Kirche leer in Kirchleerau - Kirchenpflege Leerau lehnt Wahl geschlossen ab

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Kirche leer in Kirchleerau: Nach der Abwahl des Pfarrers steht die Gemeinde wohl bald auch ohne Kirchenpflege da. twa

Die Kirchgemeinde Leerau kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der amtierende Pfarrer David Mägli seine Wiederwahl am Sonntag mit 92 zu 143 Stimmen überraschend verpasste, fällte die Kirchenpflege am Montagabend im Rahmen einer Krisensitzung einen folgenschweren Entschluss: Alle am Sonntag gewählten Kirchenpflegemitglieder nehmen ihre Wahl nicht an beziehungsweise treten per 31. Dezember 2018 von ihrem Amt zurück. «Wir haben das uneingeschränkte Vertrauen in Pfarrer David Mägli», schreibt die interimistisch amtierende Präsidentin der Kirchenpflege Leerau, Heidi Scherrer. Das Gremium sehe sich deshalb nicht mehr in der Lage, im Auftrag der Mitglieder wirken zu können. «Die Kirchenpflege ist zutiefst betroffen», heisst es weiter. Scherrer selbst stellte sich bei den Wahlen vom Sonntag nicht mehr zur Verfügung und wäre per Ende Jahr ohnehin zurückgetreten. Nun legen auch die drei weiteren bisherigen Mitglieder Fabienne Magnin Bär, Marianne Sigrist und Claudia Kasper-Hochuli ihr Amt nieder. Letztere ist am Sonntag eigentlich als neue Kirchenpflegepräsidentin gewählt worden. Auch die neugewählten Markus Schneiter und Martial Scherrer schlagen die Wahl aus.

Kirchenpflege verteidigt Mägli
Auch zwei Tage danach kann sich Kirchenpflegepräsidentin Heidi Scherrer die Abwahl des Pfarrers David Mägli nicht wirklich erklären. Sie sagt jedoch: «Wie bei jeder Wahl gibt es Befürworter und Kritiker. Das Wahlresultat zeigt, dass die kritischen Stimmen in der Kirchgemeinde mehr Wähler mobilisieren konnten.» Recherchen dieser Zeitung zeigen jedoch, dass die Kirchenpflege bereits während Mäglis Amtszeit mit Kritik bezüglich der Amtsführung des Pfarrers konfrontiert wurde. Scherrer bestreitet dies: «Wir hatten keine konkreten Beschwerden vorliegen.»

Zu konservativ sei der 36-jährige Dorfpfarrer, lautete eine Kritik. So hat er nach seiner Amtsübernahme beispielsweise eine Sonntagsschule eingeführt, welche von seiner Ehefrau geleitet wurde. Dort seien die Kinder laut Kritik mit altmodischen Methoden unterrichtet worden. Heidi Scherrer sagt hierzu diplomatisch: «Es gibt unterschiedliche Ansichten über die theologische Ausrichtung der reformierten Kirche.» Die Kinder seien aber sehr gerne zu Frau Mägli in die Sonntagsschule gegangen. Anderen Mitglieder der Kirchgemeinde stiessen Briefe des Pfarrers sauer auf, welche er an die Leerauer Familien verschickt hat. Darin habe er die Erwartung geäussert, dass die Empfänger seine Gottesdienste besuchen. Diese Schreiben wurden von einigen Dorfbewohnern als aufdringlich und zu fordernd aufgefasst. Die Briefe, von welchen Heidi Scherrer Kenntnis hat, bezeichnet sie hingegen als «freundliche Einladungen zum Familiengottesdienst, welche viermal jährlich stattfinden und zum Unterricht gehören».

Es droht die Kuratel
David Mägli wollte sich gemäss Absprache mit der Kirchenpflege nicht persönlich zu seiner Abwahl und die Kritik an seiner Person äussern. Heidi Scherrer lässt jedoch ausrichten: «Herr Pfarrer Mägli ist zutiefst enttäuscht und betroffen.» Noch bis zum 31. Dezember darf er mit seiner Frau und den drei Söhnen im Alter zwischen vier und zehn Jahren das Pfarrhaus in Kirchleerau bewohnen. «Sollte er mit der Kirchgemeinde einen weiteren Verbleib im Pfarrhaus vereinbaren, müsste er natürlich eine Miete bezahlen», sagt Präsidentin Heidi Scherrer.

Auf die reformierte Kirche Leerau kommen auf jeden Fall turbulente Zeiten zu. Sollten sich auf den nächst möglichen Wahltermin am 25. November nicht mindestens fünf Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl stellen, würde der Kirchenrat der reformierten Landeskirche Aargau die Kirchgemeinde Leerau wohl unter Kuratel stellen. Ein Sachwalter würde sich somit um die Kirche kümmern, was für die Kirchgemeinde eine kostspielige Angelegenheit zu werden droht. «Diese Situation ist für uns sehr ungewöhnlich», gesteht Frank Worbs, Leiter Kommunikation der reformierten Kirche Aargau.

Die Kirchgemeinde Leerau will seine Mitglieder in den nächsten Wochen zu einem Informationsabend einladen. Dabei soll auch darüber informiert werden, wann mit einer Nachfolge von Pfarrer David Mägli zu rechnen ist. Laut Frank Worbs würde sich ein Kurator auf die Suche eines Pfarrers machen und diesen der Kirchgemeinde zur Wahl vorschlagen, sobald er fündig geworden ist.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Kindergarten 2

Mättu
schrieb am 27.09.2018 13:49
@Lias Marti: Liebe Lias, ist es nicht grad so, dass die Kirchenpflege den Wahlentscheid respektiert und die dafür notwendige Konsequenz zieht? Sie steht ja hinter dem Pfarrer aber die Wähler nicht. Also will die Kirchenpflege etwas, was die Allgemeinheit nicht will. Ergo muss sie doch zurück treten um den Kräften die es anders wollen Platz zu machen. Also keine Zwängerei sondern logische Konsequenz.

Kindergarten...

Lisa Marti
schrieb am 26.09.2018 08:59
Die Reaktion der Kirchenpflege beweist, dass der Wille der Kirchgemeindemitglider nicht respektiert wird. Der kollektive Rücktritt mutet an wie ein Erpressungsversuch und eine kindische Zwängerei. Fakt ist, dieser Pfarrer ist von einer Mehrheit der Gemeinde nicht gewünscht. Diesem Willen ist Rechnung zu tragen.
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