21-jährige Hauswartin hält Schule und Kindergarten in Schuss

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Um die Schulkinder wird es Rahel Jordi nie langweilig. Die neue Hauswartin mag ihre Arbeitsumgebung. FLURINA DÜNKI

Die Tische im Zimmer für Haushaltsunterricht scheinen korrekt und gerade aneinandergereiht, doch Rahel Jordi sieht gleich, dass der eine oder andere zurechtgerückt werden muss. Die 21- jährige Fachfrau Betriebsunterhalt, die seit April in Kölliken für das Schulhaus Farbweg und den Doppelkindergarten Scheidgasse zuständig ist, nimmt es genau. Was sie anpackt, wird richtig gemacht: So mussten erst sämtliche Reinigungsmittel ihren Test bestehen: «Bevor ich damit zu reinigen anfing, habe ich sie auf den Boden des Materialraums gesprüht und am nächsten Morgen geprüft, ob sie keine Oberfläche angreifen.» Sie sei lieber auf Nummer sicher gegangen. Schnell sei es passiert, dass Mittel vom Kindergarten im Gestell der Schule landen.

Wie einen Revolver hat sie den Putzmittel-Zerstäuber in der Hosentasche eingehakt. Weiteres Arsenal befindet sich auf dem Reinigungswagen. Für jede Oberfläche eine andere Flasche. Wie viele ihrer Berufsgattung trägt sie Blau. Doch hat sie als Vertreterin der neuen Generation diese Tracht gehörig entstaubt: Kein Kittel, sondern ein blaues T-Shirt trägt sie zur blauen Arbeiterhose. Die Farbe harmoniert mit den Tattoos an beiden Armen und den blauen Gummihandschuhen.

Vom Du zum Sie
In der dreijährigen Lehre zur Fachfrau Betriebsunterhalt im Oberentfelder Wohnheim der Stiftung Orte zum Leben waren vor allem ihre haustechnischen Fähigkeiten gefragt: Dafür schauen, dass der Lichtschalter funktioniert, dass der Fernseher läuft. Voriges Jahr schloss Jordi, die aus dem luzernischen St. Urban stammt und seit drei Monaten in Schöftland wohnt, die Ausbildung ab. Ein paar Monate später wurde sie Hauswartin für Kindergarten und Primarschule in Kölliken, schlüpfte von der Rolle der Lernenden in diejenige der Verantwortlichen. Statt mit dem «Hoi» der Stiftungsbewohner wurde sie plötzlich von Schülern mit «Grüezi» begrüsst. Statt einen Arbeitsplan zu befolgen, musste sie selber einen erstellen. «Wie soll ich den Ablauf gestalten? Wo fange ich an? Zu welchen Tageszeiten komme ich am besten an Schülern und Lehrpersonen vorbei? In der ersten Zeit war es ein Haufen Arbeit», sagt sie. Mittlerweile hat sich Routine eingestellt, auch, weil sie von den Kölliker Hauswarts- und Werkhofkollegen gut beraten werde.

Pferde sind nicht zwingend
Die grösste Herausforderung: Einen Weg finden, wie Hauswartin und Lehrpersonen Hand in Hand arbeiten und gleichzeitig gut aneinander vorbeikommen. Gleich zu Beginn habe sie mit den Lehrpersonen das Gespräch gesucht. «Erst wusste ich nicht, ob ich das darf, da ich ja die Neue bin, ich war unsicher, welche Ansprüche ich als neue Hauswartin im ersten Job stellen darf», sagt sie.

Auf die Betriebsleiter-Ausbildung gekommen ist Jordi wegen eines anderen Berufswunsches. «Ich wollte etwas mit Tieren machen, am liebsten mit Pferden. Aber für Tierpflegerin muss man erst einen handwerklichen Beruf gelernt haben.» Stundenlang vor dem Computer sitzen könne sie ohnehin nicht, sagt sie. Also schaute sie sich nach dem passenden Handwerk um. «Der Beruf Fachfrau Betriebsunterhalt bietet viel Abwechslung, es kann immer etwas Unerwartetes passieren. Das reizte mich.» Sie habe die Lehrstelle bekommen, die Arbeit sage ihr zu und mittlerweile sei der Wunsch, aus dem Pferdehobby ihren Beruf zu machen, gar nicht mehr so stark.

Sorgt sie in ihrer ersten Junggesellinnen-Wohnung ebenso gerne für Ordnung und Sauberkeit? «Manchmal schon. Wenn ich mal anfange, kann ich kaum aufhören mit Aufräumen und Putzen; aber manchmal muss ich mich richtig motivieren, um zu reinigen, da ich es den ganzen Tag schon gemacht habe.» Weil ihr neuer Mitbewohner Uno, ein australischer Kelpie-Welpe, sich gleich auf herumliegende Sachen stürze, halte sie aber doch besser Ordnung.

Der Hund begleitet Jordi inzwischen auch zur Arbeit – doch in den feucht aufgewischten Boden Pfotenabdrücke machen kommt für Frauchen nicht infrage. Brav wartet er im Welpenlaufgitter und blinzelt Jordi verschlafen entgegen, als sie ihre Arbeit unterbricht, um nach ihm zu schauen.

«Bin ich die Böse wie im Film?»
Vom Gang draussen schallt Kinderlachen und Turnschuh-Getrampel ins Zimmer. Am Anfang sei es ab und zu vorgekommen, dass die Kinder sie im Vorbeirennen für eine Schülerin gehalten und sie geduzt hätten. Inzwischen wissen alle, dass die grossgewachsene junge Frau mit dem Zopf ihre Hauswartin ist. Am Anfang sei sie unsicher gewesen, wie sie sich gegenüber den Kindern verhalten soll, sagt sie. «Bin ich jetzt die böse Hauswartin, die man von Filmen kennt und die mit den Kindern schimpft», fragte sie sich. Aber wütend habe sie bisher noch keines der Kinder gemacht. «Ich muss manchmal ein bisschen schmunzeln, wenn ich entdecke, was die Kinder wieder angestellt haben. Um sie herum wird es mir nie langweilig.»

Die kleinen Flegel, die kurz vor den Sommerferien mit Wasser in der Toilette umherspritzten, liess sie die angerichtete Überschwemmung eben selber aufwischen. «Als ich nachwischte, ist eine Fünftklässlerin gekommen. Sie sagte, sie wolle mir helfen, ich sei doch noch so jung und müsse das alles schon alleine machen. Sie wollte lieber mit mir putzen, als ihre Werkarbeit zu Ende machen.»

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