Bloss nicht reinfallen

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Wir blicken nach Boswil und staunen. Gemeindeschreiber Daniel Wicki möchte kriminelle Flüchtlinge «an die Wand stellen» und ihnen «eine saubere 9mm-Impfung verpassen», sie also erschiessen. Und er wundert sich darüber, dass die Ausweise der Flüchtlinge beim «Böötlen über das Meer» verschwinden, währen ihre Handys heil bleiben. Der Gemeindeammann nimmt ihn in Schutz und meint, die Geschichte sei bereits wieder «Schnee von gestern». «Schnee von gestern»: Das ist ein gängiger rhetorischer Trick, um ein unangenehmes Traktandum vom Tisch zu wischen. Darauf sollte man lieber nicht reinfallen.

Dabei geht es gar nicht einmal so sehr um Wickis Facebook-Posts, die eines Kommentars bedürfen; sie disqualifizieren sich durch ihren Hass und Zynismus selbst. Es geht um Sätze wie: «Es ist meine persönliche Meinung. Diese haben mit meiner beruflichen Tätigkeit keinen Zusammenhang.» Es braucht schon eine gehörige Portion Unverfrorenheit, den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern von Boswil diesen Satz zuzumuten. Ein von Steuergeldern bezahlter und vom Gemeinderat gewählter Gemeindeschreiber steht mit politischen Äusserungen stets im Fokus der Öffentlichkeit – je aufgeheizter das Thema, desto grösser die Aufmerksamkeit. Man erinnere sich ans Vor-Internetzeitalter, stelle sich Folgendes vor: Ein Gemeindeschreiber stellt sich mit dem Megafon auf den Dorfplatz, zieht vom Gröbsten gegen Asylbewerber vom Leder und behauptet dann, er sei bloss als Privatperson hier. Dem Internet sei Dank verkündet Gemeindeschreiber Wicki seine Sicht aufs Flüchtlingsdossier nicht nur auf dem Dorfplatz, nein, er verkündet sie der ganzen Welt. Wicki nimmt auch Anspruch, man müsse «endlich Klartext» reden. Hat er damit ein bisschen recht? Muss man mit Klartext gegen das politisch Korrekte zu Felde ziehen? Vielleicht muss man das. Nur hat Wickis Asyl-Auftritt mit Klartext nicht viel zu tun. Seine Masche geht so: Einfach mal was ganz, ganz Grobes in die Welt setzen, sich für den grössten Mist mit treuherzigem Blick entschuldigen, dann behaupten, man dürfe aber auch gar nichts mehr sagen – und warten, bis viele applaudieren. Zeuseln heisst das. Auch darauf sollte man nicht reinfallen.

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