«Wir imkern aus Liebe zu den Bienen und der Natur»

151018_reg_imker_vincent.jpg
Umschwärmt: Vincent Kocher aus Zofingen schaut, ob seine Bienen Pollen eintragen. Pollen sind das Futter für die Brut und ein Zeichen, dass eine Königin da ist. Teile von Kochers Bienenvölkern stehen zwischen Strengelbach und Rothrist. (Bild: Gül Kocher)
Imker1.jpg
Wenn aus einer Made eine Königin wird: Die Zucht von Königinnen ist ein wichtiger Bestandteil der Imkerei und erfordert viel Geduld. (zVg)
Imker2.jpg
Honig: Das Ergebnis einer aufwendigen Arbeit der Bienen und der Imker. (zVg)

Es ist nicht der Ertrag, sondern die Liebe zur Arbeit mit ihren Bienen, die Imker antreibt. Das ist auch bei Vincent Kocher aus Zofingen so. Der 51-jährige Informatiker kam eher zufällig zur Imkerei. Als er 2010 schwer erkrankte, «päppelte» ihn seine Frau mit Apitherapie (medizinische Verwendung von Bienenprodukten) wieder auf. Und weil Informatiker der Sachen gerne auf den Grund gehen, begann sich Vincent Kocher für die Imkerei zu interessieren. Bereits wenige Monate später besuchte er einen Grundkurs und legte sich erste Völker zu. «Die Imkerei ist ein wunderbarer Ausgleich zu meiner Arbeit als Informatiker», sagt Kocher. Er hat sich innert kürzester Zeit ein grosses theoretisches Wissen rund um die Bienen und die Imkerei angeeignet. «Das Ganze ist so interessant und vielschichtig, da hat man nie ausgelernt.»

Grosser Ansturm
Deshalb hat sich der Zofinger 2014 für den ersten staatlich anerkannten Bildungslehrgang für Imker in der Deutschschweiz angemeldet. Der Ansturm war so gross, dass aus 160 Interessierten per Los ausgewählt werden musste. Vincent Kocher gehörte zu den Glücklichen, die sich einen der 24 Plätze sichern konnten. Zur Ausbildung wurde nur zugelassen, wer auch selbst Bienenvölker hält und eine Praxiserfahrung von mindestens drei Jahren aufweisen konnte.

Die modulartige Ausbildung zu den Themen Leben der Bienen und ihr Umfeld, Bienenhaltung, Bienenprodukte, Volkserneuerung inkl. Zucht und die Grundlagen der Vererbungs- und Züchtungslehre und Bienengesundheit, dauerte über 27 Tage, verteilt auf vier Jahre. Vier der fünf Module wurden mit einem Leistungsnachweis abgeschlossen. Der letzte Teil der Ausbildung zum Thema Bienengesundheit wurde unter anderem an der Schlussprüfung mündlich geprüft. Parallel dazu schrieben die Absolventinnen und Absolventen eine rund fünfzigseitige Diplomarbeit, welche an der Schlussprüfung präsentiert und vertreten werden musste.

«Nebst den Kurstagen mussten rund weitere 70 Tage in Selbststudium, Erarbeiten der Leistungsnachweise und Verfassen der Diplomarbeit investiert werden», blickt Vincent Kocher auf die intensiven vier letzten Jahre zurück. Schliesslich galt es ja auch noch, seine bis zu 15 Bienenvölker zu versorgen.

Kocher widmete seine Diplomarbeit dem Thema der praxisorientierten Ausbildung in der Imkerei. «Ich war erstaunt, als ich feststellen musste, dass nirgends auf der Welt eine Ausbildung nötig ist, um Imker zu werden.»

Natürlich freut es ihn, dass er die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat und zu den ersten 20 Imkern im Land gehört, die einen vom Bund anerkannten Fachausweis besitzen. «Den Bienen wird dieser Ausweis aber total egal sein», sagt Vincent Kocher schmunzelnd. Weniger egal ist ihnen aber das Wissen ihres Halters. War der Imker früher vor allem ein Bienenhalter, so ist er heute ein Bienenpfleger. «Die Bienen brauchen unsere Unterstützung und Hilfe im Zusammenhang mit der Varroamilbe», sagt Kocher. Dieser eingeschleppte «Parasit» schädigt seit etwa 1980 die Bienen in Europa. «In dieser kurzen Zeitspanne konnte sich die Honigbiene noch keine Strategie zurechtlegen, um sich gegen die Varroamilbe durchzusetzen.»

Hoffen auf die Forschung
Weil die Bienen für die Landwirtschaft sehr wichtig sind, wird in Europa rund um die Problematik der Varroamilbe und anderer Krankheiten viel geforscht. «In ganz Europa hoffen die Imker, dass bald ein natürliches Mittel gegen diese Krankheiten gefunden wird», sagt Vincent Kocher.

Gute Imker kennen sich nicht nur mit den Bienen und ihrer artgerechten Haltung aus, sondern kennen sich auch in der Botanik, der Meteorologie und der Phänologie (Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur) gut aus. Nur wer die verschiedensten Einflüsse der Natur deuten und die richtigen Entscheide fälle, könne am Ende auch Honig ernten. «Wer sich mit Bienen beschäftigt, wird automatisch ein ‹Grüner›», sagt Vincent Kocher, «denn man unternimmt alles, dass es den Bienen gut geht.» Denn wenn es den Bienen gut geht, profitiert auch die Menschheit.

Wer glaubt, die Honigproduktion sei ein ertragreiches Geschäft, der irrt. «Nur in guten Jahren ist der Ertrag grösser als der Aufwand», weiss Kocher, der in diesem Jahr erstmals gar keinen Honig ernten konnte. «Auch das gehört dazu», sagt er. In einem guten Jahr kann es bei starken Völkern bis zu 40 Kilo Honigertrag werden pro Jahr. «Die Imkerei ist kein Nebenerwerb, wir machen es aus Liebe zu den Bienen und der Natur.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Haushälterin, Mitarbeiter,
Suter Samuel
Mithilfe im Pferdestall, Mitarbeiter,
Bachmann Bauunternehmung AG
junger Maurer, 4814 Bottenwil, Mitarbeiter, Bottenwil
Allenspach Medical AG
Social Media & Online Marketing Manager, 4710 Balsthal, Mitarbeiter, Balsthal
Zweckverband ARA Falkenstein
Klärwärter/in, 4702 Oensingen, Mitarbeiter, Oensingen
Zaugg AG Rohrbach
Bauschreiner, 4938 Rohrbach, Mitarbeiter, Rohrbach
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner