Mission des Gemeinderates: Die «Linde» aus dem Dornröschenschlaf holen

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Die Gemeinde will die Liegenschaft «Linde» gleich vis a vis des Gemeindehauses gelegen kaufen. Absicht: Die «Linde» soll Restaurant bleiben. © Bruno Kissling

High noon in Fulenbach: Nachdem die Gemeinde innert weniger Jahre zwei ihrer drei Restaurants verloren hat, will sie jetzt die geschlossene «Linde», gleich gegenüber der Gemeindekanzlei gelegen, für 1,3 Mio Franken erwerben und aus dem Dornröschenschlaf holen. Am 21. Februar entscheidet eine ausserordentliche Gemeindeversammlung über das Geschäft.
Die Kaufabsicht kommt zumindest für Aussenseiter eher überraschend, haben sich in den letzten Jahren doch mehrere Interessenten um die Liegenschaft beworben. Zu einem Kauf/Verkauf kam's allerdings nie. «Der Gemeinderat war der Ansicht, die ‹Linde› als Komplex befinde sich an prominenter Lage im Dorf», sagt Gemeindepräsident Thomas Blum auf Anfrage. Im Sinne der Dorfkernentwicklung beziehungsweise im Sinne von dessen Erhalt erscheine ein Kauf der Liegenschaft durch die Gemeinde sinnvoll. «Uns ist bewusst, dass die ‹Linde› kein Renditeobjekt im eigentlichen Sinne des Wortes ist. Aber der Rat war der Ansicht, dass die Wiedereröffnung des Restaurants dem Dorfleben grundsätzlich gut anstehen würde», so Blum weiter. Aus diesem Grund sei die Gemeinde auf die Besitzerfamilie Schulthess zugegangen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich offenbar keine neue Nutzung für die Liegenschaft im Dorfzentrum abzeichnete. Und schon gar nicht eine solche, die ein Restaurant vorsah. Dies stand just im Gegensatz zur Absicht des Rates.

Besitzer ist froh

Für Peter Schulthess, der den Betrieb im Jahr 2009 nach fast 35 Jahren als Koch und Gastgeber im Jahr 2009 an Sohn Martin übergab, ist mit der von der Gemeinde angestrebten Lösung absolut zufrieden. Denn seit Mitte 2016 stand die Linde zum Verkauf. «Ich bin eigentlich ganz froh, dass es wieder ein Restaurant werden könnte», sagt der 74-Jährige auf Anfrage. Seiner Einschätzung nach könne man gut ein Leben machen auf der «Linde», die dann vielleicht ja nicht mehr so heisse. «Aber das spielt doch keine Rolle», so Schulthess weiter. Die Bevölkerung habe auch mehrfach signalisiert, an einem weiteren Gastro-Angebot im Dorf interessiert zu sein. «Aber letzten Endes entscheidet darüber die Gemeindeversammlung», bilanziert Schulthess.

Für die 1,3 Mio Franken würden im Fall einer Zustimmung durch die Gemeindeversammlung die «Linde» mit Ökonomieteil, zwei Viereinhalbzimmerwohnungen, Garagen und eine unbebaute Parzelle in der Bauzone an die Einheitsgemeinde Fulenbach übergehen. Interessantes Detail: Obwohl die Gemeinde an einem Gastrobetrieb interessiert ist, spielt sie mit dem Gedanken, den Saalbau nur bedingt für diesen Zweck zu brauchen. «Wir stellen uns vor, dass diese Räumlichkeiten allenfalls für künstlerisch-kulturelle Veranstaltung genutzt werden könnten», so Blum. Auch diese Vorstellung stammt aus der seinerzeitigen Klausurtagung des Gemeinderates. Damals hielt der nämlich fest, dass zum lebendigen Ortskern nicht nur der Aspekt Wohnen gehört, sondern auch ein gewerblicher Moment. Deshalb sieht der Rat im Saalbau Ausstellungsmöglichkeiten für die Kunst- und Kulturschaffenden im Dorf oder auch weitere Nutzungsformen, die derzeit aber noch offen stehen.

Geht die Rechnung auf?

Dass die Rechnung für Fulenbach aufgehen und allenfalls sogar eine kleine Rendite aus dem Kauf resultieren könnte, sollen die approximativen Zusammenstellungen zeigen, die der Botschaft beiliegen. Im besten Fall rechnet die Gemeinde mit einem Ertragsüberschuss von 5000 Franken bei Einnahmen von 50 000 Franken im Jahr und Kosten von knapp 45 000 Franken.
Dabei ist ein Pachtzins für den Restaurationsbetrieb von jährlich 24 000 Franken veranschlagt. Was eher tief scheint. «Wie gesagt: Wir legen wert auf den Umstand, dass die ‹Linde› wieder ein Restaurant wird», sagt Blum dazu. Kontakte zur Gastro-Szene hat der Gemeindepräsident, der selbst aus einer Wirtefamilie stammt, bislang allerdings keine geknüpft. «Sagt die Gemeindeversammlung Ja zum Kauf, könnten Verhandlungen aufgenommen werden», so Blum. Die Überschreibung der Liegenschaft soll zum frühestmöglichen Termin, auf den 1. April 2019, erfolgen. Ein Vorverkaufsvertrag ist abgeschlossen, wie aus der Botschaft an die Versammlung hervorgeht.

Wie stehts andernorts?

Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Gemeinde in den Besitz eines Restaurants kommen will. Wenigstens gilt das für die Region, sieht man einmal von der Boninger Bürgergemeinde ab. Ihr gehört der Sankt Urs, der in den letzten Jahren mehrere Pächterwechsel erlebt hat. In Rebstein (SG, etwa 4500 Einwohner) ist die Bürgerschaft erst seit einem Monat im Besitz des Restaurants Rebstock im Dorfzentrum. «Wir wollten eine gewisse Kontrolle über die Entwicklung des Restaurants beziehungsweise der Liegenschaft haben», sagt Bürgerpräsident Ernst Schönauer auf Anfrage. Es habe für den Kaufentscheid keine Bürgerbefragung gebraucht, lediglich das Ja des Bürgerrates. Dessen Finanzkompetenz liegt bei 800 000 Franken. Im Übrigen ist Ernst Schönauer überzeugt, dass die Bürgerschaft als wichtiger Landbesitzer zu einem späteren Zeitpunkt auf die Gestaltung des Dorfplatzes Einfluss nehmen kann. Allenfalls sei auch denkbar, mit einem guten Pächter den Neubau eines Restaurants zu verwirklichen. «Der ‹Rebstock› heute ist alt, eine Sanierung steht grundsätzlich nicht zur Diskussion», so Schönauer, der zum Engagement der Bürgerschaft sagt: «Sie hat unserer Ansicht nach auch etwas zum Wohlbefinden der Gemeinschaft beizutragen.» Auch im Rheintal sei, wie überall, doch ein markantes Beizensterben im Gange, so der Bürgerpräsident.
In Bolligen (BE, gut 6500 Einwohner) ist die dortige «Linde» im Besitz der Einwohnergemeinde. Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber erklärt auf Anfrage, die Gemeinde habe das Haus bereits im Jahr 1960 gekauft. «Die ‹Linde› steht in Weiler Habstetten. Die Liegenschaft hat man vor allem deshalb gekauft, weil sie damals der letzte Gastro-Betrieb im Weiler war und die dortigen Vereine ohne den dazugehörigen Saalbau heimatlos geworden wären.» Derzeit ist das Haus im Baurecht langfristig abgegeben. Und zwar mit der Auflage, einen Restaurationsbetrieb zu führen und dringend notwendige Sanierungen, unter anderem solche in Sachen Brandschutz und Hygiene im Umfang von drei Millionen Franken auszuführen. Der verlangte Baurechtszins sei nicht etwa ein grosszügiges Entgegenkommen der Gemeinde, sagt Kathrin Zuber. «Wir verlangen eine marktübliche Abgabe.» Seit Bolligen im Besitz der Liegenschaft ist, hat die Gemeinde ihrerseits rund 1,2 Millionen Franken investiert. 1995/96 eine runde Million für eine minimale Sanierungsetappe, im Jahr 2009 kamen noch einmal 200 000 Franken für die Küchenerweiterung hinzu. Kathrin Zuber interpretiert das Engagement der Gemeinde aus heutiger Sicht so: «Die Übernahme der ‹Linde› hat sich wohl vor allem aus ideeller Sicht gelohnt.»

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