Honoraraffäre: Chefarzt führte eine eigene Datenbank

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Undurchsichtiges Abrechnungssystem. Chefarzt am KSA führte eigene Datenbank (Symbolbild: Shutterstock)

Die Affäre um den Chefarzt der Angiologie am Kantonsspital Aarau (KSA), der über 500 Mal Leistungen auf seinen Namen erfasste, obwohl er abwesend war, hat einiges ausgelöst. Zuerst verlangte SVP-Grossrätin Désirée Stutz, die Rollen des kantonalen Gesundheitsdepartements und der Staatsanwaltschaft bei der Untersuchung der Vorwürfe müssten geprüft werden. Dann beantragte GLP-Fraktionschefin Barbara Portmann eine Aufklärung der Affäre durch die grossrätliche Geschäftsprüfungskommission. Schliesslich forderte FDP-Grossrat Ulrich Bürgi, Präsident der Gesundheitskommission, eine Ausweitung der Untersuchung auf das Kantonsspital Baden.

 

Nur der Chef erfasste Leistungen
Bisher ungeklärt ist aber die Frage, wie der Chefarzt Angiologie am Kantonsspital Aarau vorging. Konkret: Wie ist es bei einem modernen elektronischen Leistungserfassungssystem möglich, dass ein Arzt mehrere Jahre lang Leistungen systematisch falsch erfasst? Dies war das Resultat einer externen Revision, die das Spital nach Hinweisen anderer Ärzte in Auftrag gegeben hatte.

Recherchen der AZ zeigen nun: Der fehlbare Chefarzt, der vom Kantonsspital verwarnt wurde und eine Rückzahlung leisten musste, führte eine eigene Datenbank. Grundsätzlich funktioniert das Honorarwesen so, dass jeder Arzt seine Leistungen selber ins elektronische Leistungserfassungssystem des Spitals eingibt. In der Gefässmedizin am Kantonsspital Aarau gab es gemäss AZ-Informationen aber eine andere Praxis. Der Chefarzt legte demnach fest, dass seine Leitenden Ärzte, Oberärzte und Assistenzärzte ihre Leistungen nicht selber im elektronischen System des Spitals erfassen durften.

Vielmehr mussten die Ärzte, die ihm unterstellt waren, diese zuerst in eine separate Access-Datenbank eintragen. Danach gab der Chefarzt die Leistungen aller anderen Ärzte aus seinem Team selber ins Spitalsystem ein - und rechnete in zahlreichen Fällen auf seinen Namen ab, obwohl ein anderer Arzt die Patienten behandelte. In der Access-Datenbank stand zum Beispiel der Name eines Oberarztes, im Erfassungssystem des Spitals trug der Chefarzt hingegen sich selber ein.

«Inzwischen ist dies anders»
Robert Rhiner, der CEO des Kantonsspitals Aarau, bestätigte im Rahmen des AZ-Interviews vom 1. September: «Der Chefarzt führte in einer Datenbank die Übersicht der Leistungen der Ärzte.» Rhiner weiter: «Der Chefarzt ist verantwortlich für die Leistungserfassung seiner Klinik und deswegen ist nichts gegen diese Kontrolle einzuwenden.»

Zu den AZ-Informationen, dass der Chefarzt die separate Datenbank nicht nur zur Kontrolle nutzte, sondern dort eingetragene Leistungen anderer Ärzte auf seinen Namen im Spitalsystem erfasste, äussert sich Rhiner nicht konkret. Er sagt allerdings, inzwischen sei die Praxis am KSA anders, «indem die Ärzte ihre Leistungen direkt ins Erfassungssystem eingeben». Die Verantwortlichkeit des Chefarztes habe sich dadurch aber nicht geändert.

Anwalt hält Zusage nicht ein

Die Informationen über die separate Datenbank des Chefarztes lagen der AZ schon vor zehn Tagen vor. Die Redaktion konfrontierte das Spital und auch den Chefarzt selber mit den Vorwürfen. Dieser meldete sich am letzten Samstag per E-Mail und bot an, weitere Fragen schriftlich zu beantworten.

Am Montag erhielt die Redaktion von Stefan Semela, dem Rechtsanwalt des Chefarztes, eine Abmahnung. Semela bestritt darin die Vorwürfe und drohte rechtliche Schritte an, wenn ein Artikel erscheinen sollte, der die Persönlichkeitsrechte des Arztes verletze oder ehrverletzende Aussagen enthalte. Die AZ verzichtete vorerst auf die Publikation des Artikels, im Gegenzug sicherte Semela verbindlich zu, er werde im Verlauf der Woche «namens meines Mandanten Stellung zu den Vorwürfen nehmen».

Als die AZ am Freitag nachfragte, wollte der Rechtsanwalt von seiner Zusage nichts mehr wissen. Er teilte per Mail mit: «In Absprache mit der Geschäftsleitung des Kantonsspitals Aarau wird ausschliesslich über das KSA kommuniziert.»

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