Wiederkehrs Rücktritt: "Es hat ein Level erreicht, das zu viel ist»

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2016 von der Stimmbevölkerung ins Präsidium gewählt: René Wiederkehr. Foto: awi/archiv

Er hat genug: René Wiederkehr (parteilos) tritt als Gemeindepräsident von Wikon zurück. Die Arbeit als Gemeindepräsident habe ihm zwar gut gefallen. «Aber die Belastung unter den aktuellen Umständen steht in keinem Verhältnis.» Anstatt sich den wichtigen Geschäften wie beispielsweise der Organisation auf der Verwaltung oder der Zonenplanrevision widmen zu können, müsse viel Aufwand für die Kommunikation mit Anwälten und Staatsanwaltschaften investiert werden. Zudem habe er sich gegen rufschädigende Angriffe einzelner Gruppierungen zu Wehr setzen müssen, schreibt Wiederkehr gestern in einer persönlichen Mitteilung an den Gemeinderat, die Verwaltung und die Medien. Den Ausschlag für die Demission per 1. Mai gab schliesslich eine anonyme Drohung, «die an meine Person gerichtet wurde», schreibt Wiederkehr. Diese werde er zur Anzeige bringen. Die Zeit als Gemeinderat sei sehr lehrreich gewesen, sagt Wiederkehr auf Anfrage dieser Zeitung. «Ich musste aber auch viel einstecken. Und jetzt hat es ein Level erreicht, das zu viel ist.»

Wiederkehr will sich künftig wieder voll und ganz auf seinen Job als Geschäftsleitungsmitglied eines KMU konzentrieren. Beruflich sei seine aktuelle Situation sehr gut, sagt Wiederkehr. In Zukunft möchte er seine Freizeit seiner Familie und den eigenen Bedürfnissen widmen. «Mein Glück hängt nicht vom Präsidium ab», schreibt er weiter.

Wiederkehrs Rücktritt kommt nicht unerwartet. Die Ortsparteien der SVP und der SP haben ihn jüngst zum zweiten Mal mittels offenen Briefs zum Rücktritt aufgefordert; mit seinem «autoritären Führungsstil» habe er in einer Kollegialbehörde nichts verloren, hiess es beispielsweise darin. Ausschlag dafür waren die Querelen im Gemeindegremium, die im Frühling ihren Anfang genommen haben. Im Nachgang der Gemeindeversammlung im Juni letzten Jahres hat das Gremium dem Finanzvorsteher Wolfgang Kunzelmann (SVP) sämtliche Dossiers entzogen – zu Unrecht, wie der Kanton Anfang November urteilte. Seither hat Kunzelmann seine Dossiers zurück und fungiert weiter als Finanzvorsteher. Damit war die Sache aber noch nicht ausgestanden: Kunzelmann zeigte die anderen Gemeinderäte sowie die Gemeindeschreiberin bei der Staatsanwaltschaft Sursee an. Die Vorwürfe lauten: Amtsmissbrauch, Ehrverletzung, Amtsgeheimnisverletzung und Urkundenfälschung im Amt. Die beschuldigten Gemeinderäte weisen die Vorwürfe zurück.

Wegen der Querelen warfen Gemeinderat Markus Dietrich (parteilos) und Gemeindeschreiberin Janine Bron noch im letzten Jahr das Handtuch. Dietrichs Demission erfolgt per Ende März, Bron wurde bereits freigestellt. René Wiederkehr indessen zog einen Rücktritt vorerst nicht in Betracht. Stattdessen beschied er Mitte November, dass er sich eine Auszeit nehmen wird. Die letzten Monate seien zeitlich und emotional sehr intensiv gewesen, sagte Wiederkehr damals. Ende Dezember gab Wiederkehr dann bekannt, dass ihm die FDP Willisau den Verzicht einer Kandidatur für den Kantonsrat nahelegte; was er dann auch tat.

Für die Vizepräsidentin Michaela Tschuor (CVP) kommt der Rücktritt nicht überraschend, wie sie auf Anfrage festhält. Sie habe ein gewisses Verständnis für die Demission. Tschuor leitete als interimistische Gemeindepräsidentin die letzte Gemeindeversammlung. Dass sie nun bis ans Ende der Amtsdauer 2020 automatisch nachrutscht, ist jedoch ausgeschlossen. Die Gemeindeordnung sehe für eine solche Dauer Ersatzwahlen vor, so Tschuor. Wann die Ersatzwahl stattfindet, ist noch unklar.

Wiederkehr trat am 1. Juni 2015 sein Amt als Gemeinderat im Ressort Finanzen an. Im Mai 2016 schaffte er die Wahl ins Gemeindepräsidium. Wiederkehrs Hauptwerk sei das Siedlungsleitbild gewesen, welches er vorangetrieben habe, sagt Tschuor. Er habe zudem die finanzielle Situation der Gemeinde massgeblich verbessert.

Kommentar zum Rücktritt von Gemeindepräsident René Wiederkehr

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