Der Suhrentaler Maestro sagt «Tschüss»

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Werner Stöckli in seinem Element: 37 Jahre hat er den Musikverein Reitnau dirigiert. Ende Jahr tritt er zurück. (Bild: Kurt Baumann)

Werner Stöckli, Dirigent des Musikvereins Reitnau, ist ein Urgestein. Seit 37 Jahren dirigiert er den Verein, dem er seit 47 Jahren angehört. «Ich bin halt so reingerutscht», sagt er. Damals habe ein Dirigent gefehlt und so habe er sich anerboten, das zu übernehmen. Werner Stöckli war keinesfalls eine Notlösung, sondern ein Glücksfall für den Musikverein Reitnau. Stück für Stück hat er den Verein fit gemacht. Gemeinsam haben die Musiker an Wettkämpfen teilgenommen und so sind sie da angekommen, wo sie heute stehen: Der Musikverein Reitnau ist einer von drei Musikvereinen im Aargau, die in der 1. Klasse bei Blasmusikwettkämpfen mitspielen.

Konzentration auf Nachwuchs

Um bis in die 1. Stärkeklasse BrassBand vorzustossen gab es nur eines: Volle Konzentration auf den Nachwuchs. Das hat Werner Stöckli mit Herz und Seele gemacht: Er war lange Zeit Musiklehrer an der Schule Reitnau und hat seine Schüler auf den Eintritt in den Musikverein vorbereitet. Ob er denn streng sei? «Nein, das bin ich nicht», sage er und fährt fort: «Ich bin aber zackig, lasse nicht locker und fordere viel.» So dulde er eben während der Probe keine Handys. Und die Probe sei kurz und straff geführt. «Dafür sind wir schon um 21.30 Uhr fertig.» Dass die Probe so früh zu Ende ist, ist wichtig für die Schüler, die im Musikverein mitspielen. So kommen diese rechtzeitig nach Hause. Und die erwachsenen Musikanten können früher bei einem Bier zusammensitzen. «Und um zehn Uhr ist man dann trotzdem zu Hause», so Werner Stöckli. Wobei: Es scheint, in den 47 Jahren seiner Mitgliedschaft im Musikverein gab es den einen oder anderen Anlass, dass das gemütliche Zusammensitzen nach der Probe länger dauerte als die Probe selbst. Ob er denn da eine Anekdote dazu erzählen kann? Nein, besonders sei eigentlich nichts gewesen, so Werner Stöckli.

Grosses Engagement für Verein

Besonders war aber Werner Stöcklis Engagement für den Musikverein. Jahrelang führte er die Proben zur gleichen Zeit durch: Dienstag um 20.15 Uhr im Kirchgemeindehaus. Ferien? Bis vor einigen Jahren gab es keine. «Wir haben bei uns in der Metzgerei auch keine Ferien gemacht. So war ich eh da und konnte die Probe des Musikvereins leiten.» Auch heute noch, mit 80 Jahren. Weil früher viele Mitglieder des Musikvereins Reitnau Bauern waren und unregelmässige Arbeitszeiten hatten, konnten sie nicht immer an den Proben teilnehmen. Darum ging Werner Stöckli auch mal zu den Musikanten nach Hause und gab Privatunterricht. Das macht er auch heute noch, einfach mit anderem Fokus: Um Talente zu fördern. Damals wie heute war dies freiwillig und ohne Lohn.

Ganze Familie im Musikverein

Hilfreich für die gute Zusammenarbeit im Musikverein ist, dass seit einigen Jahren Werner Stöcklis Tochter Brigitte Ziegler die Präsidentin des Musikvereins ist – und im gleichen Haus wohnt wie Werner Stöckli. «So konnten wir auch mal kurzfristig etwas absprechen und mussten nicht immer eine Sitzung einberufen», erzählt er. Nicht nur Tochter Brigitte Ziegler ist Mitglied im Musikverein Reitnau, sondern auch die drei Söhne und fünf Enkelkinder spielen mit – obwohl einige schon längst nicht mehr in Reitnau wohnen. Wie ist das denn, wenn man die eigene Familie dirigiert? «Nichts Besonderes», meint Werner Stöckli. Wobei: Anders behandelt habe er sie schon. «Ich bin eher strenger zu ihnen.»

Konzert mit Überraschungen

Ende Jahr ist nun also Schluss. Werner Stöckli nimmt seinen 80. Geburtstag dieses Jahr zum Anlass für den Rücktritt als Dirigent. Verleidet sei ihm die Arbeit mit dem Taktstock nicht, es sei jetzt aber trotzdem genug. Er ist froh, dass der Verein mit Ueli Wigger bereits einen Nachfolger wählen konnte. Die Auswahl sei gross gewesen. Elf hochqualifizierte Personen hätten sich beworben, viele Profimusiker darunter. «Und sogar auch aus der Stadt Bern gab es Bewerbungen.» Ob Werner Stöckli unter dem neuen Dirigenten wieder zum Instrument greifen wird, weiss er noch nicht. Vielleicht – vielleicht auch nicht. Er lässt es auf sich zukommen. Langweilig wird es ihm so oder so nicht. Er arbeitet weiterhin in «seiner» Metzgerei in Reitnau, die einer der Söhne übernommen hat und hilft auch regelmässig einem anderen Sohn, der in Zell eine Metzgerei führt.

Werner Stöckli freut sich auf sein Abschiedskonzert. Gespielt wird viel von seiner Lieblingsmusik: Polkas, Märsche und Solos. Was sonst noch am Jahreskonzert des Musikvereins passieren wird, Werner Stöckli weiss es nicht. Es soll eine Überraschung werden – auch für ihn.

Jahreskonzert des Musikvereins Reitnau am 2. und 3. November um 20.15 Uhr in der Mehrzweckhalle Reitnau.

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