Die regionale Spitex ist in den Startlöchern

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Der Hauptsitz der regionalisierten Spitex Region Zofingen ist Vordemwald. Im ehemaligen Raiffeisen-Gebäude wird das obere Stockwerk bezogen. (Bild: Emiliana Salvisberg)

Trutzig wie eine Festung steht das ehemalige Gebäude der Raiffeisenbank in Vordemwald da. Vereinzelt steuern Kunden den modernen, leeren Betonbau an, um Geld am Bancomaten abzuheben. Ansonsten ist es ruhig auf dem Platz, auf dem auch das Gemeindehaus steht. Etwas mehr Bewegung gibt es ab 1. Januar 2019 – im oberen Stockwerk des leeren Bankgebäudes. Hier ist der Hauptsitz der neu gegründeten Spitex Region Zofingen AG. Wie schon andere Spitex-Vereine im Aargau haben sich die öffentlichen Spitex-Organisationen Brittnau, Murgenthal, Oftringen, Rothrist, Strengelbach, Vordemwald und Zofingen zu einer regionalen, gemeinnützigen, nicht gewinnorientierten Aktiengesellschaft zusammengeschlossen.

«Das neue Logo ist noch nicht angebracht, aber Tische und Stühle hat die neue Spitex schon, da dieses Mobiliar von der Bank übernommen werden konnte», erklärt Markus Wüthrich. Der 47-jährige Murgenthaler Gemeinderat ist seit einem Jahr Präsident der Steuerungsgruppe Koordination Pflegegesetz des Regionalverbands zofingenregio. Diese setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Exekutiven der Gemeinden zusammen und hat mit den Spitex-Vereinen die Fusion ausgearbeitet. «Der Kanton ist unser Auftraggeber und verlangt eine Koordination in der Planung von Pflegeheimen und Spitex-Leistungen», sagt Wüthrich und fährt fort: «Wir haben auch künftig viel zu tun, den die Gesellschaft wird immer älter und es gilt, die Gesundheitskosten im Griff zu behalten.»

Steiniger Weg zur Fusion

Im Jahr 2040 werden in der Region fast zweieinhalbmal so viele 80-Jährige und ältere Menschen wie heute leben. «Diese Entwicklung verlangt nach zeitgemässen Organisationsstrukturen und Abläufen, deshalb braucht es regionalisierte Spitex-Organisationen», sagt Wüthrich und betont: «Es ist der einzig richtige Weg.» Sieben der acht Gemeinden liessen die Stimmberechtigten im letzten Jahr über die Fusion befinden. Nicht so Aarburg. Der Gemeinderat scherte früh aus. Mit dem Argument, Kosten zu sparen, spannte er nach der Kündigung der Leistungsvereinbarung mit der öffentlichen Spitex Aarburg mit der privat-gemeinnützigen Spitex Lindenpark des «Lindenhofs Oftringen» zusammen. Einen eigenen Weg wollte auch Strengelbach gehen. An der Gemeindeversammlung im Herbst 2017 stimmte der Souverän gegen den Beitritt und hiess stattdessen das Modell des Seniorenzentrums Hardmatt gut. Bei einer darauf folgenden Urnenabstimmung schickte er das Modell wieder bachab. An der diesjährigen Gemeindeversammlung im Juni gab es in Strengelbach schliesslich grünes Licht.

«Dass der Zusammenschluss so harzig verläuft, habe ich nicht erwartet», gesteht Markus Wüthrich ein und betont: «Die Arbeit hat sich gelohnt, denn die Anforderungen wie in den Bereichen Qualitätsmanagement, finanzielle Führung oder Ausbildungsverpflichtung steigen und kleine Spitex-Vereine stossen oft an ihre Grenzen.» Je nach Leistungsvertrag muss die Spitex ihre Dienstleistungen erweitern und praktisch rund um die Uhr anbieten. Zudem sind Angebote wie Kinder-, Psychiatrie-, Palliativ- und Onkologie-Spitex gefragt. Dass es gemeinsam effizienter geht, zeigen gemäss Wüthrich schon seit Jahren die Spitex Fricktal AG, die Spitex Region Brugg AG und die Spitex Suhrental Plus, die für 17 Gemeinden im Suhren-, Uerken- und Ruedertal zuständig ist, auf.

Fünfköpfiger Verwaltungsrat

Ein Jahr als Vorbereitungsphase für die neue Spitex-Organisation scheint lang. Doch Wüthrich entgegnet, das sei «extrem sportlich». So galt es für die Steuerungsgruppe Verwaltungsräte zu finden, die die erforderlichen Kompetenzbereiche Gesundheitswesen, Finanzen, Recht, Personalführung, Unternehmensführung, Politik sowie Marketing und Kommunikation optimal besetzen. 93 Personen bewarben sich für einen der fünf VR-Sitze. Besetzt sind sie mit: Karin Berglas (Vordemwald); Patricia Buholzer (Zofingen); Yvonne Müller (Lohn-Ammannsegg); Philippe Scheuzger (Baden) und Christian Reize (Wettingen). Letzterer, seines Zeichens CEO der Spital Zofingen AG, wurde gleichzeitig zum VR-Präsidenten ernannt. Wüthrich sieht in der Doppelrolle keinen Interessenskonflikt, sondern freut sich über die Besetzung mit einem «absoluten Experten aus dem Gesundheitsbereich».

Dreiköpfige Geschäftsleitung

Zusammengestellt ist auch die Geschäftsleitung. Aus 30 Bewerbungen hat der Verwaltungsrat Walter Hungerbühler gewählt. Der 57-Jährige leitet seit vier Jahren die Spitex Zofingen-Mühlethal und agiert seit Oktober in einem 30-Prozent-Pensum für die neue Spitex-Organisation. Hungerbühler hat sein neues Team zusammengestellt. Pflegeverantwortliche ist Michaela Strub, die bisherige Leiterin der Spitex Rothrist. Leiterin Spezialdienste ist Agnes Richter von der Spitex Oftringen.

Entlassungen, so Markus Wüthrich, gebe es nicht. «Schön ist, dass uns alle 100 Mitarbeiter treu geblieben sind.» Wüthrich sieht für alle Beteiligten nur Vorteile. «Unsere gut ausgebildeten Pflegefachleute müssen nicht mehr die administrative Arbeit machen, sondern sie können sich ihrem Fachgebiet, der Patientenbetreuung, widmen und davon profitieren vor allem die Klienten.» Wüthrich betont, dass die neue Organisation kein Sparprojekt sei, sondern es vielmehr darum gehe, sich den neuen Herausforderungen in der ambulanten Pflege zu stellen. Selbstverständlich gehe es auch darum, die Kosten pro geleistete Stunde zu reduzieren, weil sich diese auf die Gemeindeausgaben und die Restkosten auswirken. «Alle Spitex-Stützpunkte bleiben bestehen, denn die Mitarbeitenden müssen möglichst nah beim Klienten stationiert sein, damit die Wegzeiten kurz sind.» Andernfalls sinke die Effizienz.

So findet die Reorganisation vor allem im administrativen Bereich statt. Von der Administration über die Informatik bis zur Buchhaltung und Personalführung gilt es, alles schrittweise im ersten Quartal zusammenzuführen. «All dies musste jede Spitex bislang für sich lösen», gibt Markus Wüthrich zu bedenken. Das brauche Zeit, wie die Auflösung der einzelnen Spitex-Vereine. Im neuen Jahr dürften die Generalversammlungen auch für die Mitglieder denkwürdig sein, denn es sind die letzten in dieser Form.

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