Zum Tag der Freiwilligenarbeit: Ehrenamtliche Arbeit? «Unbezahlbar»

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Ein Händedruck zum Dank ist ein willkommenes Zeichen der Wertschätzung für alle, die sich freiwillig engagieren. (Bild: shut)

In einem Wort umschreibt Philipp Moor den Wert der Freiwilligenarbeit in der Schweiz: «Unbezahlbar.» Der Hägendörfer ist im STV Vordemwald seit vielen Jahren als Funktionär tätig, ebenso beim Schweizerischen Turnverband und in verschiedenen Organisationskomitees. 2015 rief er mit Denise Hofmann das Beratungsunternehmen vereinscoaching.ch ins Leben. Mittlerweile sind vier Personen für vereinscoaching.ch tätig. Pro Monat kommen zwei bis drei neue Anfragen zu den laufenden Mandaten und Partnerschaften. «Die Nachfrage ist gross. Wir dürften weiter wachsen und werden versuchen, mit Freelancern und weiteren Coaches möglichst alle Anfragen bewältigen zu können», sagt Philipp Moor.

Nachhaltig statt kosmetisch

Ziel von vereinscoaching.ch ist, mit Inputs in Gesprächen, Workshops, Umfragen, Projektbegleitung und weiteren Instrumenten Verbände und Vereine fit zu machen für ihre Herausforderungen. «Die Sorgen sind ganz individuell und somit auch die Lösungen, die man finden muss», betont Philipp Moor, «aber irgendwann kommt bei ausnahmslos allen Vereinen der selbe Punkt zur Sprache: es ist schwierig, Funktionäre zu finden.» Vakanzen im Vorstand oder Mitgliederschwund bezeichnet Philipp Moor als Symptome. Um einen Verein weiterzubringen, müsse man Ursachenforschung betreiben. Dazu würde manchmal schon das Erstgespräch reichen, das zwei bis drei Stunden dauere und 99 Franken kostet. Moderate Preise sind den Betreibern von vereinscoaching.ch, die alle neben anderen beruflichen Tätigkeiten für die Beratungsfirma arbeiten, wichtig. Ihr Angebot soll für Vereine und Verbände erschwinglich sein. «Egal, ob wir mit einem Blasmusikanten oder Turnern zusammentreffen, wir beginnen immer ganz von vorne, fragen was die Mitglieder eigentlich wollen, was der Verein will, welche Visionen es gibt», sagt Philipp Moor. Kosmetische Anpassungen, wie Riegen zu streichen oder Ämter umzubenennen, seien nicht nachhaltig: «Dreht man nur an einem kleinen Schräubchen, kommt ein Karussell in Bewegung und man kann nicht abschätzen, was dann mit einem Verein passiert.»

Auf der sicheren Seite seien Vereine, wenn sie die Nachwuchsplanung früh angehen. «Im Sportbereich klappt das bei Leitern nicht schlecht, vom Hilfsleiter zum Haupt- und dann zum Riegenleiter ist ein gängiger Weg», so Philipp Moor, derzeit selber Leiter beim Schulstufenbarrenteam des STV Vordemwald. Auf Funktionärsseite würden viele Organisationen vergessen, für eine regelmässige «Blutauffrischung» zu sorgen. Er sage deshalb in Workshops oft: «Wenn du ein Vorstandsamt antrittst, musst du dir bereits Gedanken gemacht haben, wer einst dein Nachfolger werden könnte.» Philipp Moor bezeichnet es zwar als «lobenswert», wenn jemand 20 Jahre im Amt sei: «Solche Schlüsselpersonen und deren Know-how braucht es. Trotzdem darf nicht untergehen, früh für eine nachhaltige Personalplanung zu sorgen.»

Junge behutsam heranführen

Dass junge Menschen nicht für ehrenamtliche Tätigkeiten zu begeistern sind, lässt der 44-jährige nicht gelten. «Manchmal lässt man sie auch einfach nicht, traut ihnen zu wenig zu oder überfordert sie.» Junge sollten schrittweise, etwa als Projektverantwortliche, an Vereinstätigkeiten herangeführt werden und so Spass am Verantwortungübernehmen bekommen. «Durch Freiwilligenarbeit kann man viel fürs Leben lernen, viel bewirken, das fördert das Selbstvertrauen», ist Philipp Moor überzeugt. Als Volunteer engagiere man sich zudem meist in einem Bereich, der einem Spass mache, «das schafft Befriedigung.»

Wertschätzung sei zentral und wichtiger Motivator für Freiwillige, besagen Studien und Moors Erfahrungen. Gibt es vom Experten für ein Merci andere Vorschläge als Leiterentschädigung oder Dankesessen? «Ein Aufsteller ist, wenn ein Vorstandsmitglied mal in eine Turnstunde geht, den Leitern die Hand schüttelt und Merci sagt», so Moor, «auch gemeinsam mit allen Leitern und Funktionären einen Event zu besuchen oder von einer bekannten Person ein Referat zu hören, stärkt das Gefühl, zusammen etwas bewegen zu können, geschätzt zu sein und an seinen Aufgaben wachsen zu können.»

35 Milliarden fürs Gemeinwohl

Rund ein Viertel der Schweizer Wohnbevölkerung über 15 Jahren engagiert sich unentgeltlich in einer Organisation. Dies zeigte ein Freiwilligen-Monitoring der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft zwischen 2014 und 2016. Die meisten sind in Sportvereinen engagiert. Zehn Prozent besetzen ein gewähltes Ehrenamt. 38 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung wirkt freiwillig ausserhalb von Vereinen. Insgesamt leisten die Menschen in der Schweiz jährlich etwa 700 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit. Bei einem Stundenlohn von 50 Franken wären das jährlich 35 Milliarden Franken. (zt)

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