Weihnachten 1968: Vom Mond aus entdeckten sie die Erde

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Die Erde geht über der tristen, furchteinflössenden Mondoberfläche auf. Nasa

Countdown. Eine Saturn-V-Rakete hebt ab. Fernsehbilder, die man nie vergisst, wie speziell auch jene, die Apollo 8 geliefert hat.

Dezember 1968 – 65 Jahre nach dem ersten Hüpfer eines Motorflugzeugs und nur 7 Jahre nach dem ersten Flug eines Kosmonauten in den Erdorbit – umkreisen drei Amerikaner den Mond. Menschen sehen erstmals mit ihren eigenen Augen dessen Rückseite. Die Astronauten heissen William Anders, James Lovell und Frank Borman. Mehr als die graue Mondoberfläche fasziniert die drei Amerikaner der Anblick der Erde. So sagte Borman nach einer ersten Mondumrundung – als das Raumschiff aus dem Schatten des Monds flog: «Seht euch dieses Bild an! Hier geht die Erde auf. Wow, ist das schön!» Der Mond? «Eine einsame Ausdehnung von Nichts». Dann Lovells Funkspruch: «Die Einsamkeit des Mondes hier oben ist furchteinflössend, und sie lässt einen erst begreifen, was ihr zu Hause auf der Erde wirklich habt.»

25. Dezember – Weihnachtstag: «Für alle Menschen unten auf der Erde hat die Besatzung der Apollo 8 eine Botschaft», sagt Anders ins Mikrofon. «Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer ... and God divided the light from the darkness.» Danach Lovell: «And God called the light Day, and the darkness he called Night ...» Schliesslich Borman, nachdem er den Rest der Schöpfungsgeschichte rezitiert hat: «From the crew of Apollo 8, we close with good night, good luck, a Merry Christmas and God bless all of you – all of you on the good Earth.»

Weshalb flogen Menschen zum Mond? Weil sie wissbegierig sind und, wie John F. Kennedy 1961 es in seinem Auftrag an die Nasa sagte: «Kein anderes Projekt wird eindrucksvoller sein. Kein anderes wird aber auch so schwierig und so kostspielig sein.» In der Tat, Kennedy kam es nicht auf die Erforschung des Weltraums an. Das teuerste zivile Projekt, das die Menschheit jemals in Angriff nahm und auch vollendete, sollte vor allem einem dienen: dem Prestige – nicht nur der USA, sondern des freien Westens. Dessen Überlegenheit gegenüber dem Kommunismus will man unter Beweis stellen. In der Disziplin der Raumfahrt sah es nach dem Gegenteil aus. Die USA waren damals im Wettstreit abgehängt.

Dezember 1968. Die meisten Probleme mit Blick auf eine Mondlandung sind gelöst. In Cape Canaveral steht erstmals die 111 Meter hohe Saturn-V-Rakete zu einem bemannten Flug – einer Umrundung des Monds – bereit. Anders als beim Start kleinerer Raketen hob die Saturn V nach dem Countdown nicht sofort ab. Mächtige Klammern hielten das feuerspeiende und brüllende Aggregat nach der Zündung fest – so muss man sich Dantes Inferno vorstellen. «Six when start», sagte der Sprecher und zählt hoch, während die gefesselte Rakete Schub aufbaut.

Dann ist es so weit. 13 Tonnen Treibstoff werden pro Sekunde verbrannt, 180 Millionen Pferdestärken mobilisiert. Zentimeter für Zentimeter kämpft die 3000 Tonnen schwere Rakete gegen die Gravitation der Erde an – wird schneller und schneller. Nach 2 Minuten und 36 Sekunden ist die erste Stufe ausgebrannt. Die zweite Stufe zündet. Stufe drei ist es schliesslich, welche die Kapsel auf ein Tempo von 7,8 Meter pro Sekunde katapultiert. 7,8 m/s müssen es sein, um eine Erdumlaufbahn zu erreichen – anschliessend sind 11,2 m/s gefragt, um die Gravitation der Erde verlassen zu können.

Der Aargau im All

Was nur Wenige wissen: Mit den Apollo-Missionen flog jeweils ein Stück Aargau ins All. Gemeint ist eine Kamera, welche Kern Aarau für die Nasa gebaut hat. Nein, nicht jene, mit der die beeindruckenden Bilder geschossen wurden – das waren Hasselblad aus Schweden. Kern war mit seiner Kamera für Aufnahmen innerhalb der Kapseln zuständig.

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