Gemeinden sehen Einsparmöglichkeiten bei der Spitex

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Luzerner Gemeinden haben 2016 für Pflegedienstleistungen 11,3 Millionen Franken mehr ausgegeben als 2013. (Bild: Shutterstock)

Kürzlich fiel der Entscheid in Dagmersellen, nun kommt es wahrscheinlich auch in Wikon so weit: Der Gemeinderat will die Beiträge für die Spitex kürzen. Geplant sei, dass die Gemeinde Wikon künftig nur noch KVG-pflichtige Leistungen in der Restfinanzierung übernehme, sagt Michaela Tschuor, Gemeinderätin von Wikon, auf Anfrage dieser Zeitung. Das heisst: Angebote wie Hauswirtschaftsleistungen würden nicht mehr gedeckt. Dafür müsste die Leistungsvereinbarung angepasst werden. Vertragsverhandlungen mit der Spitex seien momentan in Gang, sagt Tschuor.

Kaum Handlungsspielraum

Durch diesen Entscheid erhoffe sich der Gemeinderat, die Restkostensteigerung ein wenig zu bremsen. «Leider steigen auch bei uns die Gesundheitskosten an», sagt Tschuor. Grundsätzlich sei im pflegerischen Bereich kaum ein Instrumentarium für Gemeinden vorhanden, das Wachstum weiter zu steuern, da diese Kosten abhängig seien von der Anzahl Patienten und den Pflegestunden.

Seit 2011 sind im Kanton Luzern die Gemeinden zuständig für die Langzeitpflege und damit auch für die Pflegefinanzierung. Dies war die Folge der Finanz- und Aufgabenreform 08. Die aktuelle Reform der Aufgaben sieht in der Pflegefinanzierung keine Änderung mehr vor. So teilen sich die Versicherer, die Versicherten und die Gemeinden weiterhin die Pflegekosten.

Wikon kam letztes Jahr für Restkosten in der ambulanten Pflege im Umfang von rund 238 000 Franken auf. Per August dieses Jahres betrugen die Restkosten bereits 180 000 Franken. Tschuor geht davon aus, dass bis Ende Jahr der Betrag vom Vorjahr im besten Fall erreicht wird. Wahrscheinlicher ist aber: er wird deutlich überschritten.

Auch die Gemeinde Reiden, die letztes Jahr etwa 700 000 Franken für die ambulante Pflege aufbrachte, ist im Begriff, die Leistungsvereinbarung mit der Spitex anzupassen, wie sie auf Anfrage mitteilt. Details dazu sind noch keine bekannt.

40 Prozent angestiegen

Kantonsweit gesehen, sieht das so aus: Die Luzerner Gemeinden haben 2016 für Pflegedienstleistungen 11,3 Millionen Franken mehr ausgegeben als noch 2013. Der prozentuale Kostenanstieg war bei der ambulanten Pflege mit 40 Prozent viel höher als bei der stationären mit drei Prozent. Letztere mache in absoluten Zahlen aber den Löwenanteil aus. Insgesamt wendeten die Luzerner Gemeinden 2016 113,7 Millionen Franken auf, teilte der Verband Luzerner Gemeinden vor einer Woche mit. Gemäss Guido Graf, Gesundheits- und Sozialdirektor des Kantons Luzern, widerspiegelten die Entwicklungen den langjährigen Trend, dass ältere Menschen auch bei zunehmender Pflegebedürftigkeit möglichst lange in ihrem angestammten Umfeld wohnen bleiben möchten. Dies bestätigt eine Mitteilung des kantonalen Statistikamts Lustat, die gestern publiziert wurde. Da heisst es: Die Luzerner Spitex-Organisationen und die selbstständigen Pflegefachpersonen hätten letztes Jahr 971 800 Einsatzstunden geleistet. Im Vergleich zum Vorjahr sind das vier Prozent mehr Arbeitsstunden. Bei der Spitex Wiggertal, die für die Gemeinden Wikon und Reiden eine Versorgungspflicht hat, stieg der Arbeitsaufwand sogar um acht Prozent. Kantonsweit ist auch die Zahl der Pflegebedürftigen im Vorjahresvergleich um drei Prozent gestiegen. Insgesamt übernahmen im Kanton Luzern die 32 Spitex-Organisationen mit Versorgungspflicht 80 Prozent der Pflegebedürftigen. Für die restlichen Fälle kamen sonstige, privatwirtschaftliche Anbieter auf. Solche sind laut Lustat ab 2010 wie Pilze aus dem Boden geschossen. Seit letztem Jahr habe sich dieser Trend aber wieder abgeschwächt.

Privatisierung

Konventionelle Spitex-Organisationen standen diesem Trend natürlich kritisch-konstruktiv gegenüber. Die Geschäftsleiterin der Spitex Wiggertal, Heidi Achermann-Schär, schrieb im Geschäftsbericht 2017 beispielsweise: Die Sparbemühungen der Gemeinden seien nachvollziehbar und die Nonprofitspitex täte gut daran, die Kosten im Griff zu haben, die Arbeitsabläufe zu hinterfragen und effizient zu gestalten. Trotzdem sei noch nicht erwiesen, dass die Vergabe des Leistungsauftrages an private Anbieter zu einer massiven Kostensenkung führen werde. Zu grosse Sorgen muss sich die Spitex Wiggertal im Hinblick auf die Vertragsverhandlungen aber wohl nicht machen. Die Gemeinderätin von Wikon meint nämlich auch: «Ich stelle glücklicherweise fest, dass wir mit einer guten Spitex-Organisation zusammenarbeiten.»

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