Luxusprobleme und Zauberkräfte

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Die Schlange vor dem Mehrzwecksaal ist lang. Wir wollen nicht an eine Multivisionshow, nicht an einen Comedyabend – die Gemeindeversammlung ruft. Letztlich finden alle einen Sitzplatz. Dass eilig noch Stühle aufgestellt werden mussten, werte ich als erstes Zeichen, dass nicht alles durchdacht ist. Mit den Traktanden hätte man mit «vollem Haus» rechnen können. Der Fussballclub soll eine neue Anlage erhalten, der Werkhof und ein Kindergarten erneuert, ein Schulhaus erweitert werden. «Meine» finanziell nicht auf Rosen gebettete Gemeinde, die zudem mit Personalsorgen kämpft, will in den nächsten Jahren 14,8 Mio. Franken investieren.

 

Dann sitze ich am Tisch mit Freunden aus dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, mich in der Jugendkommission und in Vereinen engagiere und meine Töchter bald den Kindergarten besuchen. Vor mir ein Glas Wasser und Stimmkarte Nummer 123. 244 wurden ausgehändigt. Eine schöne Kulisse für den Gemeindepräsidenten, der mit einer Viertelstunde Verspätung zur Begrüssung schreitet.

 

Es folgt eine vierstündige GV, mit einem Hauch Comedy und einer Prise schlechter Multivison. Comedy, wenn der Gemeindepräsident sagt, er würde gerne zaubern können. Dass etwas richtig und darum nicht falsch sei. Dass das Hochhalten der Stimmkarten Fitness am Abend sei. Dass er schnell sein Hirn wieder zusammensammeln müsse. Multivison versucht der Architekt, als er mit einer optisch nicht zeitgemässen Powerpointpräsentation und nicht enden wollenden Ausführungen die Bauprojekte vorstellt. Vom Fussballclub mag niemand besser Werbung zu machen für das Sportplatz-Bauvorhaben. Umso leidenschaftlicher sind die Voten zum maroden Kindergarten. Die Kindergärtler «duschen» nämlich auch. Aber nicht freiwillig wie die Fussballer in ihren veralteten Anlagen. Das «Chindsgi-Dach» rinnt. Regen tropft auch in den Gymnastikraum, wo deshalb Hütchen glitschige Stellen markieren. Dieses oder jenes Projekt priorisieren? «Bitte keinen Schlagabtausch, kein Gegeneinander-ausspielen», fleht der Gemeindepräsident und versucht ein Votanten-Chaos zu verhindern. Am Ende heisst es vorerst Nein zum Werkhof, nein zur Sportanlage.

 

Zum Schluss geht es um Luxusprobleme. Zuparkierte Strassen, die die Müllabfuhr behindern, fehlende Bänkli bei Bushaltestellen. Einer fragt, warum nur in seinem Quartier keine Weihnachtsbeleuchtung hänge. Es ist Mitternacht, als ich mich auf den Heimweg mache. In jenem Dorf, in dem ich mich gerade wegen etwas Comedy und Chaos so wohl fühle – und bestimmt mal wieder an die «Gmeind» gehe.

Und hier ist übrigens noch der neutrale Bericht zu jener Gmeind:

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