Die Region Zofingen als Bildungs- und Wirtschaftsstandort auf dem Prüfstand

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Peter Gehler: «Sichere Arbeitsplätze können wir nur erhalten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.»

Was sich im Jahr 2018 schon abgezeichnet hat, wird sich im Jahr 2019 fortsetzen: Die Region Zofingen wird mit konkreten Herausforderungen auf verschiedenen Gebieten konfrontiert sein. Im Vordergrund steht sicher der Bildungsstandort, aber auch die Struktur der am Industriestandort ansässigen Unternehmen und die Standortattraktivität beschäftigen mich und den Verband Wirtschaft Region Zofingen nach wie vor.

Im Bereich der Standortattraktivität zum Beispiel, sind gute Grundlagen geschaffen worden. Die Wirtschaftsförderung, welche der Verband Wirtschaft Region Zofingen zusammen mit den Einwohnergemeinden Rothrist, Oftringen und Zofingen betreibt, konnte beeindruckende Erfolge erzielen. Der sogenannte Space beim Bahnhof Zofingen erfreut sich zunehmender Beliebtheit und das Innovations- und Gründerzentrum IGZ, das unser äusserst aktiver Wirtschaftsförderer Andreas C. Brändle ins Leben gerufen hat, ist gut gestartet. Im letzten Jahr hat die Wirtschaftsförderung als erste Region überhaupt eine Partnerschaft mit dem Hightech Zentrum Aargau HTZ aufgebaut. Das HTZ ist nun ständig in unserer Region präsent und steht unseren KMUs für eine kostenlose Innovations-Beratung zur Verfügung. Ein klarer Vorteil im Standortwettbewerb, der nun aktiv genutzt werden muss. Unser Ziel ist ja, attraktive Unternehmen mit zukunftsträchtigen Technologien in die Region zu bringen.

Der BZZ-Campus mit seiner Vielfalt ist im Aargau einzigartig

Ein besonderes Anliegen ist für mich die Erhaltung des Bildungsstandorts Zofingen. Der Campus mit Kantonsschule, gewerblicher Berufsschule, kaufmännischer Berufsschule und einer höheren technischen Schule unter einem Dach ist im Kanton Aargau einzigartig. Umso unverständlicher sind die Pläne des Kantons, welche eine substanzielle Schwächung dieses Campus zur Folge hätten. Das KV würde geschlossen, die Polymechaniker/Konstrukteure aus Zofingen abgezogen. Im Campus würde keine Berufsmittelschule mehr angeboten. Dieses Szenarium ist für mich nur schwer nachvollziehbar und meines Erachtens auch aus kantonaler Sicht nicht zielführend. Umso beeindruckender ist der Auftritt Grossratsdeputation des Bezirks Zofingen, die geschlossen eine Motion eingereicht hat, um die Schwächung unseres Campus abzuwenden und den Bildungsstandort Zofingen zu verteidigen. Das ist inhaltlich enorm wichtig. Wichtig ist aber auch, dass ein Ruck durch die Region gegangen ist und geht. Das hat es schon seit langer Zeit in dieser Form nicht mehr gegeben.

Natürlich habe ich die Reform der politischen Struktur in der Region Zofingen nicht vergessen. Mit der Fusion von Reitnau und Attelwil ist ein kleiner Erfolg zu verzeichnen. Und auch in Brittnau wurde die Diskussion über eine Fusion mit der Stadt Zofingen neu entfacht. Weitere werden folgen. Die Region Zofingen wird mit diesen Vorgängen Schritt für Schritt gestärkt. Ein wichtiges Identitätsmerkmal ist aus meiner Sicht auch die Regiomesse. Die Region braucht eine übergreifende Leistungsschau, ergänzend zu den Gewerbeausstellungen in den Gemeinden. Ich stelle fest, dass auch in diesem Bereich neue Initiativen in Gang gesetzt wurden, welche die Regiomesse künftig noch attraktiver machen werden. Wir dürfen uns freuen.

Im Jahr 2019 werden auf nationaler und kantonaler Ebene wichtige politische Weichenstellungen für die Wirtschaft erfolgen. Wichtig für die Wirtschaft wird die Durchsetzung der Unternehmenssteuerreform SV17 auf nationaler und kantonaler Ebene sein. Es geht auf kantonaler Ebene vor allem darum, eine massvolle Umsetzung dieser Steuerreform zum Durchbruch zu verhelfen und linke Begehrlichkeiten zulasten unserer Unternehmen in die Schranken zu weisen. Sichere, attraktive Arbeitsplätze können wir dann erhalten, wenn die Rahmenbedingungen für die Unternehmen im Kanton Aargau und in der Region Zofingen gut sind resp. bleiben.

Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte wurde mit Abschottung Wohlstand geschaffen

Auf nationaler Ebene geht es zudem um den Marktzugang zu unserem mit grossem Abstand wichtigsten Markt, dem EU-Markt. Noch nie in der Wirtschaftsgeschichte wurde mit Abschottung Wohlstand geschaffen. Die verhärteten Positionen auf den politischen Polen ist Gift für die Wirtschaft und wird uns allenfalls weitere Jahre der Ungewissheit bringen. «Die grössten Fehler werden dann gemacht, wenn es gut geht», hat ein Alt-Bundesrat einmal gesagt. Da hat er absolut Recht. Im Beharren auf Extrempositionen und -forderungen zeigt sich fast täglich, wie sorglos mit den Rahmenbedingungen für unser Land und unsere Unternehmen umgegangen wird. Daran aber hängen unser Wohlstand, unsere Arbeitsplätze, unsere Renten und die Zukunft unserer Jugend. Gefragt ist Augenmass, Pragmatismus und Kompromissbereitschaft. Das wäre mein persönlicher Wunsch an die Politik im Jahr 2019.

ZUR PERSON

Peter Gehler präsidiert den Verband Wirtschaft Region Zofingen (WRZ) seit 2007 und ist Vizepräsident der Aargauischen Industrie- und Handelskammer AIHK. Er ist Leiter des Pharmaparks bei der Siegfried AG und gleichzeitig Kommunikationschef des Unternehmens.

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