Traditioneller Festungsbazar im Zeichen des Jubiläums «125 Jahre Jugendheim» - GALERIE

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Bequem mit dem Lift – die Mehrheit der vielen Besucher bevorzugte den Fussweg vom Städtli her kommend über mehrere Dutzend Stufen einer Lichterkette entlang bis ins Jugendheiminnere beim Paradeplatz. Das «Fitnessprogramm» der Treppensteiger sollte sich auszahlen, nicht in Münzen, dafür mit einigen Stunden intensivem Festungsleben und einem unterhaltsamen Jubiläumsprogramm. Vom Aufstieg etwas ausser Puste meinte eine ältere Besucherin in Begleitung ihres Enkels Raphael: «Ein Stück Schwarzwäldertorte und ein Käfeli im Schlosscafé habe ich mir jetzt aber verdient.» – Wer einmal hinter den dicken Mauern des bedeutungsvollen Aarburger bzw. helvetischen Wahrzeichens steht, ist fasziniert vom geheimnisvollen und mystischen Innern. Jörg Stirnemann aus Rothrist, ehemaliger Geschäftsleiter der Gottlieb Müller AG, Zofingen und Bauführer der Hallwyler AG, Rothrist: «Wir durften bei den intensiven Sanierungs- und Umbauarbeiten interessante Aufträge ausführen. Dadurch kenne ich die Festungsanlage bestens. Ich bin ein Stammgast am Bazar und immer wieder von Neuem von der Schaffenskraft des Jugendheimes beeindruckt. Auf dem Programm steht bei mir auch immer ein Abstecher in den Raclettekeller.» – Der Bazar ist ein regelrechtes Zugpferd, überrascht Jahr für Jahr und mobilisiert die Massen aus der «Talschaft» Viele Produkte, zum Teil Unikate, «made Jugendheim Aarburg», waren schon gegen den Nachmittag ausverkauf . Neben den altbewährten, qualitativ hochwertigen Handarbeiten aus den verschiedenen internen Betrieben und Ateliers wurden an den Verkaufsständen kunstvolle und sorgfältig hergestellte Metall- und «Holzkreationen mit ansprechendem Design angeboten. – Mit Glühwein, Punsch, Raclette, Hot Dogs, Pommes frites und vielen weiteren Leckereien und natürlich mit dem grossen Weihnachtsbaum im Hofgarten war für die richtige Adventsstimmung gesorgt. Zum fast «kitschigen Postkartenbild» fehlte eigentlich nur ein «Schümli» Schnee. Auch die köstlichen Backwaren gingen wieder flott über den Tisch. Im traditionellen Restaurant, im Gewölbe-Raclettekeller oder im Schlosscafé in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kommandantenwohnung konnten sich die Besucher kulinarisch verwöhnen lassen oder ganz einfach die Weitsicht, die Ruhe und die Stimmung auf der Burg geniessen. – Eine mit viel Farbe sanft sanierte Wohngruppe in der «Frohburg» mit eingebundener «125-Jahre-Jubiläumsausstellung» war für die Öffentlichkeit zugänglich. – Ein Highlight war das Weihnachtskonzert im Rittersaal (organisiert von der kulturellen Vereinigung Schlüssel, Aarburg) des 2003 gegründeten 30-köpfigen gemischten Chors «molto cantabile» aus Luzern. «molto cantabile» bedeutet harmonisches und gefühlvolles Singen. Diese Eigenschaften kamen beim Publikum ausgezeichnet an. – Die Festungsführungen im Stundentakt und die speziellen Kinderführungen waren sehr beliebt. Jeder wagte beim Vorbeigehen einen Blick in den alten Zugbrunnen. Dieser ist 46 Meter tief und der Wasserstand beträgt etwa 8 Meter. Drei Mann waren nötig, um das Wasser heraufzubefördern. Die Küche befand sich im Raum über dem Brunnen und so konnte sich der Koch das Wasser für den Küchengebrauch bequem durch das Loch im Boden holen. – Natürlich durfte die traditionelle «Schoggischleuder» nicht fehlen – eine Festung ohne «Kanone», das geht nicht ...

Vom Zeughaus zum Jugendheim
Mit der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 gelangte die Festung Aarburg in den Besitz des Staates. Als Armen- und Zeughaus diente sie zeitweise auch als Gefängnis. Wegen der ungenügenden Infrastruktur – es fehlte an Wasser und Strom – mussten die Gefangenen ihr unfreiwilliges Domizil nach Lenzburg verlegen. Diesen Weg legten sie aneinandergekettet zu Fuss zurück. Danach stand die Festung leer und wurde Opfer von Plünderungen. Jeder bediente sich, bis schliesslich nur noch die Hülle dastand. 1893 wurde die Festung einer neuen Nutzung als Heim für straffällig gewordene Jugendliche zugeführt. Es war die erste Einrichtung dieser Art in der Schweiz. – Das Jugendheim Aarburg (JHA) gehört zum Departement Volkswirtschaft und Inneres und untersteht dem Amt für Justizvollzug. Das Jugendheim ist eine vom Bund anerkannte Institution zur Durchführung von jugendstrafrechtlichen Schutzmassnahmen. – Das Heim ist ein grosser Arbeitgeber und beschäftigt rund 70 Mitarbeitende.

Verschiedene berufliche Ausbildungen sind möglich «Sei ja brav, sonst schicken wir dich auf die Festung», hiess es früher bei Familien in der Region, wenn der Bub nicht machte, was er hätte machen sollen oder ungehorsam war. Aufgenommen werden männliche Jugendliche ab Schulentlassung ab dem 14. Altersjahr bis zum zurückgelegten 18. Altersjahr, bei denen ein pädagogischer Zugang möglich ist. Die Einweisung erfolgt durch die Jugendanwaltschaft, Jugendgerichte oder durch die Familiengerichte als Kindesschutzbehörden. Die Jugendlichen können verschiedene Berufsbilder auswählen mit Fähigkeitsausweis. Zu was die jungen Menschen und ihre Ausbildner fähig sind, manifestiert eindrücklich immer wieder der Bazar. Für wenig Geld können jeweils handwerkliche Höchstleistungen der verschiedenen Ateliers und Werkstätten des Jugendheimes und hochwertige Geschenkartikel zu erstaunlichen Preisen erstanden werden. – Sehr zufrieden mit dem Ablauf des Anlasses, der bei schönsten Wetter stattfand, war auch Jugendheim-Direktor Hans Peter Neuenschwander: «Es läuft alles perfekt, das Wetter spielt mit, das Interesse an unserem Programm ist gross und die Besucher erscheinen in Scharen. Wir sehen unseren grossen Aufwand und unsere Bemühungen belohnt.»

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