Laden-Öffnungszeiten: «Der 24-Stunden-Shop lässt nicht mehr lange auf sich warten»

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Das Internet zwingt den stationären Handel, seine Öffnungszeiten anzupassen. © Keystone

Frau Frick, Coop und Migros haben ihre Ladenöffnungszeiten in mehreren Städten ausgedehnt.Selbst Volg öffnet seine Läden in eher ländlichen Gebieten sehr lange. Wo sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

Karin Frick: Der Taktgeber dafür ist der Online-Handel. Im Internet sind die Shops während 24 Stunden verfügbar. Gleichzeitig werden die Lieferzeiten immer kürzer und die Möglichkeiten, an die Waren zu gelangen, vielfältiger. Das hat die Gewohnheiten der Konsumenten stark verändert.

Wie zeigt sich das?

Die ständige Verfügbarkeit des Warenangebots wird zur Normalität. Wenn ein Laden geschlossen ist, irritiert das mittlerweile schon fast. Die Detailhändler passen sich dieser Erwartungshaltung an. Hinzu kommt die Flexibilisierung der Arbeitszeiten in der Gesellschaft, die sich auf das Einkaufsverhalten auswirkt. Die stationären Detailhändler kommen damit unter Druck, ihre Öffnungszeiten dieser Entwicklung anzupassen.

Viele Supermärkte haben morgens bereits ab 6 Uhr geöffnet. Ist das wirklich ein Bedürfnis? Kaffee und Gipfeli gibt es ja an Bahnhöfen und Convenience-Stores zuhauf.

Der Detailhandel ist kein margenstarkes Geschäft. Sie können deshalb davon ausgehen, dass die Anbieter nur so früh öffnen, weil es auch rentabel ist. Ohnehin glaube ich, dass der 24-Stunden-Shop nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Wieso das?

Bald dürften voll automatisierte Shops aufkommen, die ohne Personal auskommen, etwa nach dem Vorbild von Amazon Go. Auch Valora plant ein solches Konzept. Damit spielen die Arbeitszeitregelungen keine Rolle mehr, womit die Gesetze über Ladenöffnungszeiten auch nicht mehr zur Anwendung kommen. Ein solcher «Robo-Shop» kann problemlos 24 Stunden pro Tag geöffnet haben.

Dann bräuchte es höchstens noch Sicherheitspersonal?

Mit den heutigen modernen Überwachungsmethoden wäre auch das nicht mehr nötig oder höchstens bedingt. Ein Bancomat ist ja auch während 24 Stunden zugänglich. Bei einem voll automatisierten Laden gäbe es ebenso wenig einen Grund, diesen zu schliessen.

Dennoch dürften bediente Läden nicht so bald aussterben. Werden wir dort eine weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten beobachten, wo das gesetzlich noch möglich ist?

Das wird vom Konsumverhalten und von den jeweiligen Standorten abhängen. An Hochfrequenzorten oder Verkehrsknotenpunkten kann ich mir durchaus eine Ausweitung vorstellen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es eine Kombination von bedienten und automatisierten Geschäften geben wird. So könnte ein Laden tagsüber mit Verkaufspersonal bestückt werden, abends und nachts wäre ein reduziertes Angebot mit Selfscanning-Kassen denkbar.

Längere Öffnungszeiten sind ein Bedürfnis vieler Konsumenten. Gleichzeitig haben es Abstimmungen über längere Öffnungszeiten schwer. Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch?

Wir Menschen sind nun mal widersprüchlich. Im Alltag werden diese Angebote genutzt. Wenn man das Thema jedoch aufgrund einer Abstimmung mit mehr Distanz betrachtet, stimmt man vielleicht doch anders ab. Es gibt ja auch viele Menschen, die mitten in der Stadt leben und dennoch ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis haben. Wir haben nun mal fast alle solche gegensätzliche Bedürfnisse in uns. Das zeigt sich dann auch bei Abstimmungen über Ladenöffnungszeiten.

Karin Frick ist Forschungsleiterin am Gottlieb-Duttweiler-Institut. Sie gehört auch der Geschäftsleitung an. Die Trendforscherin analysiert seit Jahren neueste Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum.

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