Skiclub Bottenwil: «Zofingen hat den Skilift verkauft, diesen Fehler machen wir nicht»

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Es ist Ende Jahr, die Temperaturen sind herbstlich und in der Region ist nirgends Schnee in Sicht. Was bedeutet das für Ihren Verein?
Ruedi Zingg (Skiclub Bottenwil): Es ist nicht gross anders als in den Jahren zuvor. Der Skiclub Bottenwil wird ja nur aktiv, wenn er den Skilift betreiben kann, denn andere Aktivitäten haben wir nicht.

Beat Buchwalder (Loipe Kalthof-Wiliberg): Kein Schnee bedeutet keine Loipe, keine Loipe bedeutet keine Einnahmen, keine Loipe und keine Einnahmen bedeuten keinen Spass für niemanden.

Schon der letzte Winter war nicht berauschend. Die Loipe auf dem «Chalt» war nur vier Tage offen, der Skilift Bottenwil überhaupt nicht. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Zingg: Da der Aufwand zum Aufbau und zur Bereitstellung des Skilifts von relativ kurzer Dauer ist, ist auch der Frust nicht allzu gross, wenn der Schnee ausbleibt.

Buchwalder: Wer eine Loipe im Unterland betreibt, der weiss, dass es entweder eine kurze Saison oder gar keine gibt. Wir sind uns schlechte Saisons gewohnt, freuen uns umso mehr, wenn es dann Schnee gibt.

Wann erlebten Sie zum letzten Mal solch schlechte Bedingungen?
Zingg: In den letzten elf Saisons gab es nur ein Jahr (2018), in dem der Skilift nie in Betrieb war, zuvor war er immer zwischen 1 und 17 Tagen (2009) offen.

Buchwalder: (schaut in der Statistik) Drei und mehr Saisons ohne Schnee gab es auch schon, doch das war vor mehr als zehn Jahren. In den letzten zwei Saisons hatte es auch wenig Schnee, doch wir konnten immerhin einige Tage einen Loipenbetrieb aufziehen. Wenn das so weitergeht, verlernen wir noch das Loipenpräparieren (lacht).

Lohnt es sich, für nur drei bis vier Tage eine Loipe zu präparieren oder nur für wenige Stunden den Skilift in Betrieb zu nehmen?
Zingg: Ja, natürlich. Wenn man Kindern damit eine Freude machen kann, lohnt es sich immer.

Buchwalder: Ja, klar. Die Langläufer in der Region schätzen es, wenn wir eine Loipe anbieten. Dann kommen einige sogar in der Nacht und laufen mit Stirnlampen.

Wie sieht ein richtig toller Winter für Sie und Ihren Verein aus?
Zingg: Die beste Saison, seit der Skilift im Graben in Bottenwil steht, fand 2005/06 statt, da hatten wir 35 Betriebstage, das ist Rekord. Da stiessen wir mit unserer Freiwilligenorganisation aber an Grenzen. Ideal sind Jahre mit sieben bis zehn Betriebstagen, da helfen alle gerne mit und der Aufwand bleibt überschaubar.

Buchwalder: Ideal ist es, wenn es früh schneit, der Schnee liegen bleibt und es regelmässig wieder einige Zentimeter Neuschnee gibt. Das war zuletzt in der Saison 2012/13 der Fall, als wir erstmals ein Rennen durchgeführt haben und wir die Loipe während rund vier Wochen betreiben konnten.

Wie viele Personen kommen an einem guten Tag auf die Piste oder die Loipe?
Zingg: Der Rekord liegt bei über 300 Personen. Dann stehen sie meist länger an, als wenn sie hochlaufen würden. (lacht).

Buchwalder: Der Rekord stammt aus dem Januar 2017. Da waren über 260 Leute auf der Loipe. Das motiviert und entschädigt für die vielen Stunden, die man auf dem Töff oder im Pistenbully sitzt und Loipen präpariert.

Egal, wie der Winter wird, Sie und Ihre Mitglieder tätigen Vorbereitungsarbeiten. Wann beginnen diese und wie sehen sie aus?
Zingg: Der Landwirt sagt uns, wann wir jeweils das Seil für den Skilift spannen und den Bock stellen können. Das dauert maximal einen halben Tag und erfolgt meist Ende November. In diesem Jahr haben die beiden Bauern das Seil autonom gespannt und ich wurde erst informiert, als die Arbeiten schon getätigt waren. Diese Unterstützung von vielen Seiten macht Freude.

Buchwalder: Mitte Sommer bestellen wir jeweils Absperrmaterial und wenn nötig neue Beschilderungen. Im Herbst finden die Gespräche mit den Landbesitzern statt, die danach schauen, dass die Felder so bestellt sind, dass wir eine gute Loipe ziehen können. Im November werden jeweils die Loipen ausgesteckt und die diversen Tafeln gestellt.

Sie beide haben Schneetöffs und der Loipenverein gar noch ein Raupenfahrzeug, wie finanzieren Sie den Unterhalt in einem schneelosen Winter?
Zingg: Der Skiclub hat viele Freunde und stille Helfer, die dafür sorgen, dass alles funktioniert. Die einen sorgen sich um die beiden Schneetöff, andere um den Skilift und wieder andere, dass das Land bereit ist. Im Dorf sind viele Teil des Skiclubs, auch wenn sie gar nicht Mitglied sind.

Buchwalder: Seit 2015 sind wir Mitglied von Loipen Schweiz und können nationale Saisonkarten verkaufen, von denen ein Teil in unsere Kasse fliesst. Das entlastet unser Budget sehr. Dazu kommen noch die Beiträge unserer Vereinsmitglieder.

Welche Fixkosten haben Sie pro Saison?
Zingg: Zwischen 1000 und 1500 Franken. Diese Kosten können wir decken, auch wenn der Skilift eine Saison lang nicht läuft.

Buchwalder: Der Unterhalt der Maschinen und der Material- und Maschinenzelte, aber auch die anfallenden Abgaben belaufen sich pro Jahr auf rund 3000 bis 4000 Franken. Wenn ein Schneetöff ausfällt, kann es schnell viel mehr werden.

Die Saisonkarte auf dem «Chalt» kostet 15 Franken, eine Tageskarte für Erwachsene 10 Franken (Kinder 5 Franken). Damit wird man nicht reich. Wie generieren Sie sonst noch Einnahmen?
Zingg: Die Leute im Dorf und in der Region tragen den Skilift und die Organisation mit. Sie zeigen uns das, indem sie uns mit Dienstleistungen unterstützen. Plötzlich sind einige Kuchen da, wenn der Skiliftbetrieb startet, jemand transportiert die Ausrüstungen der Schulkinder in den Graben, damit sie auf ihrem Hausberg skifahren können. Das ist sehr motivierend.

Buchwalder: Die 15 Franken sind mehr ein Gönnerbeitrag, damit kommen wir nicht weit. Zum Glück unterstützt uns der Swisslos-Fonds mit einem Beitrag pro Loipentag und die Mitgliedschaft bei Loipen Schweiz verschafft uns eine tolle neue Einnahmequelle.

Wenn möglich organisieren beide Vereine jeweils ein Ski- oder Langlaufrennen pro Saison. Was umfasst Ihr Jahresprogramm sonst noch?
Zingg: Nichts. Sinn und Zweck des Vereins ist das Betreiben des Skilifts. Dazu kommt noch eine GV, die gleichzeitig auch ein Helferfest ist.

Buchwalder: Das Ziel des Vereins ist ja das Betreiben einer Loipe, aus diesem Grund haben wir daneben keine grossen Aktivitäten. Wir organisieren nach den Sommerferien für die Landbesitzer und unsere Mitglieder einen gemeinsamen Waldhaus-Höck als Dank für die Unterstützung und Mithilfe, und dann gibt es noch die jährliche GV. Im Winter werden unsere Mitglieder noch als Parkplatzeinweiser, Loipenpassverkäufer oder Kioskverkäufer eingespannt.

In beiden Vereinen wird viel ehrenamtliche Arbeit geleistet, in beiden Vereinen ist das Gros der Mitglieder schon älter. Gibt es eine Zukunft für Ihre beiden Vereine?
Zingg: Ich denke schon, denn wir versuchen Familien in den Club einzubinden, deren Kinder vom Skilift profitieren. Das gibt dann eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Buchwalder: Wenn der Schnee nun einige Jahre ausbleiben würde, dann wäre die Zukunft des Vereins sicherlich gefährdet. Doch es wird wieder Schnee geben, davon bin ich überzeugt.

Stand die Auflösung des Vereins auch schon zur Debatte?
Zingg: Nein. Unser Verein entstand 1996 aus der Skilift-Genossenschaft heraus, die 1986 gegründet wurde. Diese kaufte der ehemaligen Besitzerfamilie Wüthrich (Bottenstein) den Skilift ab. Finanziert wurde die Genossenschaft durch den Verkauf von Anteilscheinen à 100 Franken.

Buchwalder: Bis jetzt nicht, zum Glück.

Technischer Schnee aus der Schneekanone wird immer mehr zum Thema. Auch in Ihrem Verein?Zingg: (lacht) Ja natürlich. Vor einigen Jahren war ein begeisterter Fan unseres Skilifts bereit, uns eine Schneekanone zu kaufen. Das tönte zwar verlockend, doch die benötigte Infrastruktur mit Wasserspeicher, Stromzufuhr und einem Fahrzeug, das den Schnee verteilen kann, waren viel zu kostspielig.

Buchwalder: Ja, das wird immer wieder Mal diskutiert. Mal zum Spass, mal etwas ernsthafter. Aber bis jetzt haben wir Aufwand und Ertrag noch nie wirklich durchgerechnet. Wir hoffen immer noch auf richtigen Schnee.

Wo sehen Sie das grösste Problem bei einer Beschneiungsanlage in Ihrem Gebiet?
Buchwalder: Ich denke beim Verteilen des Schnees, denn dieser Aufwand darf nicht unterschätzt werden, zumal wir alles ehrenamtlich machen. Dazu fehlen uns die langen, kalten Phasen, in denen sich eine Schneeproduktion überhaupt lohnen würde.

Eine Kanone alleine reicht ja nicht weit?
Buchwalder: Ja, das ist so. Ich denke, wir würden zwei benötigen. Damit liesse sich genügend Schnee für eine ansprechende Rundstrecke produzieren. Das Problem des Verteilens ist aber auch mit zwei Kanonen noch nicht gelöst …

Dann kommen ja noch die Finanzen dazu.
Buchwalder: (winkt ab) davon sprechen wir lieber nicht ...

Könnten Sie persönlich hinter einem Schneekanonen-Projekt stehen, wenn es für Ihren Verein technisch und finanziell möglich wäre?
Zingg: Nein, überhaupt nicht. Schneekanonen kommen für mich nicht in Frage.

Buchwalder: Wenn Aufwand und Ertrag überschaubar sind und die Mehrheit des Vereins das möchte, dann könnte ich als Präsident auch dahinterstehen. Ich persönlich werde aber kein Schneekanonen-Projekt auf unserer Loipe lancieren.

Was passiert mit der Loipe oder dem Skilift, wenn es in den nächsten fünf Wintern keinen Schnee mehr gibt?
Zingg: Nicht viel. Das grösste Problem wäre wohl, den Vorstand zusammenzuhalten, damit sich der Verein nicht auflöst. Ich denke, unser Klub würde auch fünf schneelose Jahre überstehen. Wir haben Zeit, nicht wie die Stadt Zofingen damals, die in einer Nacht- und Nebelaktion den Skilift ins Ausland verkaufte und prompt mit einem Rekordwinter dafür «bestraft» wurde.

Buchwalder: Dann müssten wir im Vorstand bestimmt über die Bücher, denn das Pistenfahrzeug und die Schneetöff erleiden Standschäden, wenn sie nie richtig gebraucht werden. Daran wollen wir aber noch nicht denken.

Denken wir positiv: Wann wären Ihre Loipe oder der Skilift bereit, wenn es nun über Nacht 30 cm Schnee gibt?
Zingg: Innerhalb eines halben Tages sind wir bereit. Wir müssen nur noch die Bügel montieren, die Piste walzen und das Skilift-Hüttli einrichten, und dann kann es losgehen.

Buchwalder: Wir wären nach rund dreieinhalb Stunden mit dem Präparieren der sieben Kilometer langen Loipe fertig.

Wenn der Schnee in unserer Region ausbleibt, wo gehen Sie persönlich auf die Ski oder die Langlaufski?
Zingg: Nirgends. Ich fahre nur noch im Graben Ski, ansonsten lass ich es bleiben. Wir sind aber gerne mit den Schneeschuhen unterwegs, etwas abseits des Rummels. Ich würde aber gerne wieder einmal Langlaufen gehen. Aber auf dem «Chalt» hat es ja auch keinen Schnee.

Buchwalder: Noch nicht (lacht). Wir fahren gerne in den Jura, nach Les Breuleux in den Freibergen, dort hat es ein wunderbares Loipennetz.

Ruedi Zingg (53) ist in Bottenwil aufgewachsen, wo er auch die Schulen besuchte. Er lernte Schreiner und ist seit über 20 Jahren selbstständig. Ruedi und seine Frau Ella sind seit 22 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder (21/17). Er war Mitglied des Turnvereins Bottenwil, wo er auch Faustball spielte. Zum Skifahren kam er vor der Haustüre und später im «Graben», wo der Skilift steht. Seit 2005 ist er im Skiclub Bottenwil, wo er als Rennchef einstieg und nun seit rund zehn Jahren als Präsident amtet. Während vielen Jahren war er auch Präsident des Schwimmbadvereins Bottenwil und wurde von seinen Freunden deshalb auch «Kurdirektor» genannt. Dieses Amt hat er diesen Frühling abgegeben.

Skiclub Bottenwil: Die Geschichte des Bottenwiler Skilifts geht ins Jahr 1972 zurück. Die Familie Wüthrich (Bottenstein) war Besitzer des Skilifts, der ab 1976 im Graben stationiert wurde. Zehn Jahre später übernahm die frisch gegründete Skilift-Genossenschaft das Zepter und kaufte der Familie den Lift ab. Zwei Jahre später wurde das Skilifthäuschen aufgerichtet und das erste Skirennen ausgetragen. Am 8. Mai 1996 wurde der Skiclub Bottenwil gegründet. Laut Statuten bezweckt der Club die Förderung des Skisports und den Betrieb eines Skilifts, vorwiegend für die Jugend im Uerkental. Der Skilift ist 230 Meter lang und befördert rund 600 Personen pro Stunde. Der höchste Punkt des Skigebiets liegt auf 595 Metern über Meer. Der Verein hat aktuell rund 80 Mitglieder. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte des Skiclubs Bottenwil war das 6. Skirennen im Jahr 2005, an dem 130 Teilnehmer starteten und ein riesiges Volksfest im Graben Bottenwil stattfand. www.skiclub-bottenwil.ch

Beat Buchwalder (63) ist in Rothrist aufgewachsen, wo er auch die Schulen besuchte. Er lernte Hochbauzeichner und absolvierte später die Bauleiterschule. Er ist seit bald 40 Jahren mit seiner Frau Doris verheiratet. Das Paar hat drei erwachsene Kinder und drei Grosskinder und wohnt seit 28 Jahren auf dem Wiliberg. Sportlich begann Beat Buchwalder im Alter von 13 Jahren mit OL, einige Jahre später wechselte er in den Radsport, wo er es bis zum Elite-Amateur brachte und ein regelmässiger Top-Zwanzig-Fahrer war. Schon als Knabe war er im Winter auf den Langlaufski unterwegs. Über einen Verwandten wurde er auf den LLV Kalthof-Wiliberg aufmerksam. Dort ist er nun seit fünf Jahren Präsident und seit zehn Jahren auch Loipenfahrer. In seiner Freizeit ist er viel mit dem Rennvelo und dem Bike unterwegs und im Winter gerne auf den Langlaufski.

LLV Kalthof-Wiliberg: Der Verein Kalthof-Loipe wurde 1983 von 30 Langlauf-Enthusiasten gegründete und zählt heute über 100 Mitglieder. Seit 2013 heisst der Club Langlaufverein Kalthof-Wiliberg. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Langlauffreunden der Region eine professionell präparierte Loipe auf dem Wiliberg zur Verfügung zu stellen. Der höchste Punkt der Loipe liegt auf 685 Meter über Meer. Der Einstieg in die rund 7 Kilometer lange Loipe (Skating und Klassisch) erfolgt beim ehemaligen Restaurant Kalthof ob Staffelbach, wo es auch genügend Parkplätze und Toiletten hat. Seit 2015 gehört der LLV Kalthof-Wiliberg auch dem nationalen Verband von Loipen Schweiz an. 2019 organisiert der Verein die nationale Delegiertenversammlung in Staffelbach. www.loipe-kalthof-wiliberg.ch

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