Ein kaum sichtbares Bauwerk, das an eine Brücke erinnert: Eniwa will Türmli für neues Kraftwerk opfern

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Kaum mehr zu sehen: Das von der Eniwa geplante neue Wasserkraftwerk westlich der Kettenbrücke (zVg)
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Das bestehende Wasserkraftwerk ist sanierungsbedürftig (zVg)
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Archivbild AZ

Die Experten stufen seine Schutzwürdigkeit als nicht hoch ein. Aber für weite Kreise der Bevölkerung gehört das Wasserkraftwerk mit seinem markanten Türmli zum Stadtbild – wie etwa die Stadtkirche. Jetzt soll der Gebäudekomplex abgebrochen und durch ein so genanntes Deckelkraftwerk abgelöst werden. Ein kaum sichtbares Bauwerk, das am ehesten an eine tiefgelegte Brücke erinnert. Das neue Kraftwerk wird über 20 Prozent mehr Strom produzieren. Gemäss Terminplan wird es bereits 2024 in Betrieb gehen. Die Eniwa will insgesamt 130 Millionen Franken in die Neugestaltung des Aareraums investieren. Ganz entfernt werden soll dabei der bei Spaziergängern sehr beliebte Mitteldamm zwischen den Kanälen.

Weil sich die neuen Pläne vom bisherigen «Projekt 2013» fundamental unterscheiden, muss nochmals ein komplett neues Bewilligungsverfahren durchgeführt werden. Es beginnt mit dem raumplanerischen Teil: Das entsprechende Mitwirkungsverfahren läuft ab morgen (siehe kontextuellen Artikel).

Bisher durchsichtiges Gebäude

Die Ausgangslage: Im Frühling 2017 hat das Verwaltungsgericht eine Beschwerde der Umweltverbände («geschnetzelte Fische») abgewiesen. Seither ist die Eniwa im Besitz einer rechtsgültigen Baubewilligung für die Realisierung des «Projektes 2013». Dieses sah ein etappenweises Vorgehen vor. Geplant war die Erhaltung des Türmchens bis mindestens 2035 (dem frühestens Zeitpunkt des Beginns der 2. Etappe). In einer ersten Etappe sollte im nördlichen Aare-Teil eine neue, durchsichtige Turbinenhalle entstehen. Die Gesamtkosten (beide Etappen) wurden mit 150 Millionen Franken beziffert.

40 Mio. Fr. Subventionen nötig

Seit der Erarbeitung des «Projektes 2013» hätten sich der Strommarkt (Preiszerfall), die Währungssituation (starker Franken) und die regulatorischen Vorgaben «grundlegend verändert», schreibt die Eniwa. Das heisst, das ursprüngliche Kraftwerk hätte viel zu teuren Strom produziert.

Sparen war angesagt: Die Eniwa spricht von einer Weiterentwicklung und Optimierung. Neu gibt es nur noch eine Etappe, die Kosten sinken auf 130 Millionen Franken (Berechnung auf Stufe Vorprojekt). Der Strom soll für etwa 6,5 Rappen pro Kilowattstunde produziert werden können. Das ist vergleichsweise immer noch sehr viel. In einem vollständig liberalisierten Strommarkt, in dem auch Kleinkunden ihren Lieferanten wählen können, ist solcher Strom nur mit dem Argument «besonders umweltfreundlich» absetzbar. Die 6,5 Rappen sind nur möglich, wenn der Bund 40 Millionen Franken Subventionen beisteuert, wie das die Eniwa erwartet. Dies unter den Titeln Unterstützung von grossen Wasserkraftwerken, Verbesserung der Fischgängigkeit und Bau von Dotierkraftwerken.

Mitteldamm kommt neu ganz weg 

Dank des neuen Kraftwerkes mit seinen drei Rohrturbinen kann die Stromproduktion um über 20 Prozent gesteigert werden – bei gleichzeitiger Verdoppelung des Restwassers im Aare-Altlauf. Das ist allerdings nur möglich, wenn der Mitteldamm zwischen den beiden bestehenden Kanälen vollständig entfernt wird. Gemäss «Projekt 2013» sollten 850 Meter bleiben (750 Meter wären auch damit weggebaggert worden). Wird der Damm ganz entfernt, kann wegen des besseren Wasserdurchlaufes pro Jahr zusätzlicher Strom im Wert von 120 000 Franken produziert werden. Zudem muss der Mitteldamm nicht saniert werden (die Betonufer sind schadhaft) und regelmässige Pflege entfällt.

Das Kraftwerk wird ferngesteuert sein. Es wird im Prinzip dreiteilig: im Norden die drei unterirdischen Turbinen, in der Mitte der Fischauf- und -abstieg und im Süden die beiden Hochwasserklappen. 

Kraftwerk-Erneuerung

Zuerst dass Mitwirkungs-, dann das Baugesuchsverfahren 

Die neue Konzession für den Betrieb eines Wasserkraftwerkes läuft seit 1. Januar 2018. Sie ist auf 68 Jahre befristet. Erteilt haben sie die Kantone Aargau und Solothurn. Letzterer ist federführend, weil 82 Prozent der Konzessionsstrecke auf seinem Gebiet liegen. Die beiden Kantone sind übereingekommen, dass wegen der Überarbeitung des zwischenzeitlich fallen gelassenen «Projektes 2013» ein neues Raumplanungsverfahren durchgeführt werden muss. Dieses beginnt jetzt mit dem Mitwirkungsverfahren (jedermann kann bis 11. Februar Stellung nehmen).

Formal geht es aber nur um den Solothurner Teil, also faktisch um die vollständige Entfernung des Mitteldammes. Dafür ist eine Richtplanänderung notwendig, die vom Solothurner Kantonsrat abgesegnet werden muss. Die Eniwa erwartet einen Entscheid im ersten Quartal 2020. 

Für das eigentliche Kraftwerksgebäude (auf Aargauer Boden) ist kein neues Raumplanungsverfahren mehr notwendig. Die jetzige Mitwirkung hat den Charakter einer freiwilligen Vernehmlassung. Die Eniwa will die Reaktionen abholen. 

Das Baugesuch für das neue Kraftwerk soll nach den Sommerferien eingereicht werden. Schon vorher wird ein Baugesuch für die Verlegung des Unterwerks (jetzt nordöstlich des Kraftwerks) aufgelegt. Ohne das neue Unterwerk (künftig nordwestlich des Werks auf dem brachliegenden Platz) kann nicht mit dem eigentlichen Bau begonnen werden.

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