Wikon 2008 bis 2028: Sparen für eine nachhaltige Zukunft

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1) 2017 zog das Unternehmen Schär Druckverarbeitung AG nach Wikon um und schaffte damit neue Arbeitsplätze. Sie ist neben der Hunkeler AG das zweite grosse Unternehmen im Dorf.rsw
2) Im September dieses Jahres wurde das Einfamilienhaus auf das Silo gehoben und sorgte damit für staunende Gesichter. Der Bau des Silo-Hauses war für alle Beteiligten eine Herausforderung. rzu
3) Neue Einfamilienhäuser entstanden in mehreren Quartieren. So in der Michelsmatte, im Hasenacher und im Vorderen Weidli (Bild). Mittlerweile ist der Wohnraum in Wikon beinahe ausgeschöpft.rsw
4) Neben dem Restaurant Schlossberg entstand dieses Mehrfamilienhaus, welches im Herbst fertiggestellt worden ist. Die ersten Mieter konnten bereits einziehen.rsw

Zu der geschäftigen Luzernerstrasse wirkt das Dorf Wikon mit seinem ländlichen Charakter wie ein Kontrast. Von hoch oben beobachtet die Marienburg das Treiben. «Für mich ist es ein geschichtsträchtiger Ort», sagt Gemeindepräsident René Wiederkehr (FDP). Seit 1891 ist das Anwesen im Besitz einer benediktinischen Frauengemeinschaft und wird gehegt und gepflegt – voraussichtlich im Frühling 2019 ziehen die Schwestern aus. Was danach mit dem Anwesen passieren soll, ist noch unklar. «Ich sehe dort oben Wohnraum, das Schloss hat natürlich eine bestechende Lage, aber auch kleinere Büroräume könnte ich mir vorstellen», sagt Wiederkehr, betont aber, dass man für vieles offen sei. Sein Wunsch ist, dass die künftige Nutzung der Allgemeinheit und der Gemeinde dient.

Wohnraum kam in den letzten zehn Jahren bereits einiger dazu. In den Quartieren Vorderes Weidli, Michelsmatte und Hasenacher stehen neue Einfamilienhäuser. Gegenüber dem Restaurant Schlossberg ist ein Mehrfamilienhaus entstanden – und in luftiger Höhe auf einem Silo thront seit September das Haus der Familie Noser. Wiederkehr meint dazu: «Das Silo-Haus war eine grosse Herausforderung. Die Geduld sowie das Streben aller Beteiligten hat sich aus meiner Sicht gelohnt.»

Für die Zukunft erhoffe er sich einen qualitativen Wohnungsbau und Gewerbeansiedlungen, die für die Gemeinde eine nachhaltige Auswirkung haben werden. Das Thema Nachhaltigkeit wird sich auch im kommenden Siedlungsleitbild niederschlagen; dieses wurde unter anderem mit einem Workshop der Bevölkerung vorgestellt. Da Wikon eine Kompensationsgemeinde ist, muss jeder eingezonte Meter auch wieder ausgezont werden. Deshalb will man künftig ältere Gebäude für Aufzonungen in Betracht ziehen, sodass laut Wiederkehr «frischer, qualitativer Wohnraum» geschaffen werden kann. Der erhöhte Steuerfuss sei eine vorübergehende Massnahme. «Die Planungsinstrumente sollen der Wirtschaft und der Bevölkerung helfen, sich im Sinne eines qualitativen Wachstums zu entwickeln und schlussendlich durch Steuererträge die Steuerlast für alle wieder zu senken», sagt Wiederkehr.

Anwaltskosten für die Gemeinde

Schliesslich war es die Steuererhöhung, die für einigen Ärger und sogar für Drohbriefe sorgte (wir berichteten). Zu einem grossen Knall kam es dann an der Gemeindeversammlung vom 6. Juni: Die Debatte endete damit, dass Gemeinderat Wolfgang Kunzelmann (SVP) die Dossiers entzogen wurden.

Statt zu sparen, hat sich die Gemeinde nun mit zusätzlichen Kosten herrumzuschlagen. Konkret liegen Stimmrechts- und Verwaltungsbeschwerden vor. Wiederkehr hofft auf einen Entscheid des Regierungsrates bis Ende Monat. «Aufgrund der Beschwerden mussten wir als Gemeinderat einen Anwalt nehmen, der Kosten verursacht» – dabei habe die Gemeinde doch eigentlich sparen wollen, so Wiederkehr. Um ein Zeichen zu setzen, senken die Gemeinderäte ihre Pensen um insgesamt 15 bis 20 Prozent.

Gemeindeversammlung bleibt

Ob weiterhin noch Gemeindeversammlungen stattfinden werden, stand zunächst auf der Kippe. Aber: «Die Abschaffung einer derart traditionellen direkt-demokratischen Institution soll nicht wegen Einzelereignissen oder anstandsvergessenen Einzelpersonen erfolgen.» Die Bürgerinnen und Bürger sollen auch weiterhin die Chance erhalten, im direkten Kontakt ihre Anliegen vorbringen zu dürfen, ist Wiederkehr überzeugt.

 

 

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Nachgefragt bei René Wiederkehr

Der FDP-Politiker ist seit 2016 als Gemeindepräsident tätig. Momentan kandidiert er für den Kantonsrat.

 

«Die eher schwierige finanzielle Lage wird sich verbessern»

Was war in den letzten zehn Jahren die markanteste Veränderung in der Gemeinde?

Wikon ist eine Zuzügergemeinde, das spürt man. Meine Wahrnehmung ist, dass sich die Offenheit der Bevölkerung für eine nachhaltige Zukunft verändert hat. Ich fühle mich hier willkommen. Gegenüber mir als Neuzuzüger aus dem Jahre 2013, der nur wenige Jahre später in den Gemeinderat gewählt wurde, braucht es viel Vertrauen auf Seiten der Bevölkerung. Ich spüre dieses Vertrauen immer wieder aufs Neue in vielen Gesprächen und finde es toll, für die Gemeinschaft meine Erfahrungen aus der Wirtschaft einbringen zu dürfen.

Was wird voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren die grösste Veränderung sein?

Unsere Finanzlage. Wikon hat sich dazu bereit erklärt, durch ein paar harte Jahre zu gehen. Man spart zum Beispiel an den Gemeindebeiträgen für die Vereine, das schmerzt diese natürlich. Und obwohl es nie gut ist, bei der Bildung zu sparen, hat man trotzdem ein Augenmerk darauf, weil die Schule einen grossen Budgetposten darstellt. Allgemein kann man sagen: Man überlegt lieber dreimal, ob ein Strassenprojekt oder eine Sanierung wirklich notwendig ist oder nicht. Diese eher schwierige finanzielle Lage wird sich aber verbessern – und wir werden uns im Unteren Wiggertal in Zukunft steuerlich ganz gut positionieren können.

Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückblicken: Welches Ereignis, Fest oder welcher Event in Wikon ist Ihnen besonders gut in Erinnerung geblieben?

Es sind die vielen kleinen Feste und Treffen, die mir in Erinnerung bleiben. Sei es bei einem Waldgang mit der Korporation, ein Gemeindehöck auf dem Bodenacherhof, die jährliche Kilbi, das Absenden des Schützenvereins, welcher übrigens dieses Jahr sein 140-Jahr-Jubiläum feiern kann – oder einfach bei schönstem Wetter zu Hause im Garten mit meiner Familie die Sonnenseite des Wiggertals geniessen zu können.

 Interview: Rahel Wirz

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