 65 Millionen Jahren ausstarb. Das sei das Faszinierende am Fossiliensuchen, sagt Sarah Spescha, während sie mit einer Gartenhacke den Boden vor sich auflockert. «Etwas in den Händen zu halten, das vor mehreren Millionen Jahren auf der Erde existiert hat. Das löst in mir eine Art Ehrfurcht aus.»

Zu ihrem Hobby fand Spescha per Zufall. «Ich bin während des Baus des Bözbergtunnels an einem Hügel Aushub vorbeispaziert, als ich plötzlich etwas aus der Erde ragen sah.» Sie habe vorsichtig daran gezogen – und plötzlich eine versteinerte Auster in der Hand gehalten. Bis heute ist es ihr Lieblingsfundstück. «Sie ist so gut erhalten, dass sie sich noch öffnen und schliessen lässt», erzählt sie. Spescha behält nicht alle Fundstücke. Einige schenkt sie auch den Enkelkindern. «Die freuen sich, und manchmal begleiten sie mich beim Suchen.»

Sie ist nicht die Einzige, die die Liebe zum Fossiliensuchen in der Familie weitergeben will. Auch Pia Bachfischer ist mit ihrem Sohn angereist. Während die Mutter nach Fossilien sucht, interessiert sich der Sohn mehr für die langen, dicken Regenwürmer, die sich in der Erde tummeln. «Ich habe schon drei gefunden», ruft er begeistert. Sorgfältig legt er die Würmer neben die Fundstücke der Mutter.

Zu tief graben lohnt sich nicht
Zwischen den Fossiliensuchern geht Georg Burkhardt umher. Er ist Vorstandmitglied der MFFA und hat viele Jahre Erfahrung. Die meisten Grabenden auf dem Feld seien Anfänger, sagt er. Sie müssten erst ein Gefühl dafür bekommen, bei welchem Stein es sich lohnt, ihn zweimal in die Hand zu nehmen. «Die meisten brauchen ungefähr 30 Minuten, bis sie die Versteinerungen in den Steinen erkennen.»

Dazu hilft er ihnen, den richtigen Ort für die Suche zu finden. «Wenn man heute nichts findet, dann hat man meistens am falschen Ort gegraben.» Beim Graben selber gebe es nicht viel, was man beachten müsse. «Am wichtigsten ist es, nicht von oben auf die Steine zu hacken. Sonst gehen die Fossilien kaputt.» In die Tiefe zu graben bringe ebenfalls nichts, denn «die Ammoniten liegen in den oberen Schichten.» Besser sei es, ein schmales Band in die Erde zu graben, und denn die Steine aus den Wänden zu heben.

Am Feldrand steht der Geologe Peter Bitterli und schaut den anderen beim Fossiliengraben zu. Selber will er nicht mehr unbedingt zur Hacke greifen, aber er mag es, seine Leidenschaft für die Geologie weiterzugeben.

«An Fossilien kann man viel über die Geschichte der Erde ablesen», erzählt Bitterli. Hier in Ueken sei zum Beispiel erkennbar, wie sich das Klima innerhalb von relativ kurzer Zeit drastisch verändert habe. «Je tiefer wir graben, desto älter wird die Schicht. So sehen wir, dass immer mehr kaltwasserliebende Ammoniten eingewandert sind.»

Peter Bitterli hat mitgeholfen, den Platz für die Grabung in Ueken zu finden. Dafür konsultierte er geologische Karten. «Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Einerseits müssen die geologischen Bedingungen stimmen, andererseits muss der Landbesitzer einverstanden sein», nennt er zwei wichtige Voraussetzungen.

Mekka für Fossilienfans
Die Fossiliensuche in Ueken findet auf dem Land von Robert Schmid statt. «Ich weiss, dass dieses Feld für die Fossilienfans interessant ist», sagt Schmid. Deshalb habe er sein Landstück auch für eine organisierte Grabung zu Verfügung gestellt. «Sonst kommt es vor, dass einzelne Personen auf meinem Feld herumtrampeln und irgendwo zu graben beginnen. Da habe ich jeweils gar keine Freude.»

Mit seiner Familie stellt Schmid um die Mittagszeit einen Stand auf, wo er Kaffee und Kuchen zur Stärkung verkauft. Jo Roelofs ist einer der Ersten, die sich dort einen Kaffee holen. Er ist zufrieden mit der Grabung. Immer wieder kommen Teilnehmer bei ihm vorbei und zeigen ihm ihre Fundstücke. «Ich weiss auch nicht, woran es liegt, aber gewisse Menschen finden immer schönere Sachen als andere», sinniert er. Es beginnt leicht zu regnen, vor dem Kuchenstand wird es voll. «Das gehört auch dazu», freut sich Grabungsleiter Roelofs, als er sieht, wie alle Teilnehmer zusammenstehen und plaudern. «Es soll nicht jeder nur vor sich hingraben, sondern wir wollen uns auch austauschen und eine Gemeinschaft sein.»

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