Soziale Dienste: Mit dem Alleingang Kosten sparen

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Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg oder gar Fusionen sind von Gemeinden gerne gewählte Formen der Kooperation. Gerade so geschehen mit dem Steueramt Moosleerau-Reitnau, das seit Anfang Jahr vom Regio Steueramt in Schöftland geführt wird. Es gibt aber auch die gegenteilige Bewegung: Ebenfalls seit Anfang Jahr führt Kirchleerau seinen Sozialdienst wieder selber. In den vergangenen Jahren ist dieser vom Bereich Soziales der Stadt Zofingen betreut worden. «Wir haben bis jetzt von unseren Klienten ein positives Feedback erhalten. Der Sozialdienst ist jetzt wieder näher, für sie einfacher erreichbar», sagt Manuel Bolt. Er führt als Gemeindeschreiber den Sozialdienst in Personalunion. Mit ein bis zwei Stunden pro Woche beziffert Bolt momentan die Arbeitsbelastung. Diese sei jedoch abhängig von der Anzahl der betreuten Dossiers und dem Aufwand, der pro Dossier nötig sei, gibt Bolt zu bedenken. Zwei Dossiers werden momentan in Kirchleerau betreut. Gäbe es plötzlich deutlich mehr Dossiers zu betreuen, würde der sistierte Vertrag mit dem Bereich Soziales in Zofingen wieder aktiviert. Dort werden momentan weiterhin die Kirchleerauer Dossiers des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes (KESD) geführt.

Kürzere Wege

In einer ähnlichen Situation standen vor gut vier Jahren die Gemeinden Strengelbach und Murgenthal. Lange Jahre haben sie Dienstleistungen im Bereich Sozialdienst vom Regionalplanungsverband zofingenregio bezogen. Per Ende 2014 wurde diese Dienstleistung eingestellt. Viele Gemeinden suchten daraufhin die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden: Moosleerau und Reitnau schlossen sich dem Regionalen Sozialdienst Kölliken (RSDK) an, Brittnau und Wiliberg wechselten zur Stadt Zofingen. Strengelbach und Murgenthal entschieden sich hingegen, den Sozialdienst wieder selbstständig zu führen – mit Ausnahme der Dossiers des Kinder- und Erwachsenenschutzdienstes (KESD). «Durch den eigenen Sozialdienst können die Fälle enger geführt werden», sagt Gemeindeschreiber-Stellvertreter Alexandra Lienhard. Durch den kurzen Weg funktionierten die Schnittstellen effizienter und auch für die Klienten sei es einfacher, wenn sie alles bei der Wohngemeinde erledigen könnten.

Grösseres Risiko

Die KESD-Dossier von Strengelbach werden in Oftringen betreut, diejenigen von Murgenthal in Rothrist. «In diesem Bereich hat sich die grössere Einheit bewährt, doch beim Sozialdienst selbst ist es ein Vorteil, ihn direkt im Haus zu haben», sagt Murgenthals Gemeindeschreiber Rolf Wernli. Er ist überzeugt, dass der Gemeinderat das Modell mit dem eigenständigen Sozialdienst wieder wählen würde, auch wenn der Dienst stark von den mit den Aufgaben betrauten Personen abhängig sei. Wernli hält fest, dass ein selbstständig geführter Sozialdienst günstiger sei als der Anschluss an einen Verband oder eine grössere Gemeinde. «Wir tragen aber auch das gesamte Risiko alleine. Was ist, wenn die Leiterin unseres Sozialdienstes plötzlich ausfällt? Da kann es gut sein, dass die Gemeinde einige Jahre Geld gespart hat, dann aber plötzlich grössere Ausgaben auf uns zukommen.»

Einsparpotenzial vorhanden

Heute steht Kirchleerau vor einer ähnlichen Situation wie Strengelbach und Murgenthal vor vier Jahren. Die Gemeinde hat seit dem Ende des Sozialdienstes von zofingenregio die Dienstleistungen bei der Stadt Zofingen bezogen. Mit der Anstellung von Manuel Bolt im Jahr 2017 als Gemeindeschreiber öffneten sich für die Gemeinde aber neue Möglichkeiten: Bolt hat den Grundkurs Soziales des kantonalen Sozialdienstes besucht und ist somit in der Lage, den Kirchleerauer Sozialdienst zu führen. Hinter dem Schritt zum Alleingang steht unter anderem das Einsparungspotenzial: 15 000 bis 27 000 Franken weniger kostet die Eigenregie. Obwohl Kirchleerau mit dem eigenen Sozialdienst auf die Zusammenarbeit mit einer grösseren Gemeinde verzichtet, überall rechnet sich der Alleingang für eine kleine Gemeinde jedoch nicht. Auch Kirchleerau verzichtet nicht immer darauf. So ist die Gemeinde beispielsweise in Steuersachen dem Regio Steueramt in Schöftland angegliedert.

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