Im Aargau werden wohl vier KV-Standorte geschlossen – wer die besten Überlebens-Chancen hat

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Das KV Aarau (im Bild Lernende an der Abschlussprüfung) wird durch die Strukturreform eher noch gestärkt. Foto: Chris Iseli

Noch hält sich die Regierung zwar bedeckt: Die Eckwerte der zukünftigen Aargauer Berufsschullandschaft und die damit verbundenen Standort- und Strukturentscheide wird der Regierungsrat erst im Frühling 2019 entscheiden und bekannt geben. Anschliessend soll der Grosse Rat die in seiner Kompetenz liegenden Entscheide fällen. Bis zum Schuljahr 2020/21 sollen die Veränderungen umgesetzt sein. Das Bildungsdepartement hat eine Hauptvariante ausgearbeitet, von der man sich die Stärkung der dualen Berufsbildung im Aargau und einen Spareffekt in Millionenhöhe erhofft.

Auch wenn der Regierungsrat sich noch nicht zum Inhalt der Hauptvariante äussern mag, steht jetzt schon fest, dass die Berufsschullandschaft heftig umgepflügt werden wird. Denn die Absicht, sowohl bei den gewerblich-industriellen wie auch bei den kaufmännischen Berufen Kompetenzzentren zu schaffen, hat weitreichende Konsequenzen für die einzelnen Standorte. Konkret: Es ist unvermeidlich, dass einzelne Berufsfachschulen geschlossen werden.

Welche Schulen betroffen sind, ist noch nicht klar, wer sich aber hinter den Kulissen etwas umhört, findet immerhin Indizien. 

Vorteil für KV Wohlen
Eine Maxime des neuen Konzeptes ist, dass jeder Beruf nur noch an maximal zwei Standorten ausgebildet werden soll. Es wird also nicht mehr möglich sein, dass zum Beispiel gleich an drei Schulen angehende Polymechaniker ausgebildet werden. Eine Ausnahme bildet das KV, das an drei Standorten weitergeführt werden soll. Für die kaufmännischen Berufsschulen ist das eine schlechte Nachricht, denn bisher gab es das KV an sieben Standorten. Mit anderen Worten: Es ist damit zu rechnen, dass vier kaufmännische Berufsschulen verschwinden werden.

Diese Ausgangslage bietet nun viel Raum für Spekulationen: Welche Schulen werden überleben? Welche KV-Standorte werden aufgegeben?

Die beiden grossen Schulen KV Handelsschule Aarau und KV Baden müssen sich keine Sorgen machen. Sie sind gesetzt. Damit sind schon zwei Plätze weg. Wer kann sich aus dem Quintett Wohlen, Rheinfelden, Zofingen, Brugg und Lenzburg den dritten Platz sichern? Eher gute Karten hat das KV in Wohlen. Denn einerseits muss Wohlen wohl diesmal die gewerblichen Berufe tatsächlich abgeben, könnte aber dafür im Gegenzug KV-Lernende aus der Region Lenzburg zugeteilt erhalten.

Das KV-Lenzburg-Reinach hat offensichtlich aus mehreren Gründen einen schweren Stand: Die Schülerzahl ist mit 470 für beide Standorte relativ klein; das Schulhaus mitten in Lenzburg hat keine eigenen Sportanlagen. Der Verlust des KV könnte mit dem Bau einer neuen Kantonsschule kompensiert werden. Gleiches gilt für das KV in Rheinfelden. Allein schon aufgrund ihrer Grösse ist es ebenfalls fraglich, ob das KV Zofingen und das KV Brugg die Reform überstehen werden.

Tendenz: Die kaufmännischen Berufsschulen in Aarau und Baden bleiben, Vorteil für Wohlen, was den dritten Standort betrifft.

Kleine müssen weiter bangen
Komplexer ist die Situation an den gewerblichen Berufsschulen. Da jeder Beruf nur noch an maximal zwei Standorten angeboten werden soll, kann man davon ausgehen, dass die grossen Berufsfachschulen eher noch gestärkt werden: Lenzburg, Aarau und Baden sind ungefährdet. Kleine Schulen müssen um ihre selbstständige Weiterexistenz bangen. Realistisch ist, dass die Schule für Gestaltung in die Berufsschule Aarau integriert und die Gewerbeschule in Wohlen aufgehoben wird. Was mit den Berufsfachschulen in Zofingen passiert, wird sich weisen; für den Weiterbestand der Berufsfachschule in Rheinfelden spricht, dass es wohl aus regionalpolitischen Gründen schwierig würde, die gleich ganze Berufsbildung aus dem Fricktal zu entfernen; da nützt auch die versprochene Kantonsschule wenig. Als ungefährdet gelten das lLndwirtschaftliche Zentrum Liebegg und die Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales in Brugg.

Ziel der Reform ist, die Berufsfachschulen als Kompetenzzentren fit für die Zukunft zu machen, auf die neuen Anforderung an die Berufsausbildung zu reagieren und den vorhandenen Schulraum besser zu nutzen. Auslöser des Vorhabens waren finanzielle Überlegungen: Der Regierungsrat hat ein maximales Sparpotenzial von sechs Millionen Franken pro Jahr errechnet.

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