Diese Suppe mag ich nicht

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erbstzeit ist Ernte- und Jagdzeit. Was davon darf künftig auf unseren Tellern landen? Darüber stimmen wir am 23. September gleich zwei Mal ab. Die Ziele der Volksinitiative zur «Ernährungsressourcensouveränität» erinnert auf den ersten Blick an die Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg. Was profitieren wir Konsumenten? Es geht eher um die Eigeninteressen einiger Landwirte. Die wollen den grenzüberschreitenden Lebensmittelhandel via Vorgaben bei den Produkten und Zöllen weitgehend abklemmen. Nur noch essen, was unsere Weiden und Äcker hergeben? Die Schweiz als autarker Agrarstaat? Kartoffeln statt Rasen in unseren Gärten? So extrem auch nicht. Aber sichern Modelle à la Ballenberg, welche mit internationalen Handelsverträgen – unsere Exportindustrie – nicht vereinbar sind, die Zukunft unserer Bauern? Was sie benötigen, wären faire Preise – speziell bei der Milch.

Lebensmittel sind extrem preissensibel. Billig ist beim Einkauf von Fleisch, Milchprodukten und Gemüse «geil». Der Einkaufstourismus blüht. Am Bundesfeiertag stauten sich die Autos zwischen Döttingen und Waldshut – Zeit und Weg spielen für «Billig» kaum eine Rolle. Im Inland florieren Billigstanbieter und graben den weniger günstigen traditionellen Grossverteilern einen immer grösseren Teil des Kundenstroms ab.

Billig, das ist definitiv nicht Ziel der FairFood-Initiative. Sie möchte, dass in unserem Land nur noch gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel in den Handel kommen – und gegenüber nicht konformen Produkten aus dem Ausland ein eiserner Vorhang fällt. Ein H zentrales Anliegen ist den Initianten das Tierwohl. Das ist sympathisch. Aber schon heute sind Rindfleisch aus Muttertierhaltung, Fleisch vom Weideschwein, Eier vom Huhn mit Auslauf im Angebot. Das hat seinen Preis, was auch für Bio-Gemüse gilt. Produkte, die den Anforderungen der Initianten nicht genügen, sollen mit einem Importverbot belegt werden. Unklar ist im Tierbereich, ob das auch für den Import geschächteten Fleisches gilt, welches den Halal-Vorschriften gläubiger Musliminnen und Muslime entspricht – aber nicht unseren Vorstellungen vom Tierwohl.

Szenenwechsel 1. Die Ärztin und ehemalige «Tierwelt»-Chefredaktorin Martina Frei hat letzte Woche im «Tages-Anzeiger» einen Artikel zum Thema Armut veröffentlicht, der aufschreckt. Kernaussage: Vegan ernähren sich nicht nur Leute, die einem Trend folgen, sondern zwangsweise auch Kinder aus ärmlichen Verhältnissen – Kartoffeln, kaum tierisches Eiweiss, aber auch nur wenig Gemüse. Die Folge: Mangelernährung. Unglaublich, aber es steht da so: Ab und an Fastfood – ein Hamburger – wäre der Gesundheit eines betroffenen Kindes förderlich.

Szenenwechsel 2. Ich kann mir Fair-Food leisten, lasse mir Bio aber nicht aufzwingen – kaufe auf dem Markt oder ab Hof mehrheitlich IP-Erzeugnisse. Letzte Woche besuchte ich einen entfernten Verwandten in einem ausserkantonalen Pflegeheim. Dort sind auf dem Essensplan für jeden Tag drei Menüs – eines vegetarisch. Donnerstag ist jedoch Vegitag – kein Fleisch. Eine Minderheit diktiert einer Mehrheit, was sie donnerstags essen darf.

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