Jugendarbeiter richtet Stiftung zugrunde – und das innerhalb von Monaten

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Im Jugendhaus hat der ehemalige Jugendarbeiter mehrere teure Umbauarbeiten ausführen lassen. (Chris Iseli/Archiv)

Als Geschäftsführer der Stiftung Pro Jugend hat er einen Scherbenhaufen hinterlassen, einen Schaden von über 203 000 Franken angerichtet. Ja, er bereue, was vorgefallen sei, versicherte der ehemalige Jugendarbeiter J. auf die entsprechende Frage gestern vor dem Bezirksgericht Brugg. Zur Last gelegt wurden ihm Betrug, Urkundenfälschung sowie mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung.

Der 42-Jährige erschien mit Turnschuhen, blauen Jeans und blauem T-Shirt vor dem Gesamtgericht. Die Atmosphäre war entspannt, der Umgangston freundlich. In nur rund einer halben Stunde war die Verhandlung vorbei, weil es sich um ein abgekürztes Verfahren handelte. Auf die wenigen Fragen von Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven gab J. ruhige, klare Antworten, bestätigte, dass er den Sachverhalt anerkenne und mit den Strafanträgen einverstanden sei.

Entlassen und angezeigt
Gegründet worden war die Stiftung Pro Jugend im Juni 2015, um in der Region Eigenamt Jugendarbeit zu erbringen. J. wurde als Geschäftsführer bestimmt. Ende des gleichen Jahres vermutete der Stiftungsrat erste Ungereimtheiten, 2016 wurde Geschäftsführer J. entlassen und angezeigt.

Zwischen Juni und September 2015 ging der Beschuldigte finanzielle Verpflichtungen von über 203 000 Franken ein, heisst es in der Anklageschrift. Aufgelistet werden Umbauarbeiten im Jugendhaus, Kauf einer Gastroküche sowie Abschluss von Leasingverträgen für eine IT-Infrastruktur und einen Drucker. Die Verpflichtungen lagen laut Anklageschrift in keinem angemessenen Verhältnis zu den damaligen finanziellen Ressourcen der Stiftung Pro Jugend, wurden eingegangen «im Wissen darum, dass im jeweiligen Zeitpunkt die entsprechenden Beträge die finanziellen Möglichkeiten der Stiftung Pro Jugend überschritten und auch keine namhaften Zahlungseingänge in Aussicht standen».

Gemäss Organisationsreglement wäre Geschäftsführer J. verpflichtet gewesen, den Stiftungsrat regelmässig und ausreichend über die Geschäftstätigkeit zu informieren. Bei Beträgen über 10 000 Franken hätte er mit der Stiftungsratspräsidentin Rücksprache halten müssen. Allerdings habe der Beschuldigte lediglich rudimentär und unvollständig informiert. Zudem hat J. der Stiftung Pro Jugend im Oktober 2015 laut Anklageschrift den Betrag von rund 1500 Franken in Rechnung gestellt für angebliche Transportdienstleistungen. Tatsächlich handelte es sich beim überreichten Einzahlungsschein um eine offene Leasingrechnung für ein Fahrzeug, das nichts mit der Stiftung Pro Jugend zu tun hatte.

Konkurs wurde eröffnet
Kurz: Das Budget wurde gesprengt. Dem Stiftungsrat gelang es in der Folge – trotz den eingeleiteten Massnahmen – nicht mehr, die Überschuldung der Stiftung Pro Jugend abzuwenden, weshalb schliesslich auch der Konkurs eröffnet wurde. Verurteilt worden ist der ehemalige Jugendarbeiter zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Die Probezeit ist auf zwei Jahre angesetzt worden. Weiter wurde dem Beschuldigten eine Busse auferlegt in der Höhe von 1000 Franken, überdies hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen sowie die – vom Gericht noch festzusetzende – Urteilsgebühr zu bezahlen.

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