Gegen Keller-Sutter will keine antreten – opfert sich homosexueller Nationalrat als Winkelried?

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Kronfavoritin Karin Keller-Sutter (M.) und lauter Absagen: Carmen Walker Späh, Daniela Schneeberger, Christa Markwalder und Petra Gössi (von links). Fotos: Severin Bigler, Keystone, Reuters

Die Sache ist verzwickt. Da macht die FDP Schweiz erstmals in ihrer Geschichte überhaupt einige Anstalten, bei einer Bundesratsersatzwahl nur Frauen aufzustellen. Dass eine Frau Nachfolgerin des per Ende Jahr abtretenden Johann Schneider-Ammann (66) werden soll, gilt als ausgemacht. «Es ist Zeit für eine Frau», sagte denn auch Parteipräsidentin Petra Gössi dieser Tage.

Aber eine Woche nach der Rücktrittsankündigung des Berner Wirtschaftsministers ist das Gegenteil von dem passiert, was erwartet werden konnte: Vom grossen freisinnigen Frauenaufbruch fehlt bisher jede Spur. Es ist nicht so, dass sich Frauen begeistert für das hohe Amt melden. Nein: Der Partei kommen mögliche Kandidatinnen eine nach der anderen abhanden.

Gesucht: Frau Winkelried
Christa Markwalder, Berner Nationalrätin, winkt ab. Daniela Schneeberger, Baselbieter Nationalrätin, hat abgesagt. Petra Gössi, Parteipräsidentin, hat erklärt, dass sie nicht zur Verfügung steht.

Und gestern nimmt sich auch Carmen Walker-Späh, Zürcher Regierungsrätin, via Facebook aus dem Rennen. Sie sei «mit grossem Engagement und Herzblut Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin».

Wie gesetzt für die Nachfolge von Schneider-Ammann ist zwar die erfahrene St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Dass die ehemalige Regierungsrätin das Rüstzeug und das Format für das hohe Amt hat, ist von links bis rechts unbestritten. Aber auch Keller-Sutter hat bisher noch nicht zugesagt.

In der öffentlichen Wahrnehmung überragt KKS – wie sie kurz genannt wird – die anderen Kandidatinnen deutlich. Das wird jetzt zum Problem. Denn die Aussicht, neben der haushohen Favoritin gleichsam chancenlos anzutreten, löst keine Begeisterungsstürme aus. Auch FDP-Frauenpräsidentin Doris Fiala sagt, «eine weitere Frauenkandidatur wäre fast als Winkelried-Aktion zu sehen».

Zwar möchte die Partei die Diskussionen um mögliche Kandidatinnen möglichst lange offen halten. Das sorgt für Aufmerksamkeit und mediale Beachtung. «Das Problem ist nur, wie man da wieder herauskommt», sagt eine FDP-Politikerin. Will heissen, wie frau dann dem Publikum ohne Imageschaden erklärt, warum frau jetzt doch nicht antritt. Da halten sich einige lieber gleich von Anfang an heraus.

Frauenchefin Fiala hofft weiter, «am Schluss mehr als eine Kandidatin präsentieren zu können», wie sie sagt. Wohl bleiben noch einige Verwegene. Regine Sauter, Zürcher Nationalrätin etwa. Fiala hofft auch, dass Markwalder doch noch zusagt. Es gibt in den Kantonen auch noch die eine oder andere freisinnige Regierungsrätin, welche ins Rennen steigen könnte.

Inzwischen steigen aber still und heimlich die Aktien der Männer. Findet sich nicht eine Frau Winkelried, so landet auf dem FDP-Ticket mindestens ein männlicher Bewerber. Ist dieser Mann etwa der im rechten Ratsspektrum wohl gelittene Bündner Ständerat Martin Schmid, dann wird es eng für Keller-Sutter. «Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt», sagt Fiala. Nicht, weil sie Schmid nicht schätze. «Sondern weil es unbestritten wohl wirklich Zeit für eine Frau ist. Und ich weiss nicht, ob Karin Keller-Sutter unter diesen Umständen überhaupt antreten würde.»

Sollte sich keine Frau mehr finden, so wäre immer noch Karin Keller-Sutter als Einervorschlag denkbar. «Ich würde sie zwar überzeugt in einem Einerticket vorschlagen, aber das kann unberechenbare Spiele oder Taktiker auf den Plan rufen. Dieses Risiko scheint mir zu unwägbar!», sagt die FDP-Frauenpräsidentin.

Gefunden: Herr Winkelried
Wer gibt der Favoritin also Flankenschutz? Die FDP-Frauenpräsidentin Fiala ist der Ansicht, dass notfalls ein Mann in die Lücke springen könnte. Hans-Peter Portmann, homosexueller Nationalrat aus Zürich, der von der FDP Horgen bereits zuhanden der Kantonalpartei empfohlen wurde.

«Eine überraschende Variante scheint mir, Hans-Peter Portmann als zweiten Kandidaten neben Karin Keller-Sutter zu nominieren», sagt Fiala. «Das würde die Haltung der FDP als fortschrittliche und moderne Partei jedenfalls dokumentieren, nachdem er einen geouteten Vertreter der LGTB-Community darstellt. Das verdient besonderen Respekt.» In Fialas Lesart wäre Portmann also wohl der Winkelried.

Klar ist, dass noch nichts klar ist. «Am Schluss», sagt eine FDP-Politikerin, «wird sich Doris Fiala selbst als Kandidatin neben Karin Keller-Sutter opfern müssen.»

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