Kritik an Gemeindeammann für Kommunikation im Fall Wicki

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Daniel Wickis Fall zeigt, wie schwierig es ist, in einer Krise öffentlich zu kommunizieren. (Archiv) © AZ

Der Boswiler Gemeinderat hatte mit den polemisierenden Facebook-Kommentaren von Gemeindeschreiber Daniel Wicki von Anfang an eine schwierige Aufgabe. Denn: «In Krisenfällen passieren viele Fehler, gerade Milizbehörden sind in der ersten Phase oft überfordert», sagt Politikberater Mark Balsiger. Dass Gemeindeammann Michael Weber Wicki gleich zu Beginn in Schutz nahm, habe diesen Fall erst recht entzündet. Balsiger sagt: «Eine unmissverständliche Verurteilung von Wickis Aussagen hätte von Anfang an Druck weggenommen.»

Die Distanzierung holte der Gesamtgemeinderat wenige Tage später in einer Mitteilung nach: «Der Gemeinderat bedauert die unbedachten und menschenverachtenden Posts ihres Gemeindeschreibers Daniel Wicki. Diese sind nicht tolerierbar.» Ausserdem trat Vizeammann Liliane Kappeler vor die Medien. Ab da beurteilt Balsiger das Auftreten der Behörde positiv. Kappeler habe solide kommuniziert. Sie sagte, im Falle eines Schuldspruchs werde Wicki entlassen. Die Optionen im anderen Fall liess sie offen. Balsiger bewertet das als überzeugend. Man habe eine Linie vorgegeben und sich jetzt, da die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Wicki eingestellt hat, daran gehalten.

Trotzdem kommt er zum Schluss: «Das Vertrauen in den Gemeinderat hat gelitten.» Entscheidend sei nun, wie eng der Gemeinderat den Gemeindeschreiber in Zukunft führe. Balsiger weist auf einen weiteren Punkt hin, der gerne vergessen geht: «Was auf Facebook geschrieben wird, kann jederzeit in die Medien schwappen.» Anstand und Respekt gehörten in jedem Fall dazu. Soziale Medien verleihen der Meinungsfreiheit neue Flügel.

Lars Knuchel, Fachmann für Krisenkommunikation, sagt, jede Krise sei individuell, es gebe kein Patentrezept. Unternehmen und Behörden seien mit rasch wachsenden Ansprüchen der Öffentlichkeit konfrontiert. Sie müssten sich laufend mit möglichen Reputationsrisiken auseinandersetzen, um selbst in Fällen, deren Eintreten unwahrscheinlich sei, möglichst rasch handlungs- und sprachfähig zu sein. «Das ist für kleine Gemeinden oft schwieriger als für grosse Behörden», betont Knuchel.

Der Fall Wicki zeige beispielhaft, welche neuen Belastungsproben soziale Medien für den Rechtsstaat und seine Institutionen mit sich bringen können: «Soziale Medien verleihen der Meinungsfreiheit neue Flügel.» Allerdings bedeute diese Freiheit auch eine Verantwortung, sagt Knuchel: «Ob Einzelpersonen, Medien, politische Parteien oder staatliche Behörden – alle müssen den geeigneten Umgang damit täglich stets von Neuem lernen und hinterfragen.»

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