«Der Impuls zur Trennung kam von der Regierung» – die Hintergründe zum Rücktritt des KSA-Präsidenten

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Konrad Widmer trat sein Amt als Verwaltungsratspräsident am 1. März 2016 an (Alex Spichale)

Zwölf Jahre lang herrschte Kontinuität an der Spitze des Kantonsspitals Aarau (KSA): Von der Gründung der selbstständigen Aktiengesellschaft im Jahr 2004 bis im Frühling 2016 hiess der Verwaltungsratspräsident Philipp Funk. Am 1. März 2016 übernahm Konrad Widmer, Mediziner und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Global Executive MBA, die Führungsposition. Nun kommt es nach rund zweieinhalb Jahren bereits wieder zu einem Führungswechsel, wie die Staatskanzlei mitteilt.

Der Regierungsrat und Verwaltungsratspräsident Konrad Widmer seien zum Schluss gekommen, dass ein Führungswechsel nötig sei, «weil das gegenseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist», heisst es in der Mitteilung. Widmer habe sich deshalb entschlossen, sein Amt per Ende dieses Jahres abzugeben. «Weitere Gründe für meinen Rücktritt sind die fehlende Vernetzung im Kanton Aargau und die ungenügende Work-Life-Balance für mich und meine Familie», erklärt er seinen Entscheid in der Mitteilung.

Das KSA sei derzeit in einem umfassenden Strategie- und Restrukturierungsprozess, teilt die Regierung weiter mit – und lobt den Präsidenten. Konrad Widmer habe in seiner Amtszeit mit der Entwicklung und Umsetzung einer neuen Führungsstruktur, dem Abschluss der Vorbereitungsarbeiten für das Neubauprojekt sowie der Integration der Spital Zofingen AG wichtige Zwischenziele erreicht.

Doch warum tritt der erfolgreiche Spitalpräsident dann zurück? Gesundheitsdirektorin Franziska Roth (SVP), eine Parteikollegin von Widmer, geht im Interview nicht auf Details ein. Sie sagt nur, die Basis für eine weitere Zusammenarbeit mit dem KSA-Präsidenten sei nicht mehr gegeben. Dieser habe dem Regierungsrat kürzlich schriftlich seinen Rücktritt auf Ende dieses Jahres mitgeteilt.

Widmer, der vor seiner Tätigkeit in Aarau unter anderem CEO des Universitäts-Kinderspitals beider Basel, Leiter der Gesundheitsversorgung des Kantons Basel-Stadt und Verwaltungsratspräsident der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel war, sagt auf Anfrage der AZ: «Der Impuls zur Trennung kam vonseiten der Regierung.» Der 56-Jährige räumt seinen Posten an der Spitze des Spitals also nicht freiwillig, sondern tritt unter Druck zurück. «Man brauchte mich aber nicht gross zu überreden», räumt er ein.

Es sei dem Regierungsrat und ihm nicht gelungen, «eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, mit der es möglich wäre, über die unterschiedlichen Rollen und die damit verknüpften Erwartungen zu sprechen», führt Widmer aus. Der Regierungsrat treffe seine Entscheide eher politisch, der Verwaltungsrat müsse zwar die politischen Rahmenbedingungen beachten, entscheide jedoch auf rein sachlicher Basis. «Diese Diskrepanz kann nur in einem auf Vertrauen basierten Dialog überbrückt werden – und an dem hat es gefehlt», fasst Widmer zusammen.

Eine rasche Trennung, wie sie nun erfolgt, ist aus seiner Sicht nur konsequent. «Bis zur Generalversammlung zu warten, hat keinen Sinn, wenn das Vertrauen nicht mehr gegeben ist.»

Diskussionen über Ertragslage
Bevor er sein Amt als KSA-Präsident antrat, sagte Widmer der AZ, primäre Aufgabe eines Spitals sei es nicht, Geld zu verdienen, sondern Leben zu retten. «Auch wenn wir natürlich alles versuchen müssen, genug Gewinn zu erwirtschaften, um künftige Investitionen zu stemmen», ergänzte er. Dies ist Widmer nur beschränkt gelungen, auch wenn er im letzten Jahresbericht schrieb: «Das Kantonsspital Aarau hat es trotz schwieriger Rahmenbedingungen geschafft, die Ertragslage zu verbessern.» Mit einer Ebitda-Marge von 6,1 Prozent habe das KSA im Jahr 2017 «einen neuen Höchststand erreicht» – dennoch lag der Wert deutlich unter der Vorgabe der Regierung von 10 Prozent.

Die schlechte finanzielle Performance des KSA war in den letzten Jahren immer wieder Thema in der Aargauer Politik. Zuletzt fragte FDP-Grossrätin Maja Riniker, wie das Spital seinen Neubau finanzieren könne. Auch die Regierung pochte offenbar auf die finanziellen Vorgaben. «Das Ebitda-Ziel war immer wieder Gegenstand von Diskussionen», sagt Widmer.
Für seine persönliche Zukunft nach dem Abgang beim KSA, wo er ein Pensum von 30 Prozent hatte, ist er optimistisch. «Ich freue mich nun zuerst darauf, dass meine Work-Life-Balance wieder besser wird.» Danach werde bestimmt wieder die eine oder andere Aufgabe auf ihn zukommen.

Anstelle von Widmer wird Vizepräsident Felix Schönle ab dem 1. Januar den Verwaltungsrat interimistisch führen. Schönle gehört dem Führungsgremium seit sieben Jahren an und werde «in den nächsten Monaten die Kontinuität sicherstellen», heisst es in der Mitteilung. Der neue Präsident soll an der Generalversammlung im Mai 2019 gewählt werden. Dann sind auch zwei weitere Sitze im Gremium zu besetzen: Regula Jenzer Bürcher und Claudia Zuber-Bürgisser haben laut Mitteilung «bereits zu einem früheren Zeitpunkt ihre Demission als Verwaltungsratsmitglieder eingereicht».

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Gesundheitsdirektorin Franziska Roth sagt, warum der KSA-Präsident zurücktritt und wie der Regierungsrat seinen Nachfolger sucht.

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