Perlende Klänge in Teufels Küche

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Sascha Bendiks mit dem Akkordeon. michael flückiger

«Habt ihr eure Karten bei einem Wettbewerb gewonnen?», fragt Sascha Bendiks die Zuschauer in der Kleinen Bühne Zofingen. «Wie Hardrocker seht ihr nicht aus.» Verunsichern lässt sich das Publikum dadurch nicht, schliesslich guckt auch der Shouter dieses auf Erbaulichkeit gründenden Kleinkunstabends nicht wie ein dauergewellter Saitenkünstler aus der Wäsche. Und auch wenn der Redner noch so sehr beteuert, er habe Pianist Simon Höness in die Sphären des Heavy Metal hinaufbefördert, kann dieser seine Verwurzelung im Jazz schwerlich verleugnen. Trotzdem ist es den beiden ernst. Brüllenden Gitarrenriffs und rauen Stimmen widmen sie sich mit Pläsier an Akkordeon und Klavier. Die E-Gitarre bleibt auf dem Ständer stehen, bekommt den ganzen Abend lang kein Riff.

Gegen Hörgewohnheiten
Das raue «I Love Rock ’n’ Roll» von Joan Jett bürsten die beiden zu einem Schnulzengesang. Die feierliche Bedrohlichkeit der Glocken von AC/DCs «Hells Bells» muss einem Glöcklein weichen. Es scheppert umso hilfloser, je heftiger Höness mit dem Hammer darauf einschlägt. Das Klavier orgelt zwar tapfer, Bendiks beschwört mit den Liedzeilen «and the temperature rises» einen Erregungszustand. Der Effekt ist klein, allein der Wille ist gross. Hier wird der Wille der Metaller zum bombastisch Erhabenen humorvoll auf die Schippe genommen.

Weil sie musikalisch leichtfüssig und souverän inszeniert ist, hört sich die Veralberung witzig an. Es gibt kein Stück an diesem Abend, das nicht verfremdet ist. Simon Höness mildert die schneidenden Synthesizer-Klänge von van Halens «Jump» zu einem perlenden Klavierspiel ab und holt aus Eddie van Halens Gitarrensolo federleichte Poesie. Während die Hymne des Rock zur Beschaulichkeit mutiert, bringt Sascha Bendiks das Publikum dazu, wenigstens ein paar Zentimeter aus den Stühlen zu hüpfen. «Intellektuell ist diese Musik nicht greifbar», meint er. «Sie geht direkt in den Bauch.»

Von Nirwana zu Metallica
Sie machen es sich nicht einfach, die beiden Hardrocker ohne E-Gitarre. Sie veralbern die Attitüden des Hardrocks, versuchen aber zugleich die Substanz der einzelnen Stücke nicht abzuwürgen oder sie wenigstens zu etwas neuem Gehaltvollen hinüberzuretten. Nirwanas «Smells like Teen Spirit» ohne verzweifelten Zorn wirkt dann aber doch etwas harmlos. Eine gute Figur macht Sascha Bendiks als Lemmy Kilmister mit Motörheads «Ace of Spades». Vom zu hoch hinaufgeschraubten Mikrofon tänzelt er hin und zurück und haucht den Refrain ganz zart zum Mitsingen ins Mikrofon. Metallicas «Nothin’ Else Matters» ist stark inszeniert, da ist schon so viel Poesie drin, dass die beiden hier aus dem Vollen schöpfen können.

Zahlreiche zum Medley erweiterten Stücke reizen zum heiteren Ratespiel an. «We Will Rock You» von Queen kommt als Folk Rock daher und zitiert zugleich Europes «Final Countdown» an. AC/DCs prolliges «TNT» ist mit Kiss’ «I Was Made for Loving You» und Aerosmiths «Love in an Elevator» durchsetzt. Auch die Scorpions kriegen an diesem Abend ihr Fett ab. Weil Sascha Bendiks die hölzernen Texte seiner Landsleute stört, übersetzt er «Still Loving You» gleich ins Deutsche zurück. Er trägt das Lied mit derart übersteuerter Emphase vor, dass es zum Brüllen komisch ist. Die Einsprengsel der Pfeiftöne aus «Wind of Change» bildeten witzige Aperçus dazu.

Schweisstreibender Tango-Metal
Im Konzert ist aber nicht nur Witz, sondern auch ganz schön viel Energie drin. Beim neu zum Heavy-Metal-Tango umfunktionierten «Stairway to Heaven» von Led Zeppelin treibt Sascha Bendiks das Klappern der Kastagnetten bis zur Ekstase. Entweder

überdreht oder zuckersüss untergebuttert kommt das alles daher. Mit viel musikalischem Feingefühl und augenzwinkernder Schauspielerei abgeschmeckt, gelingt den beiden ein toller Abend. Spätestens als die beiden Deutschen Patent Ochsners «Niemer im Nüt» als Zugabe in fast waschechter und darum komischer Mundart bringen, haben sie das ohnehin schon begeisterte Publikum restlos von sich überzeugt.

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