Der Urmüller und das Urgetreide

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Rudolf Schlatter am Solothurner Meyer Automat. FLURINA DÜNKI

Es lärmt in der Mühle. Müller Ruedi Schlatter, 57, muss rufend erklären, was sich da in Bewegung setzt, wenn er seine Maschinen anlässt. Kleine und grosse Räder drehen sich eilig. Die einen treiben andere Räder an, andere setzen den Mahlstein in Bewegung. Dieser Tage wird das ratternde Ungetüm mit Dinkel gefüttert. Der Abstand zwischen den beiden Sandsteinplatten ist haargenau eingestellt, sodass sie den Dinkel nur so weit berühren, damit die Hülse vom Korn geschält wird – röllen – wie es im Müllerjargon heisst.

Auch Dinkelproben von Versuchsfeldern schält Schlatter. Etwa jene des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg. Die geschälten Körner schickt er ins Labor weiter, dort wird dann überprüft, ob sich das Korn zum Backen eignet. Dinkel steht wieder hoch im Kurs, nachdem er vor ein paar Jahrzehnten vom ergiebigeren Weizen verdrängt wurde. Dies aus verschiedenen Gründen, wie der Müller sagt: Allergiker würden Dinkel teilweise besser vertragen und im Anbau sei Dinkel robuster als Weizen. Auch lägen Urgetreide momentan bei den Leuten generell im Trend.

Als der Müller noch Patron war
Rumpeln und rattern werden die Mühlemaschinen auch am Öpfeltag diesen Samstag. Dann werden die Dinkelkörner, die jetzt noch von der Spreu getrennt werden, zu Mehl gemahlen. Ein besonderes Mehl ist es dann, das aus Schlatters stolzem Solothurner Meyer Automat rieselt. Seit 100 Jahren mahlt die Familie Schlatter in der Schlossmühle. 1918 ging sie von Friedrich Willem von Safenwil in die Hände von Urgrossvater Schlatter über.

Noch zu Urgrossvaters und Grossvaters Zeiten war der Müller ein vornehmer Patron, der sich um die Geschäfte kümmerte, während die Knechte die Mühle bedienten. «Das wäre heute undenkbar», sagt Schlatter. Schon der Vater legte dann selber Hand an. Als in den 80er-Jahren die Pflicht für Bauern, auf einem Teil ihres Landes Brotgetreide anzubauen, aufgehoben wurde, gingen den Müllern die Aufträge zurück. Schlatter, der ebenfalls den Müllerberuf gelernt hatte, kaufte dem Vater die Mühle 1993 ab. Bis zu seinem Ruhestand 1995 mahlte der Vater weiter, dann wurde die Mühle still gelegt. Der Junior arbeitete erst nicht in der Schlossmühle, sondern in der Baubranche, später in Landi-Futtermühlen. Die Mühle fiel in den Dornröschenschlaf. Bis Schlatter sie zur Überraschung aller erweckte. 2002, zur 950-Jahr-Feier von Schlossrued, ratterte es erstmals wieder seit sieben Jahren. Ausgediente Maschinen wurden ausgesondert, andere dazu gekauft.

Mühle wiederbelebt
2008, am Fest zum 350-Jahre-Jubiläum der Schlossmühle, hatte ihn das Mühli-Fieber wieder vollständig infiziert. Zwecks Erhalt der Mühle als Kulturdenkmal wurde im selben Jahr der Verein Schlossmühle Rued gegründet – der heuer sein Zehn-Jahre-Jubiläum feiert. Er kümmert sich unter anderem um Öffentlichkeitsarbeit und Eventorganisation. Seit 2002 hat die Schlossmühle nicht mehr pausiert. Produziert wird hauptsächlich Dinkelmehl. Was die Schlatters dazu nicht selber anbauen, beziehen sie von Bauern aus der Region. Bereits ist ein ganzes Regal mit einer Zopfmehlmischung gefüllt. Nach diesen Züpfen wird es am Sonntag in vielen Ruedertaler Küchen duften.

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