Literaturtage bringen georgische Starautorin nach Zofingen

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Die Autorin Nino Haratischwili ist der Stargast der diesjährigen Literaturtage Zofingen. danny merz

Georgien ist diesen Herbst zu Gast an der Frankfurter Buchmesse und anschliessend an den Literaturtagen Zofingen. Der deutsche Buchmarkt ist gerüstet: 150 Publikationen sind jüngst aus dem Georgischen, das über ein eigenes Alphabet verfügt, ins Deutsche übersetzt worden. Die Büchervielfalt belegt es: Die georgische Literaturszene hat eine ganz eigene Sprache und trägt keine Scheuklappen. Sie arbeitet die wechselhafte jüngste Geschichte wie auch die nach wie vor schwierige Gegenwart Georgiens mit gestalterischer Verve auf.

Die Literaturtage Zofingen präsentieren am georgischen Bücherabend vom Mittwoch, 19. September, in der Buchhandlung Mattmann die acht Autorinnen und Autoren, die vom 19. bis 21. Oktober die Thutstadt zur Literaturstadt machen. Markus Kirchhofer, Programmleiter der Literaturtage und Cécile Vilas, Mitglied der Programmkommission und bis Februar 2018 Leiterin des Bereichs Kultur sowie der Stadtbibliothek Zofingen, werden die Autorinnen und Autoren vorstellen und Passagen aus deren Büchern vorlesen.

Die Hälfte der präsentierten Bücher ist erst seit wenigen Wochen in deutscher Sprache erhältlich. Sie spiegeln kritisch ein Land im Umbruch, das vor zehn Jahren Krieg gegen den übermächtigen Nachbarn Russland führte, in dem die orthodoxe Kirche nach wie vor eine bedeutende gesellschaftliche Rolle spielt und in dem Frauen zunehmend ihre Rechte einfordern. Wer wissen will, was ihn an den Literaturtagen Zofingen erwartet, kann sich hier einen Überblick verschaffen. Noch bleibt Zeit, sich bis im Oktober in das eine oder andere Buch einzulesen.

Mitreissende Schicksale
Den Freunden der Literatur kaum vorstellen muss man die engagierte Autorin Nino Haratischwili. Ihr 1250 Seiten dicker Roman «Das achte Leben (Für Brilka)» ist ein berauschendes Opus über sechs Generationen, das vom Nullpunkt 1900 über 100 Jahre georgischer Geschichte in ein Familienepos packt. Sie wird an den Literaturtagen ihr Ende August erschienenes neuestes Werk «Die Katze und der General» vorstellen. Es ist eine erneut auf persönliche Schicksale heruntergebrochene, mitreissende Studie über den Zerfall des sowjetrussischen Reiches.

Beka Adamaschwili präsentiert mit «Beststeller» einen raffinierten Roman um einen Autor, der seinem Roman durch Selbstmord zum Ruhm verhelfen will und dann in der Literatenhölle in einen aberwitzigen Reigen gerät. Salome Benidzes Erzählsammlung «Die Stadt auf dem Wasser» handeln von sieben ganz unterschiedlichen Frauen, von Liebe und Unabhängigkeit, Leidenschaft und Gewalt, Ängsten und Hoffnungen, Erinnern und Vergessen – und der Suche nach der eigenen Identität.

Lehrstück zu Fundamentalismus
Lasha Bugadzes Roman «Der erste Russe» begibt sich auf die Spur eines Autors, der unter dem Druck der Zensur eine schwierige Entscheidung fällen muss. Das unterhaltsame Lehrstück zu religiösem Fundamentalismus, reaktionärem Nationalismus, Medienmacht und Meinungsfreiheit enthüllt die Machtstrukturen Georgiens. Davit Gabunia zeichnet mit seinem Roman «Die Farben der Nacht» das Bild von Menschen, die auf der Suche nach ihrem Glück alles aufs Spiel setzen und dabei in einer Welt zurechtkommen müssen, in der sich Vergangenheit und Zukunft feindlich gegenüberstehen.

Workshops mit Schulklassen
Iunona Guruli lässt in ihren wundersam märchenhaft und zarten Erzählungen im Band «Wenn es nur endlich Licht gäbe, bevor es dunkel wird» die Stimmen von Jugendlichen zu Wort kommen, die innerlich zwischen den Ansprüchen von Tradition und Gegenwart hin- und hergerissen sind. Tatia Nadareischwili hat mit «Schlaf gut» ein berührendes Bilderbuch für Kinder geschaffen. Sie wird mit Schulklassen aus Oftringen und Zofingen Workshops durchführen.

Der älteren Generation gehört Zurab Karumidze an. Der 63-Jährige hat mit «Dagny oder ein Fest der Liebe» einen postmodernen Roman mit einem bunten Figurenarsenal aus der Geschichte Georgien verfasst. Das überbordende Pastiche verwebt Brennpunkte der georgischen Geschichte und macht sie so greifbar.

Zwei Schweizer Literaturschaffende werden die Gäste aus Georgien im Oktober zum Dialog herausfordern. Die Zofinger Schriftstellerin Margrit Schriber nimmt mit ihrem Roman «Glänzende Aussichten» das Gespräch mit Salome Benidze auf. Der Berner Schriftsteller Lukas Hartmann tritt mit seinem aktuellen Roman «Ein Bild von Lydia» in den Austausch mit Zurab Karumidze. Cécile Vilas und Markus Kirchhofer werden auch die beiden Schweizer Romane vorstellen.

GEORGISCHER BÜCHERABEND

Am Mittwoch, 19. September um 19 Uhr in der Buchhandlung Mattmann in Zofingen. Eintritt frei. Passend zum Bücherabend gibt es einen kleinen Apéro. Aus organisatorischen Gründen wird um eine Anmeldung gebeten an info@mattmann.ch oder per Telefon 062 751 13 05. Weitere Informationen: www.literaturtagezofingen.ch und www.mattmann.ch

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