Alles andere als tollpatschig: Seit 25 Jahren gibt es die Traumdoktoren

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Bei den Spässen von Dr. Wolle vergisst Noah, dass er im Spital liegen muss. Claudio Thoma

Dr. U. Fröhlich stolpert ständig über Treppenstufen und schafft es kaum, eine Türe zuzumachen, ohne sie an seiner Nase anzuschlagen. Der scheinbar ungeschickte Arzt ist ein Traumdoktor der Stiftung Theodora, der regelmässig in der Klinik für Kinder und Jugendliche des Kantonsspitals Aarau die Patienten besucht. Und sein Repertoire geht weit über das Stolpern hinaus. Hinter jeder Tür wartet eine neue Herausforderung. Manchmal sind die Kinder sehr krank. Oder misstrauisch.

Tommy Müller, wie Dr. U. Fröhlich ohne seinen Kittel heisst, muss beim Betreten eines Zimmers in Sekundenschnelle entscheiden, was angebracht ist. «Ich bin nicht wie ein Zirkusclown, der in jeder Vorstellung sein Programm spielen kann», sagt er. An diesem Mittwochnachmittag ist er zusammen mit Dr. Wolle auf Visite. Im ersten Zimmer sitzt ein kleines, stilles Wesen auf der Bettkante. Der Knabe ist schwach, aber trotzdem lässt er die Clowns nicht aus den Augen.

Eine sinnstiftende Arbeit

Mit dem Pflegepersonal besprechen die Traumdoktoren vor der Visite den Zustand der Kinder, um sich vorzubereiten. «Hier können wir abgehen», sagt Müller und nennt eine Zimmernummer. Tatsächlich. Im Zimmer von Noëlle sind die Clowns laut und unbändig und ständig in Bewegung. Das Mädchen im Bett ist Teil des Spasses und die anwesende Familie lacht mit. Bei jedem neuen Zimmer öffnet Dr. U. Fröhlich die Tür ganz vorsichtig und begrüsst mit leiser Stimme alle im Raum. «Ich komme mit einer gedämpften Energie ins Zimmer rein und taste mich heran», sagt er.

Wie alle Traumdoktoren der Stiftung Theodora hat Tommy Müller eine künstlerische Ausbildung. Nach einer Banklehre hat er die Dimitri-Schule absolviert und arbeitet seither unter anderem in einem Zirkus, der mit Kindern in einer Woche ein Programm einübt. «Die Arbeit mit Kindern ist für mich sinnstiftend», sagt er. So sei er auch zur Stiftung Theodora gekommen. Er freue sich, dass sein Einsatz eine nachhaltige Wirkung hat. Manchmal hat auch der erfahrene Traumdoktor U. Fröhlich Mühe, den Zugang zu einem Kind zu finden. «Früher war ich enttäuscht, wenn ich aus dem Zimmer ging und das Kind überhaupt nicht reagiert hat», sagt Müller. Doch dann habe er von einer Pflegefachfrau gehört, dass ein scheinbar unbeeindrucktes Kind ihr vom Besuch des Clowns erzählt hatte.

Das Lachen der Clowns erlischt nicht, wenn sie wieder aus dem Zimmer treten; im Gegenteil. Die Witze kommen gleich unverkrampft wie am Spitalbett.

Hand in Hand mit der Pflege

Auch für das Pflegepersonal machen die Traumdoktoren einen grossen Unterschied. «Jede Minute, in der ein Kind vom Spitalalltag abgelenkt ist, ist Gold wert», sagt die diplomierte Pflegefachfrau Claudia Steger. Natürlich gibt sich auch das Pflegepersonal Mühe, um Vertrauen zu den Kindern aufzubauen. «Aber wir haben es schwerer, weil sie mit uns auch Unangenehmes wie Spritzen und Medikamente verbinden», sagt Steger. Bei den Clowns wissen die Kinder, dass sie nichts zu befürchten haben. «Wenn ich die Traumdoktoren bei der Arbeit beobachte, erlebe ich die Kinder so gelöst, wie ich sie sonst kaum zu sehen bekomme.» Traumdoktoren und Pflege arbeiten Hand in Hand. Als ein kleiner Patient partout nichts essen wollte, schafften es die Clowns, dass er ein paar Salzstängeli knabberte. Dr. U. Fröhlich und Dr. Wolle besuchen auch Neugeborene. Für die ganz Kleinen haben sie eine Melodie oder eine Geschichte dabei.

Dr. Wolle bemerkt, wie ihn die Augen eines Mädchens verfolgen. Es ist im Spital zu Besuch. Der grosse Traumdoktor kniet nieder und unterhält sich flüsternd mit dem Kind, dessen Lächeln immer breiter wird. Und auch die Erwachsenen, die die Szene beobachten, können sich dem Zauber dieses kleinen, feinen Moments nicht entziehen.

Stiftung Theodora: 25 Jahre Aufheiterung

Die Stiftung Theodora mit Sitz in Hunzenschwil feiert dieses Jahr ihr 25-Jahr-Jubiläum. Der Gründer, André Poulie, lag als Kind monatelang im Spital. Seine Mutter besuchte ihn jeden Tag und heiterte ihn und die anderen Patienten mit Geschichten auf. Poulie und sein Bruder gründeten die Stiftung und benannten sie nach ihrer Mutter. Heute arbeiten in der ganzen Schweiz 65 Traumdoktoren, davon sind 44 Frauen. Sie sind in 35 Spitälern und 29 Institutionen für Kinder mit Behinderung unterwegs. Sie besuchen alle Kinder, unabhängig von Alter, Krankheit oder Behinderung. Ihre Mission ist es, dass die Kinder für einen Moment dem Alltag entfliehen können. Die Stiftung finanziert mit Beiträgen von Spendern und Partnern.

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