Emotionale letzte Gmeind in Attelwil

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Viele Attelwiler liessen sich ihre letzte Gemeindeversammlung nicht entgehen. Als Gäste waren unter anderem (vorderste Reihe, von links) Regierungsrat Urs Hofmann, Katrin Burgherr, die designierte Frau Ammann der fusionierten Gemeinde Reitnau, und Janine Rupp, ehemalige Gemeindeschreiberin von Attelwil, anwesend. (Bild: Lilly-Anne Brugger)
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Der letzte Gemeinderat der Gemeinde Attelwil: Simon Hauri, Vizeammann Adrian Lüthy, Gemeindeammann Roger Lehner, Zaneta Hochuli und Markus Baumann. Markus Baumann wird auch im neuen Gemeinderat mitwirken. (Bild: Lilly-Anne Brugger)

Mehr als ein Drittel der Stimmberechtigten haben sich die letzte Gemeindeversammlung von Attelwil nicht entgehen lassen. Ein historischer Moment, der auch von Historiker Markus Widmer-Dean und Fotograf Ruedi Hunziker aufgezeichnet wurde. «Wir haben die Anregung der letzten Gemeindeversammlung aufgenommen, unsere Dorfchronik aus dem Jahr 2006 zu aktualisieren», sagte Gemeindeammann Roger Lehner einleitend. Er begrüsste zahlreiche Gäste, unter ihnen Regierungsrat Urs Hofmann und Katrin Burgherr, die designierte Frau Gemeindeammann der fusionierten Gemeinde Reitnau. Dieses Wochenende findet die Wahl des Vizeammanns und Ammans statt. Neben Katrin Burgherr kandidiert auch Peter Hochuli als Vizeammann.

Visionen ohne Zustimmung

Die letzte Versammlung der Attelwiler bestand aus drei Traktanden: der Genehmigung des Protokolls der Gmeind vom 8. Juni, der erneuten Diskussion über den Verkauf des Schulhauses sowie Verabschiedungen und Ehrungen inklusive der Ansprache von Regierungsrat Urs Hofmann. «Wir wollen nicht zwängeln», sagte Gemeindeammann Roger Lehner einleitend zum Traktandum Schulhaus. Erst an der Sommer-Gemeindeversammlung haben sich die Attelwiler klar gegen den Verkauf des Schulhauses, der Liegenschaft «Walter Morgenthaler» und des dazugehörigen Landes ausgesprochen. Das Filetstück solle nicht an einen Investor verscherbelt werden, so der Tenor damals. Nun habe sich die Lage geändert, erklärte Lehner. So würden zwei Einheimische gerne die Liegenschaften erwerben und ihre Visionen verwirklichen. Der Gemeinderat würde nun gerne wissen, ob der Verkauf an die beiden für die Stimmbürger ein gangbarer Weg sei oder ob am Verkaufsverzicht festgehalten werden soll. «Es ist alles möglich», betonte Lehner. Der Reitnauer Andreas Hochuli, Inhaber der Sieber Holzbau AG, Triengen, erklärte den Anwesenden zuerst seine Vision: Das Schulhaus wird zu einem Bürogebäude umgebaut, mit Ausstellungs- und Präsentationsräumen ergänzt. Im Weiteren sind ein Schulungsgebäude im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie sowie ein kleineres Gewerbeobjekt für stilles Gewerbe geplant. Im Arealbereich angrenzend an die Landwirtschaftszone wären zwei bis drei Einfamilienhäuser im mittleren Preissegment vorgesehen.

Der Reitnauer Willi Lehmann, der Besitzer des Restaurants Schmiedstube, ist auf der Suche nach mehr Parkplätzen. Bisher konnte er welche beim Schulhaus nutzen, nun würde er gerne das Gebäude «Walter Morgenthaler» kaufen und dort unter anderem Parkplätze realisieren. Das Gebäude würde erhalten bleiben. Das Restaurant, das 30 Jahre lang seinen Eltern gehört hat und nun seit 30 Jahren in seinem Besitz ist, liege ihm am Herzen, sagte Lehmann. «Ich kann nicht versprechen, dass mein Restaurant wieder zum Fliegen kommt, ich verspreche aber, dass ich alles dafür tun werde.»

Ohne Willi Lehmann und Andreas Hochuli haben die Attelwiler diskutiert. Schnell wurde klar: Das Filetstück soll auch weiterhin in der Gemeinde bleiben. Dies sei die Mitgift in die Ehe mit Reitnau. Auch wenn es der Gemeinderat nicht so sah, empfanden einige das Zurückkommen auf das Traktandum der Sommergmeind als Zwängerei. Geld habe die neue Gemeinde Reitnau nach der Fusion genügend. Solange nicht klar sei, wofür der Schulhaus-Erlös gebraucht werde, mache ein Verkauf wenig Sinn. So war die Abstimmung am Ende der kurzen Diskussion klar und einstimmig: Nein. Das Schulhaus soll nicht verkauft werden.

Attelwil lebt weiter

Im Anschluss an die Abstimmung ergriff Regierungsrat Urs Hofmann das Wort. Er blickte zurück in der Geschichte, zeigte auf, wie der Aargau 1803 gebildet worden war: am Reissbrett in Paris. Es seien damals willkürlich Gemeinden gebildet und zerstückelt worden. Die Gemeindegrenzen seien zufällig bestimmt worden. Ihm sei wichtig, dass dies heute nicht mehr passiere. Dass die Gemeinden selber über ihre Zukunft bestimmen könnten und mit wem sie zusammenarbeiten oder fusionieren möchten. «Und das haben Sie, liebe Attelwiler und Attelwilerinnen, gemacht.» Die Fusion mit Reitnau sei nicht der Untergang von Attelwil, sondern der Start eines starken Dorfteils Attelwil in der Gemeinde Reitnau.

Die Verabschiedung aller Kommissionen, Funktionäre und Angestellten erfolgte anschliessend, bevor alle zum Apéro gingen. Es zeigte sich: Die Attelwiler haben sich für ihre Gemeinde engagiert. Teilweise sogar in mehreren Ämtern und Aufgaben gleichzeitig. Viele von ihnen werden dies auch in der neuen Gemeinde weiterhin tun.

Die letzte Gemeindeversammlung von Attelwil war zwar emotional, die Attelwiler haben aber auch viel miteinander gelacht. Für einen der ersten Lacher sorgte Regierungsrat Urs Hofmann, der schon nach einer Stunde seine Ansprache halten konnte. «Ich habe gehört, dass es hier auch mal länger dauern kann und meine Chauffeuse nach Hause geschickt. Dass ich jetzt schon dran bin, enttäuscht mich also schon ein bisschen.»

Zum Schluss der Versammlung konnte auch Ammann Roger Lehner ein Geschenk in Empfang nehmen. Gemeinderat Markus Baumann meinte zum Schluss der Ehrung: «Dein Vater war der letzte Feuerwehrkommandant vor der Fusion mit Reitnau, du der letzte Ammann vor der Fusion mit Reitnau.» Und mit Blick auf Historiker Markus Widmer-Dean sagte Baumann dann: «Das wird bestimmt in die Geschichte eingehen.»

Nach der Versammlung trafen sich die Stimmbürger zum Apéro, vorbereitet von Michel Strub und seiner Frau. Strub wird im neuen Gemeinderat den Ortsteil Attelwil vertreten. «Er arbeitet schon jetzt viel für die neue Gemeinde», lobte Roger Lehner, noch bevor er die reichhaltigen Käse- und Fleischplatten gesehen hatte. Die Gläser mit Gemeindewappen, in denen Wein, Orangensaft und Wasser ausgeschenkt wurden, durften die Attelwiler behalten.

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