Eine Entschuldigung zum Neustart - Tschuor glättet die Wogen an der Wikoner Gmeind

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Grossandrang: 152 Personen besuchten am Dienstagabend die Gemeindeversammlung in Wikon. rzu
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«Ich will eine würdige Gemeindeversammlung – mit Sach- und nicht mit Personalpolitik.» Michaela Tschuor Gemeindepräsidentin ad interim

Michaela Tschuor nimmt von Beginn weg den Wind aus den Segeln: Die Gemeinderätin, die den krankgeschriebenen Gemeindepräsidenten René Wiederkehr vertritt, entschuldigt sich im Namen des Gemeinderats bei dem Finanzverwalter Wolfgang Kunzelmann und der Verwaltung. Wer ein öffentliches Amt bekleide und Fehler mache, habe sich öffentlich zu entschuldigen, so Tschuor. Die letzte Gemeindeversammlung im Juni habe «einen bitteren Nachgeschmack und Spuren» hinterlassen. Der Gemeinderat wolle aber nun einen Strich ziehen und in die Zukunft blicken. «Ich will eine würdige Gemeindeversammlung – mit Sach- und nicht mit Personalpolitik.»

Gesagt, getan. In fast andächtiger Atmosphäre lauschten die Bürgerinnen und Bürger Tschuors Worten. Über 150 Personen wohnten am Dienstagabend der Gemeindeversammlung bei. Die Querelen im Vorfeld haben durchaus auf eine gehässigere Stimmung hingedeutet: Die SP und SVP Wikon hatten in einem Flugblatt eine neue Gemeindepräsidentin oder einen neuen Gemeindepräsident gefordert. Die FDP reagierte ebenfalls mit einem Flugblatt und verurteilte «die Hetzjagd der SP und SVP aufs Schärfste». An der Gemeindeversammlung spürte man nichts von dieser Kontroverse. Im Gegenteil: Ein Bürger stand auf und bedankte sich beim Gemeinderat für die Entschuldigung. Eine Bürgerin sagte: Die Gemeindeversammlung sei bis jetzt so gut verlaufen, sie verzichte jetzt auf eine Standpauke. Tschuor fand wohl die richtigen Worte.

Fehlerhaftes Krisenmanagement

Im Wikoner Gemeinderat und in der Verwaltung überschlugen sich jüngst die Ereignisse: Anfang November entschied der Kanton, dass der Gemeinderat dem Finanzverwalter Kunzelmann zu Unrecht sämtliche Dossiers entzogen hatte. Dabei wurde auch bekannt, dass Kunzelmann die übrigen Gemeinderatsmitglieder und die Gemeindeschreiberin Janine Bron bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatte (wir berichteten). Kurz darauf kündigte Gemeinderat Markus Dietrich seinen Rücktritt an. Es folgte der zwischenzeitliche Ausfall des Gemeindepräsidenten René Wiederkehr aus gesundheitlichen Gründen und die Kündigung seitens der Gemeindeschreiberin Janine Bron. Deren Wunsch auf Freistellung hat der Gemeinderat erst gestern gewährt – nach einer «anständigen Übergabe», sagte Tschuor.

Tschuor führt die Ereignisse auf fehlerhafte Abläufe und Strukturen sowie ein mangelhaftes Krisenmanagement zurück. Rücktrittsforderungen brächten die Gemeinde aber auch nicht weiter. René Wiederkehr werde ihrer Meinung nach seine Arbeit wieder aufnehmen. Tschuor kehrte die ganze Situation ins Positive: «Nun haben wir die Chance, zeitgemässe Strukturen in der Verwaltung und im Gemeinderat zu schaffen.» Deshalb startet die Gemeinde zusammen mit einer Beratungsfirma ab nächster Woche mit einer Organisationsanalyse. Im April soll ein Massnahmenkatalog vorliegen. Zudem kündigte Tschuor Sofortmassnahmen an. So soll es auf der Bauverwaltung ab nächster Woche eine offizielle Ansprechperson geben – was bis jetzt nicht der Fall war. Eine weitere Sofortmassnahme ist die Auslagerung der Prüfung von Steuererklärungen. Zudem habe man befristete Arbeitsverhältnisse verlängert.

Grosser Druck werde aber nach wie vor auf der Verwaltung lasten. Eine Verwaltungsangestellte machte daraufhin auf die prekäre Situation auf der Kanzlei aufmerksam und appellierte an die Bürger, Verständnis und Geduld zu zeigen. Der Druck bringt auch weitere Veränderungen mit sich: So informierte Tschuor die Versammlung, dass gestern auch die Verwaltungsangestellte Céline Solleder gekündigt habe. Man werde auch diese Stelle sofort ausschreiben, so Tschuor.

WEITERE TRAKTANDEN

Gemeindehaus-Sanierung fällt günstiger aus

Der Gemeinderat präsentierte der Versammlung zudem das Budget 2019 und den Aufgaben- und Finanzplan 2019 bis 2022. Das Budget mit einem gleichbleibenden Steuerfuss von 2.5 Einheiten schliesst mit einem Minus von 450 313 Franken. Ab 2020 soll der Steuerfuss gemäss Finanzplan auf 2.4 Einheiten reduziert werden. Und für das Jahr 2022 wird sogar wieder ein Plus in der Rechnung angestrebt.

Die Nettoinvestitionen belaufen sich gemäss Botschaft auf 1,9 Millionen Franken. Diese fallen nun aber günstiger aus. Grund dafür ist die Sanierung des Gemeindehauses. Wegen des maroden Daches sind in der Botschaft gesamthaft 900 000 Franken für Reparaturen budgetiert. Neu strebt der Gemeinderat aber nur noch eine Minimallösung für 137 000 Franken an. Dabei wird lediglich die Horizontalfläche des Dachs repariert. Die Sanierung von Innenräumen, die man bei anderen Varianten vorgeschlagen hat, habe keine Dringlichkeit und könne warten, so der Gemeinderat. Der Ausführungskredit für die Sanierung wird wohl an der nächsten Gemeindeversammlung im Frühling vorgelegt. Die Versammlung genehmigte das Budget grossmehrheitlich.

Ferner war auch die Orientierung zum Siedlungsleitbild traktandiert. Auf Antrag des Gemeinderats wurde das jedoch abtraktandiert. Der Grund: Auf Wunsch des Kantons muss der Gemeinderat das Siedlungsleitbild nochmals überarbeiten und kann es erst zu einem späteren Zeitpunkt präsentieren.

Weiteres Traktandum war die Genehmigung der Kreditabrechnung zur Sanierung der Schlatt- und Bottenwilerstrasse. Die Sanierung für 925 000 Franken wurde mit 194 Franken unterschritten. Die Gemeindeversammlung hat dieses Traktandum einstimmig angenommen.

Zuletzt erhielten acht Wikoner die Zusicherung zum Gemeindebürgerrecht. Dies sind Tolga, Mira, Arya und Süheda Köcek; Jaroslaw Platunski und Valentina, Dionis und Andri Sejfija. (rzu)

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