Der EHC Olten ruht sich im Tessin auf 48 Sekunden Spektakel aus

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Der EHC Olten lässt sich auf Spielchen ein, gewinnt aber gegen Biasca Ticino dennoch überlegen 8:4. (Bild: Locatelli/Freshfocus)

Man ahnt in Biasca schon in den Startminuten Böses: Bryce Gervais albert an der offensiven blauen Linie mit der Scheibe herum und lässt dabei die nötige Ernsthaftigkeit vermissen. Prompt verliert der Kanadier in Diensten des EHC Olten die Scheibe, womit er einen Gegenstoss einleitet, den Torhüter Simon Rytz gerade noch parieren kann. Ein kurzer Blickkontakt von Trainer Chris Bartolone Sekunden später auf der Bank zum Protagonisten reicht, um klar zu machen: Ein solches Auftreten reicht nicht nur, sondern wird beim ambitionierten EHC Olten nicht toleriert.

Es scheint nur einen Einsatz später Früchte zu tragen: Ausgerechnet der fehlerhafte Bryce Gervais ist es, der eine sehenswerte Kombination erfolgreich abschliesst (4. Minute). Es folgen 48 Sekunden Spektakel-Eishockey: Erst trifft Cason Hohmann, worauf Stefan Mäder und Diego Schwarzenbach auf 4:0 erhöhen.

Strafen im Überfluss
Doch statt auf dieser Erfolgswelle weiter aufzubauen, lässt sich der EHCO auf den jugendlichen Übereifer der Biasca Ticino Rockets ein – und kassiert Strafen im Überfluss. Am Ende der Partie zählt der EHC Olten elf 2-Minuten-Strafen, gesammelt von sieben verschiedenen EHCO-Spielern.

Warum sie dies getan haben? Stefan Mäder, der sich in den Spektakel-Sekunden als Torschütze feiern lassen durfte, verwirft die Arme: «Wir haben uns auf die Spielchen des Gegners eingelassen und dumme Strafen genommen.» Schon nach dem 0:3 meinte etwa ein Center der Tessiner, dass doch sowieso alles gelaufen sei und er lieber etwas kämpfen würde, worauf die Oltner Fäuste und Stockschläge zu spüren bekamen.

Offensichtlich war auch dem letzten Biasca-Akteur bewusst: Das Auge, die Beine, die Hände – der EHC Olten ist in allen Belangen um Welten besser. Sich mit einem warm gelaufenen EHCO zu messen, schien den talentierten Tessinern keinen Spass zu machen. Warum also noch spielen?

Wieder ins Zittern geraten
Es ist dem EHCO vorzuwerfen, dass man in solchen Momenten nicht die Ruhe bewahrt und stattdessen die Reaktion mittels Spektakel-Eishockey gibt. Denn diese «Spielchen» der Tessiner schienen aufzugehen: Drei Tore schossen sie vor trister Kulisse in Überzahl. Und plötzlich war nach der grandiosen 4:0-Führung wieder Zittern angesagt, sodass Chris Bartolone die Notbremse zog und das Timeout in Anspruch nahm. «Wir haben uns gesagt, dass wir dringend wieder an unserem Gameplan festhalten müssen und unser Eishockey spielen sollten», sagte Mäder.

Stürmer Ueli Huber, in dieser Spielzeit noch nicht wirklich auf Touren gekommen, gab mit seinem ersten Saisontor zum 5:3 seine Antwort dazu. Der EHC Olten erholte sich erst im Schlussdrittel von den «Spielchen» der Biaschesi, indem der lauffreudige Jewgeni Schirjajew, der omnipräsente Stan Horansky sowie Bryce Gervais mit ihren Toren doch noch für die erwartet deutlichen Verhältnisse sorgten.

Der EHC Olten geht nun also mit dem vierten Sieg in Folge erhobenen Hauptes in Richtung Wochenende. Es wartet eine Doppelrunde auf die Powermäuse: Erst gastiert La Chaux-de-Fonds am Samstag zum Spitzenkampf im Kleinholz (17.30 Uhr), ehe tags darauf der EHCO bei der EVZ Academy antritt. Mit Siegen Nummer 5 und 6 en suite stünden die Oltner wohl auch tabellarisch wieder gut da.

Biasca Ticino - Olten 4:8 (1:4, 2:1, 1:3)
BiascArena. – 177 Zuschauer. – SR: Stricker/Boverio, Ambrosetti/Haag. - Tore: 4. Gervais (Horansky) 0:1. 8. (7:08) Hohmann (Schirjajew, Barbero) 0:2. 8. (7:18) Mäder (Gervais) 0:3. 8. (7:56) Schwarzenbach (Grossniklaus, Rouiller) 0:4. 19. Mazzolini (Kparghai) 1:4. 24. Haussener (Kparghai/Ausschluss Heughebaert) 2:4. 28. Pagnamenta (Rohrbach, Haussener/Ausschluss Wyss) 3:4. 30. Huber (Wyss) 3:5. 42. Moor (Neuenschwander, Smith/Ausschluss Schirjajew) 4:5. 45. Schirjajew (Grossniklaus, Rouiller) 4:6. 49. Gervais (Hohmann, Eigenmann) 4:7. 51. Horansky 4:8. – Strafen: 6-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Smith) plus Spieldauer (Fritsche) gegen Biasca Ticino, 11-mal 2 Minuten gegen Olten.
Biasca Ticino: Hughes (13. Mathys); Fontana, Moor; Pagnamenta, Tosques; Kparghai, Wieszinski; Spinedi, Buchli; Haussener, Vedova, Rohrbach; Mazzolini, Smith, Neuenschwander; Bionda, Fritsche, Portmann; Camichel, Demuth, Taiana.
Olten: Rytz; Eigenmann, Barbero ; Grossniklaus, Rouiller; Bagnoud, Colin Gerber; Heughebaert, Lüthi; Horansky, Schirjajew, Hohmann; Schwarzenbach, Mäder, Gervais; Wyss, Schneuwly, Haas; Huber, Rexha, Vodoz.
Bemerkungen: Biasca Ticino ohne Stucki, Neuenschwander (beide verletzt), Sartori, Brazzola, Dux (alle überzählig) und Matewa (krank). Olten ohne Muller (verletzt), Truttmann, Ulmer, Zanatta (alle rekonvaleszent) und Roland Gerber (SCL Tigers).

Alle Resultate und die Tabelle der NLB finden Sie hier.

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