Sie will mit dem Zentralschweizer Klimastreik ein Zeichen setzen

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Lena Merz wird von ihren Pfadi-Kollegen Erilea genannt. Ein Name, der flink und naturverbunden bedeutet. (Lukas Aecherli)

Der klare Morgenhimmel und die kalten Temperaturen lassen den Pausenplatz der Kantonsschule Beromünster noch verlassener erscheinen, als er ohnehin schon ist. Umso bestimmter wirkt das Auftreten von Lena Merz, die von ihren Pfadi-Kollegen Erilea genannt wird. Ein Name, der gemäss der 17-Jährigen flink und naturverbunden bedeutet. Und genau aus dieser Naturverbundenheit entstammt ihr Engagement zum Schutze des Klimas und lässt sie zur Mitorganisatorin des Zentralschweizer Klimastreiks in Luzern werden.

Trotz des momentanen Rummels um die Mediensprecherin des Zentralschweizer Klimastreiks erzählt sie ruhig von ihrem Alltag. Davon, dass sie Querflöte und Klavier spiele, Italienisch im Schwerpunktfach und Spanisch im Nebenfach belege, nebenbei noch Schwedisch lerne und nach der abgeschlossenen Matura gerne reisen gehen würde. Am liebsten in ein Land, in dem sie die Ausbildung zur Tauchlehrerin absolvieren könnte.

Doch wie passt das Reisen zum Engagement zugunsten des Klimas? Zur Beantwortung dieser Frage differenziert Lena Merz die Arten des Reisens: «Wenn ich in Europa bleibe, versuche ich, auf Flüge zu verzichten.» Doch manchmal gehe es über das Meer, was einen Flug zur Notwendigkeit mache. Als Ausnahme oder als «etwas anderes» erachtet sie aber den Umstand, wenn man auf seiner Reise etwas für das Klima und die Umwelt machen kann. So soll eine Tauchschule ausgewählt werden, die sich gezielt für die Umwelt einsetzt. Beispielsweise mit einem Engagement gegen das Sterben der Korallen. Mit diesem Einsatz zugunsten eines der ältesten Ökosysteme versucht Lena Merz das geliebte Reisen mit ihrem Kernanliegen, dem Klimaschutz, zu vereinen.

Ungeachtet dieser argumentativen Spielerei vertritt sie die Forderung der dezentralen Jugendbewegung, welche die verschiedenen Klimastreiks in der Schweiz koordiniert. Eine Forderung ist beispielsweise: netto null Treibhausgas-Emissionen im Inland bis 2030. Zwar erachtet die junge Klimaaktivistin aus Hildisrieden diese Forderung selbst als extrem, ist aber der Meinung, «dass solche Forderungen nötig sind». Denn gemäss ihrer Aussage ist die Schweiz an einem Punkt angelangt, an dem «wir was machen müssen».

Der Streik als Zeichen
Dieses Machen findet sie in der Mithilfe bei der Organisation des Zentralschweizer Klimastreiks. Obwohl sie Mitglied der jungen Grünen Luzern ist, sich in ihrer Maturaarbeit intensiv mit der Politikverdrossenheit unter Jugendlichen befasste und sogar an einer Session des european youth parliaments in Romanshorn teilnahm, setzt sie nicht auf die Politik, sondern auf den Aktivismus und das ausserparlamentarische Mittel des Streiks. Von diesem Mittel erwartet sie, dass sie, zusammen mit anderen jungen Menschen, zeigen kann, «dass es uns hässig macht, dass im Moment nichts getan wird». So will sie mit ihrem Engagement ein Zei-chen setzen, das sowohl die Politikerinnen und Politiker als auch die Bevölkerung aufrüttelt. Ein Zeichen, das zeigt, «dass es unserer Generation am Herzen liegt, das Problem nicht noch weiter in die Zukunft zu schieben».

Darüber, ob der Zentralschweizer Klimastreik die Bevölkerung in Aufruhr versetzen mag und zu einem Meilenstein in der Geschichte der Klimapolitik werden wird, lässt sich nur spekulieren. Ungeachtet dieser Spekulation wird Lena Merz weiter für den Klimaschutz kämpfen. So zieht sie es in Betracht, den Studiengang «Nachhaltige Entwicklung» an der Universität Bern zu belegen, aktiv in die Politik einzusteigen oder weiterzustreiken. Eines ist aber sicher: Lena Merz gibt sich nicht mit dem Ist-Zustand zufrieden und tut etwas.

Streik in Luzern: Als Fortsetzung der Klimastreiks in den Städten Basel, Bern, St. Gallen und Zürich kommt es nun auch in der Zentralschweiz zu einer Kundgebung. Dieser Schülerstreik findet heute in Luzern statt und wird von einem vierzehnköpfigen Organisationskomitee organisiert. Dessen Aushängeschilder sind Lena Merz (17) aus Hildisrieden und Jorina Rast (17) aus Rain.

Nachgefragt bei Marco Stössel: Der diplomierte Geograf ist Rektor der Kantonsschule Beromünster und trägt die Verantwortung über die Schülerschaft.

«Schüler riskieren unentschuldigte Absenzen»

Was halten Sie davon, wenn Schülerinnen und Schüler Schulstreiks wie den Zentralschweizer Klimastreik durchführen?

Ich bin zweigeteilt: einerseits das Engagement, andererseits der Umstand, dass die Schülerinnen und Schüler auf ihre Ausbildung verzichten. Es freut mich, dass Jugendliche für das Klima kämpfen. Gleichwohl mindern die Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung, indem sie den Unterricht bewusst verpassen.

Was bedeuten Schulstreiks für den Unterricht, für die Schule an sich?

Man muss einen Unterschied zwischen der obligatorischen Schulzeit sowie der post-obligatorischen Schulzeit machen (Schulzeit ab dem 10. Schuljahr, Anm. der Redaktion). Die Schülerinnen und Schüler in der obligatorischen Schulzeit sind schulpflichtig. Deshalb wird ihnen für einen Streik kein Urlaub gewährt. Das ist mit allen Langzeitgymnasien im Kanton Luzern abgesprochen, da wird sonst das geltende Recht betreffend die Schulpflicht verletzt. Die Schülerinnen und Schüler in der post-obligatorischen Schulzeit verfügen hingegen über ein Kontingent an Urlauben, welche sie eigenverantwortlich, das heisst in diesem Fall auch für eine Demonstration, einsetzen können.

Ziehen Sie es in Betracht, dieses Verhalten zu sanktionieren?

Die Schülerinnen und Schüler in der post-obligatorischen Schulzeit werden nicht sanktioniert, da solche Absenzen im Rahmen des Absenzenreglements liegen. Diejenigen in der obligatorischen Schulzeit werden aber dadurch sanktioniert, dass sie unentschuldigte Absenzen erhalten.

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