Die Feuerwehr-Oldtimer kehren heim ins Spritzenhaus

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Die Feuerwehrveteranen Andreas Koller (links) und Gerald Magnin auf dem Kutschbock der Mooslerber Handdruckspritze aus dem Jahr 1888. (Bild: Flurina Dünki)
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Füürwehroldie Fritz Eggen posiert mit einem Feuerwehrhelm, wie man sie ab dem Zweiten Weltkrieg benutzte.

Kirchleerau, Ende des 19. Jahrhunderts. Während einer Sommernacht beginnt der Heustock eines Bauernhofs zu brennen. Der Knecht rennt von Haus zu Haus, um die Männer der freiwilligen Feuerwehr zu wecken. Einer nach dem anderen eilen sie zur Scheune jenes Kollegen, in der ihr neues Löschfahrzeug untergebracht ist: eine Handdruckspritze auf Rädern. Flink werden zwei Pferde davorgespannt und ab geht die Post. Der Schopf brennt schon lichterloh. Doch Rettung naht; die ersten Feuerwehrmänner sind schon eingetroffen, suchen nach der nächsten Wasserquelle. In einem Karacho kommt der Wagen angebraust und hält beim nahen Bach. Es geht um Sekunden: Aus dem Bach wird Wasser in den Bauch der Handdruckspritze gepumpt, das sogleich über die Schläuche in das Feuer gespritzt wird. Ein Übergreifen der Flammen auf das Bauernhaus kann gerade noch verhindert werden.

So oder ähnlich könnte es sich vor über 100 Jahren im Brandfall abgespielt haben. Zu einer Löschaktion wurden damals auch kesselförmige Wasserschöpfer mitgeführt, die aus leichtem Flachs gewoben waren. Im Notfall konnten die Feuerwehrmänner eine Menschenkette zwischen Gewässer und Brand bilden und das Wasser durchreichen. Es war eines der wenigen leichten Materialien, das sie mitführten. Die starre Woll-Uniform und die Metallhelme wogen einiges mehr, als was sich Feuerwehrleute heute überstülpen.

Aufwendige Restaurierung
Viele dieser alten Gegenstände sind im Fundus der Feuerwehr Leerau noch vorhanden. Auch zwei Handdruckspritzen auf Rädern samt Laterne auf dem Kutschbock.

Dass die Nachwelt nicht vergisst, wie anno dazumal das Feuer bekämpft wurde, dafür sorgen die Leerber Füürwehroldies, ein Verein aus mehrheitlich ehemaligen Feuerwehrleuten der beiden Dörfer. Sie haben sich dem Sammeln und Aufbereiten dieser nostalgischen Stücke verschrieben. Viele davon haben über Jahrzehnte in irgendeinem Leerber Keller oder einer Scheune gelagert, bevor sich der Verein ans Sammeln und Restaurieren machte. Und dabei nehmen es die Mitglieder genau: Nicht nur haben sie die alten Spritzenwagen in ihre Einzelteile zerlegt, um sie wieder funktionstüchtig zu machen, sie bemalten sie auch detailgetreu mit dem Original-Ölfarbengemisch.

«Die eine Spritze war komplett morsch, als wir uns ans Aufbereiten machten», sagt der 52-jährige «Oldie» Andreas Koller. Im Zuge der Restauration habe alles Holz ersetzt werden müssen. 2013 hatten die Leerber Feuerwehrveteranen ihren Verein zur Pflege der Freundschaft und zum Unterhalt der alten Gerätschaften gegründet. «Der Erhalt des alten Feuerwehrmaterials liegt uns am Herzen und eine Beschäftigung brauchen wir ja ab und zu auch», sagt Koller. Sie seien ein noch junger Verein und würden deshalb gerne noch weitere ehemalige Feuerwehrler willkommen heissen. Dass die von ihnen aufbereiteten Spritzenwagen, Strahlrohre und Mundstücke wieder einsatzbereit sind, beweisen sie regelmässig an Plausch-Übungen, etwa für Kinder.

Aus Spritzenhaus wird Museum
Bald nehmen die Füürwehroldies ihr nächstes Grossprojekt in Angriff. Denn nun, da die Spritzenwagen kunstvoll bemalt sind, ist der Gemeindehauskeller kein würdiger Ort mehr für solche Augenweiden. Schon vor geraumer Zeit haben sie bei der Gemeinde angefragt, ob sie das alte Spritzenhäuschen bei der Kirche zum Museum machen dürfen. Seit 1977 dient das Häuschen von der vorletzten Jahrhundertwende nicht mehr dem ursprünglichen Zweck, seither lagern Sachen von Kirche und Vereinen darin.

«Vor zwei Jahren gab uns die Gemeinde grünes Licht», sagt Koller. Inzwischen wurde ein Konzept erarbeitet: Die beiden Holztore sollen durch Glastore mit integrierten Feuerwehrornamenten ersetzt werden, eine LED-Beleuchtung wird die Nostalgiestücke für jeden Vorbeigehenden zur Geltung bringen. Das für die Umnutzung eingereichte Baugesuch wurde dem Verein kürzlich bewilligt. «Als Erstes muss die Gemeinde das Spritzenhäuschen wieder an den Strom anschliessen. Nicht nur wegen der Lampen, sondern auch wegen des Entfeuchters, damit das Holz an den Geräten nicht vergraut», so Koller. Neben den Spritzenwagen werden auch ausgedientes Feuerwehrmaterial wie Feuerlösch-Bomben mit Löschpulver, alte Atemschutzmasken oder Erste-Hilfe-Taschen ausgestellt. Darin steckte unter anderem eine Flasche Ätherweingeist, der bei Schwächeanfällen eingesetzt wurde.

Geplant ist, im Museum auf Anfrage Führungen durchzuführen, wenn es dereinst eröffnet ist. Wann genau es so weit ist, können die Füürwehroldies noch nicht sagen. «Zu sehr hetzen möchten wir nicht», sagt Koller, «fixe Zeitpläne hatten wir als Aktive genug.»

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Das ehemalige Spritzenhaus unterhalb der Kirchleerber Kirche wird zum Museum für altes Feuerwehrmaterial.
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Die Wasserschöpfer aus Flachsgewebe wurden früher zu jedem Einsatz mitgenommen.
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Zur Erste-Hilfe-Ausrüstung gehörten Pinzette, Schere und Hofmannstropfen (Ätherweingeist).
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
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