Stadtwächter-Bier: Die Stadt Aarau hat ihr eigenes Bier zurück

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Konrad, Arthur und Dagmar. © Katja Schlegel
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Vier von neun glücklichen «Stadtwächter»-Brauern: Gregor Boner, Daniel Richner, Oliver Bachmann und Marc Klemm (v.l.). © Katja Schlegel

Sie heissen Konrad, Arthur und Dagmar, sind Aarauer Stadtwächter und kosten 2.90 Franken das Stück. Die drei sind die ersten Erzeugnisse aus der «Stadtwächer»-Brauerei, die am Samstag auf dem Areal der Glockengiesserei H. Rüetschi AG am Rain erstmals ausgeschenkt und verkauft wurden – und das gerade noch rechtzeitig.

Just vor 100 Jahren ist die letzte Aarauer Sudpfanne erkaltet; die zehn Bierbrauereien, die in der Kleinstadt von damals um durstige Kehlen buhlten, hatten sich mit dem Überfluss gegenseitig den Hahn zugedreht. Eine nach der anderen wurde von nationalen Grossbrauereien übernommen – 1918 verschwand mit dem «Adlerbräu» das letzte Aarauer Bier.

Doppelt schlaflose Nächte
Für die neun Bierliebhaber hinter der Brauerei Aarau AG, die die Braukultur jetzt wieder haben aufleben lassen, war von Anfang an klar, dass dieser Steilpass der 100 Jahre aufgenommen werden sollte. Doch es wurde eng: Nicht nur, dass die Baubewilligung für das Umnutzungsgesuch lange auf sich warten liess. «Auch einige unserer Lieferanten machten es spannend», sagt Daniel Richner.

Die Lieferverspätungen bescherten den Brauern gleich doppelt schlaflose Nächte: Zum einen vor Sorge, zum andern, weil innert kürzester Zeit rund 2500 Flaschen mit Etiketten beklebt und - zu einem stattlichen Teil - zu adretten Weihnachtsgeschenk-Sets verpackt werden mussten. Aber all die Überstunden sind nun vergessen, alles Bibbern vorbei. Konrad, Arthur und Dagmar stehen stramm, aufgereiht in Reih und Glied.

Die Erleichterung bei den Bierbrauern ist mindestens so gross wie der Erwartungsdruck, der auf ihnen gelastet hat. Auf den Crowdfunding-Aufruf hin hatten sich viel mehr Unterstützer gemeldet, als gedacht. Statt der erhofften 50'000 Franken für die Infrastruktur kamen innert Rekordzeit 84'000 Franken zusammen – gesprochen von sage und schreibe 541 Spendern. «Diese Zahl hat uns umgehauen», sagt Daniel Richner. «Und sie hat uns gezeigt, wie sehr sich die Aarauer nach einem eigenen Bier gesehnt haben.»

Diesen 541 Spendern wurde nun am Samstag exklusiv die Ehre zuteil, die Biere zu probieren und natürlich zu kaufen. Und das taten sie. Bei Temperaturen, bei denen man nicht unbedingt ans Biertrinken im Freien denkt, nippten sie an den Bechern, diskutierten über Kohlesäuregehalt und Bitterkeit und erkoren ihren Favoriten.

Bildung mit Genuss
Konrad, Arthur und Dagmar sind nicht einfach Biere von hell bis dunkel, sie sind auch Geschichte. Wie bei der Firmengründung im Frühling 2018 angekündigt, steht hinter jedem «Stadtwächter» eine eigene Geschichte; in Anlehnung an die Nachtwächter, die während Jahrhunderten mit ihren Laternen durch die Gassen zogen und die Aarauer vor Gesindel und Feuer schützten.

«Mit den ‹Stadtwächtern› haben wir fiktive Figuren geschaffen, die die Geschichte Aaraus miterzählen», sagt Oliver Bachmann. So ist Konrad der listige Bote, der einer Räuberbande und den Aarauern 1283 nicht nur das Stadtrecht, sondern auch eine bierselige Freinacht bescherte, Arthur der liebestrunkene Stadtwächter, der 1367 seine Liebe in Bronze goss, und Dagmar die verschwiegene Sicherheitsverantwortliche, die 1798 Aaraus Wahl zur Hauptstadt der Helvetik miterlebt. Bildung mit Genuss und erst noch beiläufig; zu finden sind die Geschichten nicht nur als Kurzfassung auf den Etiketten, sondern ausführlich auch online.

In einem Kellergewölbe am Rain werden die «Stadtwächter» nicht nur gebraut, sondern jeden Samstag auch verkauft, und zwar exklusiv. Zwar haben schon mehrere Aarauer Beizer Interesse bekundet, die «Stadtwächter» ins Sortiment aufzunehmen, aber noch sind die Brauer nicht so weit. «Wir brauchen noch etwas Zeit und Erfahrung, um grosse Mengen in gleicher Qualität brauen zu können», sagt Daniel Richner. Aktuell wird jeden Samstag ein Doppelsud gebraut, das macht 500 Liter oder knapp 1500 Flaschen pro Woche. Sehr wahrscheinlich sei aber, dass das Bier kommenden Sommer in der «Schwanbar» verkauft wird.

Nach dem Nervenkitzel der letzten Wochen hat die neun Brauer der Ehrgeiz bereits wieder gepackt. Denn bei den drei jetzt lancierten Sorten soll es nicht bleiben. Bereits tüftelt die Gruppe an der vierten Sorte, diesmal noch eine «Stadtwächterin». Ihr Name: Irma.

Rampenverkauf jeden Samstag, 9 bis 16 Uhr, am Rain 42 (Areal Glockengiesserein H. Rüetschi AG)

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