Mama, ich werde Influencerin: Wie junge Leute Soziale Medien zur Geldquelle machen wollen

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Früher wollten Kinder noch Astronaut, Sängerin oder Polizist werden. Fragt man heute nach, fallen die Antworten in manchen Fällen exotischer aus: Influencer, Youtuber oder Gamer – Hauptsache, etwas in den sozialen Medien. «Die Nachfrage ist tatsächlich da, immer mehr Jugendliche wollen Influencer werden und sich über diesen Trendberuf informieren», sagt Berufs-, Studien- und Laufbahnberater Adrian Wollschlegel. Das liege an den Geschenken, den vielen Reisen und vor allen Dingen am Geld, sagt die 13-jährige Marie aus Aarau. «Man sieht, dass sie viel Geld kriegen. Sie machen immer Werbung für etwas und können sich alles leisten.» Auch ihre Freundin, die 14-jährige Lisa, zählt die Vorteile der Influencer auf: «Sie kennen alle Prominenten und haben einen abwechslungsreichen Alltag.»

Tolle Produkte, viele Reisen, schöne Hotels – tatsächlich sieht man all das auf den Instagram-Profilen der Influencer. Genauso sieht es auch bei der Schweizer Bloggerin und Instagrammerin Michèle Krüsi, bekannt unter dem Namen «The Fashion Fraction», aus. Die 27-Jährige hat ihre Leidenschaft, die sie vor neun Jahren entdeckte, mittlerweile zum Beruf
gemacht. Sie arbeitet mit diversen Marken zusammen und ist dank ihrer 407'000 Follower so weit, dass sie für ihre Bilder und Textbeiträge Geld von Sponsoren bekommt. Sie gehört zu den wenigen wirklich erfolgreichen Schweizer Influencern, die von dem, was sie machen, leben können.

Ausbildung zum Influencer

Doch ist Influencer wirklich ein Job? «Das ist eine schwierige Frage», sagt Adrian Wollschlegel. «Ich würde sagen, es ist ein Hobby, das zum Beruf wird», erklärt er. «Wenn jemand den Wunsch hat, Influencer zu werden, nehmen wir das auf jeden Fall ernst. Jedoch müssen wir auch ehrlich sein. Nur wenige können davon wirklich leben», sagt Wollschlegel. Er rate jedem, der diesen Berufswunsch hat, immer andere Berufe im Blick zu haben.

Das «ask!-Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf» im Aargau, für das Wollschlegel tätig ist, hat keine Broschüren über den Beruf Influencer. Jedoch gibt es seit letztem Jahr in Zürich, Luzern und Bern eine Akademie, welche die Leute zu Influencern ausbildet. Dabei handelt es sich um den Diplomlehrgang «Digital Influencerin/Influencer» an der «swiss digital influencer academy» (siehe Box). «Die Akademie ist uns bekannt, jedoch geben wir keine Fachinformationen über diese Schule weiter, da es sich hierbei um keine Grundausbildung handelt», sagt Wollschlegel. Trotzdem ist der Berufswunsch Influencer heute ganz normal – an der Zürcher Berufsmesse im letzten November gab es sogar einen Stand dazu.

In Spanien, Grossbritannien und Deutschland gibt es diese Lehrgänge schon seit längerem. In Madrid kann man an einer Universität «Intelligence Influencers: Fashion & Beauty» studieren – Voraussetzung ist eine bereits abgeschlossene Ausbildung. Für die Schweizer Instagrammerin Michèle Krüsi machen diese Diplomlehrgänge keinen Sinn. «Man kann schlicht und einfach nicht zum Influencer ausgebildet werden», sagt die gelernte Grafikerin. Man könne sich zum Beispiel Wissen über Social Media, Trend-Forschung und Content-Creation aneignen – aber das heisse noch lange nicht, dass man später als Influencer Geld verdienen könne.

«Als ich mit dem Bloggen anfing, wusste ich nicht, dass ich Produkte zugeschickt bekomme oder gar damit Geld verdienen kann. Ich habe es aus purer Leidenschaft gemacht», sagt die Bloggerin. «Ich denke, genau das ist der grosse Unterschied zwischen damals und heute», so Krüsi weiter. Heute stünde nicht mehr die Leidenschaft im Fokus, sondern die Berühmtheit und das Geld. Doch verübeln könne man es den Leuten nicht, denn genau das wird in den Instagramfeeds auch gezeigt. «Irgendwie kann ich das verstehen, dass man schnell ein falsches Bild davon hat, was ich eigentlich mache, wenn man als Aussenstehender immer nur die schönen Fotos sieht, die oft nach einem perfekten Leben mit vielen Reisen, gutem Essen, teuren Kleidern und Cüpli-Events aussehen», sagt die 27-Jährige.

Viel PC-Arbeit, wenig Ferien

Bei den jungen Mädchen Marie und Lisa stechen genau diese Punkte heraus. Sie sehen das, was die Influencer zeigen wollen, jedoch nicht das, was sich hinter den perfekten Bildern versteckt. «Man darf sich das nicht zu einfach vorstellen. Mein Arbeitstag dauert wie die meisten anderen mindestens neun Stunden, und die Arbeit zieht sich teilweise auch über das Wochenende durch», sagt Krüsi. Auch Ferien gebe es nur begrenzt, da der Content immer online gehen muss, egal ob es ein Montag oder Sonntag ist.

Der Alltag ist ein weiterer Punkt, den die Jugendlichen nennen. «Jeder Tag ist anders, sie können aufstehen, wann sie wollen, ziehen sich schön an und machen Fotos – meistens auch noch in einem anderen Land», sagt Marie. Dass jeder Tag aber am PC beginnt und genauso endet, wissen die zwei Mädchen nicht. Zudem muss man sich stets bewusst sein: «Es gibt keine Sicherheit, und man muss stets dranbleiben und sich selber anspornen – denn genauso schnell, wie es angefangen hat, kann es auch wieder aufhören», sagt Krüsi.

Aus diesem Grund würde die Bloggerin all den Jugendlichen, die den Berufswunsch Influencer haben, das Gleiche raten wie Laufbahnberater Wollschlegel: eine klassische Ausbildung. «Die Branche ist extrem schnelllebig. Ich würde definitiv raten, erst einmal ein festes Standbein zu haben und nebenbei Social Media machen – so haben das schliesslich alle grossen und auch kleinen Influencer gemacht, ich inbegriffen.»

Influencer-Lehrgang in der Schweiz

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