Kultur-Potpourri: Junges Gemüse mit bunten Stilnoten

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Slapsticks ums Missgeschick: Blumenthal und Stadelmann machen Theater mit Absicht. (michael flückiger)
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Blutjunge Teenager mit viel Groove: Jonas Gluch (Violine), Robin Rindlisbacher (keys) vom Thuner Trio OK.

Zur Dauerwelle und wieder zurückgekräuselt hat es ihm das Haar vor lauter Vorfreude auf diese «Tschuppelete» junger Talente. Conferencier Benno Ernst – Künstlername Nino – macht schon zum wiederholten Mal den Anheizer der traditionellen Januar-Talentschau der kleinen Bühne. Vorab dimmt er die Stimmung mit einem traurigen Lied so ab, damit das blutjunge Teenager-Trio «Okay» nur noch den Lichtschalter betätigen kann. Doch Violonist Jonas Gluch, der gerne mit Klassik rockt und seine Mitstreiter Robin Rindlisbacher an den Keys und Julian Harlacher an den Drums verkehren die Steilvorlage zunächst. Mit dem Stones-Klassiker «Paint it black» gehen sie ab und lullen das Publikum darauf hin mit Totos Africa samtweich ein. Spielfreude und Könnerschaft blitzen auf, die jazzig-groovigen Soloteile sind ambitioniert. Manche davon gelingen gut, anderen fehlt noch etwas die klare dramaturgische Linie. Die Eigenkomposition «Dark Dreams» ist an treibenden Violinenriffs aufgehängt, der Soundteppich ist aus einem Guss. Warum also anderen nacheifern mit Coverversionen, wenn man selber besser komponieren kann, was einem entspricht. Für so eine Talentbühne präsentiert sich die Band definitiv mehr als okay.

Die Story macht es aus

Überkandidelt schreiben sie oft, diese jungen Literaten, packen ihre Welt mit Adjektiven übervoll und vergessen sie mit exakt gesetzten Worten zu beschreiben und mit Verben in Gang zu setzen. Hannah Dobertin ist gerade mal 19 Jahre alt. Sie weiss, worum es geht, vertraut der Story. Diese ist recherchiert, sie liest zwei Ausschnitte aus einem längeren Text, der die Flucht ihrer Grossmutter aus Schlesien während des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Ihr gelingt es, selbst mit subtilen Randbeobachtungen die Dramatik des Geschehens zu veranschaulichen, ihre Lesung reisst einen ins Geschehen hinein. Bemerkenswert.

Beim Liedermacher und Bluessänger Dominik Fleyk ist das Understatement Programm. Wenn er auch auf Hochdeutsch beginnt, singt er wider alle Vernunft, wie ihm sein Thurgauer Schnabel gewachsen ist. So verloren er mitunter auf der Bühne stand, er kokettiert auch, wohlgemerkt – so präzise dokumentiert und hinterfragt das reichlich erwachsene Talent unser Alltags-und Liebesleben. Es sind schnörkellos gute Texte, die einen zum Nachdenken bringen und seine Bluesklampfe ist stimmungsvoll filigran. Ein überzeugender Auftritt für so ein spätberufenes Talent.

Slapstick des Bemühens

Etwas Unmögliches versuchen Kim Emanuel Blumenthal und Marina Stadelmann. Die beiden Bündner Mimen stellen in ihrem Ausschnitt zum Stück Liverpool ein Duo dar, das verzweifelt in einer Garage probt, um endlich den Durchbruch zu schaffen. Das Halbgelungene, leicht Missratene im Wechsel mit Gelungenem ist Programm, die eigenen Fähigkeiten sind wiederholt gezielt unter den Scheffel zu stellen. Das komödiantische Talent Blumenthals überzuckert Missgeschickliches mit pfiffigem Slapstick. Spannend wird es vor allem, wenn die beiden sich in wilde Auseinandersetzungen hineinsteigern. Die Kurzversion macht durchaus Lust, das ganze Stück zu sehen. Es wird ab Februar mehreren Orts aufgeführt.

Den Abschluss des Kulturpotpourris macht die junge Literatin Andjelka Antonijevic, die ebenfalls klug genug ist, um mit ihrem Text nicht gleich die Welt erwürgen zu wollen. Beiläufig erzählt sie von einer Wanderung, die sich zu einer wunderbar unterschwelligen Reflexion zur Klimaerwärmung auswächst. Wie sich die unter den Füssen knirschenden Kiesel auf dem Gebirgspfad sich zu einer Versandung des Gebirges mit Badestränden auswächst, ist gut erzählt, kein Wort ist zu viel gesetzt, die Buchstaben treten hinter das Erzählte zurück.

Auch die 19er-Auflage des Kulturpotpourris bietet Talenten nicht nur eine seltene Auftrittsgelegenheit, sondern eben auch dem Publikum Einsichten in das, was künstlerisches Gelingen alles ausmacht. Eine grosse Hymne ans Kulturschaffen gelingt Moderator Nino in Form einer Zugabe. Wie er Paolo Contes «Sotto nelle stelle del Jazz» rüberbringt, ist ein Gedicht an atmosphärischer Tiefe. Okayer als okay, dieser Abend. Oder: schon fast ziemlich verdammt gut.

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Dominik Flaig hat einen Sinn für Zwischentöne.
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Gute Beobachterin mit Gefühl für Atmosphäre: Hannah Dobertin.
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Sie zerbröselt Gebirge zu Sandstränden: Andjelka Antonijevitsch.
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