Motion überreicht: Zofingen wehrt sich für seine Berufsfachschule

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Dicke Post für Bildungsdirektor Alex Hürzeler: Herbert H. Scholl (FDP) überreicht ihm die Motion der Zofinger Grossrätinnen und -räte, in welcher sie sich – gestützt auf ein umfassendes Argumentarium – für ihre Berufsfachschule zur Wehr setzen. bkr

Er habe die Absicht – schrieb der Regierungsrat unmittelbar vor Weihnachten – «sowohl für die gewerblich-industriellen wie auch für die kaufmännischen Berufe Kompetenzzentren zu schaffen, damit die Berufsbildung für die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist». Das liest sich auf den ersten Blick gut – heisst aber in Tat und Wahrheit: Bildungsdirektor Alex Hürzeler will aus Spargründen Berufsfachschulen schliessen oder der einen oder anderen einen Ausbildungszweig abzwacken.

Bei der Freisinnigen Zofinger Grossrätin Sabina Freiermuth – sie ist Mitglied der Bildungskommission – wich das Weihnachtsglöcklein der Alarmsirene. Die Recherchen von Freiermuth und ihres Partei- und Ratskollegen Herbert H. Scholl ergaben rasch, dass Zofingen auf der departementsinternen Streichliste zu finden ist. Konkret stehen das KV und der Bereich Maschinenbau zur Disposition. Auch soll es in Zofingen nicht mehr möglich sein, den Weg der Berufsmatur zu beschreiten.

Schulterschluss der Region

Umgehend folgten in Zofingen Treffen zwischen Wirtschaft, Schule und Politik. Das Resultat ist eine Motion von besonderer Qualität. Da ist zum einen der Umfang von neun Seiten sowie ein Argumentarium, mit einer fachlichen Tiefe, an welcher die Bildungsverwaltung arg zu kauen haben dürfte. Zum anderen aussergewöhnlich: Alle Grossratsmitglieder des Bezirks überspringen Parteigrenzen und stehen hinter der Motion.

In der Begründung, weshalb die Regierung bei ihrem Sparprogramm nicht in Zofingen den Rasenmäher ansetzen darf, verweisen die Motionäre speziell auf die Einzigartigkeit des Bildungszentrums Zofingen. Dieses ist ein Campus mit Berufsfach- und Kantonsschule sowie einer höheren Fachschule (Inovatech), welche Lehrabgängern im Bereich der Maschinenbauberufe Anschlusslösungen bietet. Das Sparpotenzial, wenn man Zofingen Berufsmatur, KV und Maschinenbau wegnimmt, dürfte zwar gegeben sein, aber nicht berauschend ausfallen – volkswirtschaftlich längerfristig vernachlässigbar. Ein Beispiel: 40 Prozent der Polymechanik-Lernenden haben ihren Lehrbetrieb im engeren Radius rund um die Schule. Sie müssten künftig nach Lenzburg. Mit den Verbindungen der Nationalbahnline keine Sache? Der Bahnhof lieg am westlichen Lenzburger Stadtende – die Berufsschule weit im Osten beim Autobahnanschluss. Flöten ginge zudem der unkomplizierte und enge Kontakt zwischen Schule und Lehrbetrieb, wie er aktuell in Zofingen besteht.

Auch Investitionen gingen verloren. Die Berufsfachschule Zofingen verfügt über modernste Unterrichtseinrichtungen. So wurden Investitionen im Bereich Robotik (für Fachleute neun MPS-Stationen mit drei Robotern und modernster SPS-Steuerung) von über 500 000 Franken getätigt. Diesen Maschinenpark brachliegen lassen?

Bildung 4.0 ist Realität

Die Motionäre stellen an diesem Beispiel fest, dass «Zofingen» bei der Industrie 4.0, respektive Bildung 4.0 längst die Rolle eines Kompetenzzentrums mit Ausstrahlung erfüllt. Und seit August 2018 ist zudem ein «Convertible» (ein Tablet-Computer) für alle Neueintretenden mit einer Berufsausbildung, die zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis führt, obligatorisch. Lernen wird so interaktiv und sogar jederzeit auch auf dem Smartphone möglich. Mit diesem Schritt ist «Zofingen» vielen anderen Berufsschulen um einen Sprung voraus – macht 4.0 auch für KV-Lernende zu einem Thema, dem nicht ausgewichen werden kann.

In der Berufsbildung sei heute der Begriff «Polyvalenz» zentral, schreiben die Motionäre. Gemeint sind breit gefächerte Einsatzmöglichkeiten der künftigen Berufsleute. Dem widersprächen die Ziele der Regierung mit ihren «Monokulturen» im Bereich der künftigen KV-Standorte. «Polyvalenz spricht für gemischte Schulen, wie das an der Berufsfachschule Zofingen der Fall ist – KV gemischt mit Gewerbe und Industrie.» Und was ist 2040? Laut Prognose des Regierungsrats steigt die Zahl der Lernenden bis dahin kontinuierlich an und erreicht 20 Prozent Wachstum. Zusätzliche Neubauten in Aarau, Baden und Lenzburg angesichts leerer Räume in Zofingen? Ist das langfristig gedacht?

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