Buchfestival Olten: Alex Capus liest wieder einmal in seiner Heimatstadt

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Alex Capus liest am «Müsterli-Abend» im Café Grogg (Bild: Bruno Kissling)
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(Bild: Bruno Kissling)

Am späten Dienstagabend postete Alex Capus folgende zwei Sätze in seine Facebook-Chronik: «Schon 34 Lesungen in diesem Herbst, bisher waren alle ausverkauft. Die nächsten Stationen sind Osnabrück und Lüneburg, später u.a. Freiburg, München, Wien.» Die eigentlich nächste Station hat Capus, der in Olten aufgewachsen ist, allerdings ausgelassen: seine Heimatstadt. Im norddeutschen Osnabrück liest der Autor erst nächsten Montag. Klaus Kaiser, der Wirt des wiedereröffneten Café Grogg, verwies dann in einem der bisher 25 Kommentare darauf, dass er ja am Donnerstagabend in Olten ist.

Wer nun allerdings in der ersten der insgesamt drei Lesungen am Müsterli-Abend im Lokal am Oberen Graben davon ausgegangen wäre, dass der Anlass ausverkauft sei wie in den 34 bisherigen Lesungen zu seinem neuen Buch «Königskinder», hätte die Wette verloren. Zwar war das Café gut besetzt, doch bei 25 Interessierten blieb doch der eine oder andere Stuhl leer.

Alex Capus, ganz professionell, liess sich davon nichts anmerken. Da war es auch nicht so schlimm, dass die Übertragung via Mikrofon nicht klappte. Seine Stimme überzeugte auch so. Wie es sein Schulfreund Thomas Knapp, der als Verleger für das Programm des Buchfestivals verantwortlich ist, Capus vorgegeben hatte, wollte er die Lesung zweisprachig halten. Ganz nach dem Motto Mehrsprachigkeit der diesjährigen Veranstaltung. Die erste Seite seines neuen Buches hatte Capus dazu selbst ins Französische übertragen.

Vor Beginn der Lesung warnte er das Publikum aber und bat um Nachsicht, dass «ich selbst einen Akzent auf Französisch» habe. Er war mit fünf Jahren mit seiner Mutter aus Frankreich in die Schweiz eingewandert und auf der rechten Stadtseite – im «Migranten-Olten», wie er es nannte – in einem der drei Wohnblöcke neben dem Sälischulhaus aufgewachsen. Während der Lesung traf damit sozusagen das Schulfranzösisch des Autors auf jenes der Zuhörer. 

Doch Capus bat nicht nur um Nachsicht, sondern war auch nachsichtig mit seinem Publikum: Er erzählte die auf Französisch vorgelesene Passage auf Schweizerdeutsch nach. Und erzählte und erzählte weiter. Bis die Zeit um war und die Leute zum nächsten Künstler des Müsterli-Abends aufbrechen mussten. Auf Deutsch vorgelesen hat er danach also nichts mehr.

Verzaubert war man im Café Grogg trotzdem ob des erzählerischen Talents Capus’: «Ich hätte ihm noch Stunden zuhören können», sagte etwa die Oltnerin Nicole Trotter. Ihr Sitznachbar Thomas Schneider aus dem Berner Seeland nickte anerkennend. Beide hatten sie noch nie eine Lesung des Autors besucht.

Kein Wunder, ist es doch schon eine Weile her, dass sich Capus in Olten zu einer Lesung zeigte. Für sein letztes Buch «Das Leben ist gut», welches in seiner Galicia Bar spielt, verzichtete er auf einen Auftritt. Er hätte keine Bar eröffnet, um für sich selber eine Bühne zu schaffen, sagte er im Videointerview. Allerdings sieht das sein deutscher Carl Hanser Verlag etwas anders: Gemäss dessen Homepage hätte nämlich die Lesung nicht im Café Grogg, sondern in seiner Galicia Bar stattfinden müssen.

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