Als der Unterricht in Dagmersellen im Wald stattfand

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Die Filmcrew (von links): Niklaus und Verena Steiner-Schwab sowie Marlies und Carlo Müller-Müller. Kathrin Aerni

Spannend wie ein Krimi kann ein Film über das Dorfleben sein. Insbesondere wenn er auf Zeitzeugen zurückgreifen kann. So etwa im dritten Teil des Dagmerseller Films, der am Mittwochabend erstmals gezeigt wurde. Da waren sechs solcher Zeitzeugen mit von der Partie.

Einer davon ist der 66-jährige Urs Häller, der vom damaligen Waldschulprojekt begeistert war. Im Film erzählt er vor einer «traumhaften Waldkulisse», wie sie sich vor über 50 Jahren präsentiert hat. Im Sommer 1964 fand der Unterricht im Wald statt. «Es war der Höhepunkt meiner Schulkarriere und hatte keinen schlechten Einfluss auf meine schulischen Leistungen – im Gegenteil.»

Der soziale Umgang sei sogar besser gefördert worden. Auch Sekundarlehrer Karl Egli trat im Film als Zeitzeuge auf: Das Waldschulprojekt und der wunderbare Sommer seien «speziell» gewesen. Er sei mit seinen Schülern in den Wald «geflüchtet», weil im Dorf das neue Schulzentrum gebaut wurde. Der Abwart stellte uralte Möbel zur Verfügung, und so richtete man ein provisorisches Schulzimmer im Wald ein.

21 Filmkapitel

In der 12-minütigen Sequenz über die Schule schildert Karl Egli im Film mehrere lustige Szenen. Eines Tages tauchte der Schulinspektor im Wald auf. Lehrer Egli habe in weiser Voraussicht im Schulhaus noch ein «Plänli» hinterlassen, damit man ihn und seine Klasse im Wald findet. Weiter schilderte Egli, wie ein Mädchen eine Kuhglocke in den Wald mitnahm und sie an eine Tanne hängte, um so die Pause einzuläuten.

Die Schule ist nur eines von insgesamt 21 Filmkapiteln des dritten Teils der Filmdokumentation «Ein Dorf im Wandel». Weil die Kapitel thematisch unterteilt sind, kann man ihn wie eine Fernsehserie schauen. Am Stück dauert er über drei Stunden. An der Filmpremiere wurden fünf Filmsequenzen gezeigt: Schule, 900-Jahr-Feier, alles rund um die Kirche sowie die Zwirnerei Wettstein und die Turnfamilie.

Die Filmproduktion Sursee war für die Vertonung des Films zuständig. Sie hat die 43 Zeitzeugen in den Film eingebaut und ihm dadurch noch mehr Authentizität verliehen. Ursprünglich sei ein Film von 40 Minuten geplant gewesen, sagte der Gemeinderat Markus Riedweg (CVP).

Die Gemeinde hat es den beiden ehrenamtlichen Filmemachern und Projektleitern Niklaus Steiner und Carlo Müller-Müller sowie ihren Frauen Verena Steiner-Schwab und Marlies Müller-Müller zu verdanken, dass der Film überhaupt zustande kam. Im Auftrag der Kulturkommission und der Gemeinde begannen die beiden vor über drei Jahren mit der digitalen Auf- und Weiterbearbeitung des bestehenden Filmmaterials. Vorerst musste allerdings noch eine finanzielle Basis geschaffen werden. Nur dank der finanziellen Hilfe von rund 80 Geldgebern aus Fonds, Stiftungen, Vereinen, Gewerbetreibenden und Privaten kam der Film zustande. Als Filmhauptförderer zeichnen die Gemeinde Dagmersellen und die Kulturförderung des Kantons Luzern verantwortlich.

Den Grundstein für den dritten Teil des Dagmerseller Films hatte eigentlich Alfred Felber-Eiholzer, (1907–1995), Lokalhistoriker und Ehrenbürger, gelegt. Er erhielt anlässlich einer Klassenzusammenkunft anno 1963 von einem ehemaligen Schüler eine 16-mm-Bolex-Filmkamera geschenkt.

Filmkamera weitergegeben

Eiholzer, der auch das Buch über Dagmersellen zur 900-Jahr-Feier geschrieben hat, gab die Kamera nach zehn Jahren weiter – an den damaligen Drogisten Carlo Müller. Dieser übernahm die Aufgabe, Aktuelles im Dorfgeschehen festzuhalten. Anfang der 80er-Jahre hielt bereits eine neue günstigere Videotechnik Einzug. Und erleichterte das private Filmen. Carlo Müller bearbeitete das umfangreiche Filmmaterial erstmals für die 900-Jahr-Feierlichkeiten 1976. So stammt das Filmmaterial der 60er- und 70er-Jahre von Alfred Felber-Eiholzer und von Carlo Müller. Den Film und die neueren Aufnahmen realisierte die Filmproduktion Wyss-Hurni Sursee. Und «last but not least» singt die bekannte Musikerin Heidi Happy, mit bürgerlichem Namen Priska Zemp, den Titelsong. Sie ist in Dagmersellen aufgewachsen.

«Ein Dorf im Wandel» (1960er- und 1970er-Jahre bis heute) wird an zwei weiteren Tagen im Alterszentrum Eiche zu sehen sein: am Samstag, 3. November, 9.30 Uhr, 13.30 Uhr und 19 Uhr. Am Sonntag, 4. November, 9.30 Uhr, 13.30 Uhr und 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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