Neue Schulstandorte bedeuten längere Schulwege: On the long way to BBZ Lenzburg

Gestartet wird auf Gleis 40 im Bahnhof Zofingen
Von Bahnübergang zu Bahnübergang...
... von Haltestelle zu Haltestelle fährt der Zug nach Lenzburg.
Vom Bahnhof ganz im Westen der Stadt, gibt es eine Busverbindung ...
... quer durch den Ort hindurch bis weit in den Osten in Richtung Baden.
Hier befindet sich der Autobahnanschluss der Stadt und das Berufsbildungszentrum (BBZ) Lenzburg.

Er habe die Absicht – schrieb der Regierungsrat unmittelbar vor Weihnachten – «sowohl für die gewerblich-industriellen wie auch für die kaufmännischen Berufe Kompetenzzentren zu schaffen, damit die Berufsbildung für die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist». Das liest sich auf den ersten Blick gut – heisst aber in Tat und Wahrheit: Bildungsdirektor Alex Hürzeler will aus Spargründen Berufsfachschulen schliessen oder der einen oder anderen einen Ausbildungszweig abzwacken. So auch der Berufsfachschule Zofingen. Sie soll die Matura-Lehrgänge und die Berufsfelder KV und Maschinenbau verlieren. Letzterer – inklusive Matur – müsste zugunsten des Berufsbildungszentrums Lenzburg abgetreten werden.

Schulbeginn um 7.55 Uhr

Was würde dies für Lernende der Berufe Konstrukteur, Metallbauer und Polymechaniker bedeuten? Der Unterricht beginnt in Lenzburg um 7.55 Uhr. Schaut man in den Fahrplan, dann heisst das – um pünktlich zu sein – im Bahnhof Zofingen um 6.48 Uhr am Geleise 40 die S 28 besteigen. Wer aus Rothrist anreist, muss – um diesen Anschluss sicher zu erreichen – bereits um 6.04 Uhr den Bus beim Bahnhof nehmen. In Vordemwald (Post) ist um 6.25 Uhr Start. Wer aus Aarburg anreist, nimmt – um nicht mit dem Bus vor der Barriere Aarburgerstrasse zu stranden – die Bahn um 6.36 Uhr.

Was man auf der Fahrt von Zofingen nach Lenzburg erlebt, ist Entschleunigung pur. Eine Station reiht sich auf dem West-Ast der ehemaligen Nationalbahnstrecke wie die Perlen einer Halskette an die nächste Station. Küngoldingen, Walterswil-Striegel, Safenwil, Kölliken Oberdorf, Kölliken, Oberentfelden.

Das macht im Nahverkehr Sinn, aber nicht, wenn man von einem Endpunkt der Strecke zum anderen muss – da geht auch der landschaftliche Reiz der Fahrt verloren. Den gibt es durchaus. Ab Hunzenschwil weichen allerdings grüne Flächen den Bauten der Boom-Region Lenzburg. Da ist das riesige Coop-Verteilzentrum Schafisheim gefolgt von einer durch Kiesgruben zerklüfteten Landschaft. In einer dieser Gruben wollten einst Fussballpromotoren ein Stadion für einen FC Aargau erbauen – mit Anschluss an die Nationalbahnlinie. Dann das Westquartier der Stadt – Wohnbauten und Arbeitsplätze. Hier befindet sich auch – weit vor den Toren der Altstadt – der Bahnhof. Mit 35 Minuten Fahrzeit bis zu ihrer östlichen Endstation macht die S 28 trotz der vielen Haltestellen ihrem Namen Schnellbahn Ehre. Nun heisst es, in den Bus umsteigen. Der fährt um diese Zeit wie ein Schulbus ohne Halt bis zur Berufsschule, wo er um 7.34 Uhr eintrifft und der Unterricht um 7.55 Uhr beginnt. Eine Berufsschülerin, ein Berufsschüler aus Rothrist hat bis zum Läuten der Schulglocke 1 Stunde und 50 Minuten in den Schulweg investiert. Wer die Berufsmatura erlangen will, besucht die Schule an zwei Tagen – fährt die Strecke vier Mal. Den Fussweg zum Bus mit 10 Minuten veranschlagt, ergibt dies 8 Stunden Pendeln. Klar: Wer in Kölliken auf den Zug kann, der benötigt pro Fahrt «nur» eine Stunde.

Zwei Stunden oder 30 Minuten

Zurück nach Rothrist. Hier gibt es einen Autobahnzubringer. Startet man mit dem Auto beim Bahnhof Rothrist, fährt man bis zum Lenzburger Berufsbildungszentrum (BBZ) – dieses ist unmittelbar beim Autobahnanschluss – 29 Kilometer weit. Google Maps weist dafür eine Fahrzeit von 25 Minuten aus. Bei Stau? Da reichen 40 Minuten locker. Laut Regierung soll neben Lenzburg auch Baden ein kantonales Kompetenzzentrum für die Metallberufe sein – die Schulen in Lenzburg und Baden liegen 15 Auto-Kilometer auseinander.

DIE NATIONALBAHN WURDE ZUR S26

Nationalbahn nennt man in der Region Zofingen noch immer die Eisenbahnlinie Richtung Lenzburg. Die Nationalbahn – deren Strecke sich im Osten je in einen Ast nach Singen (D) und Kreuzlingen gabelte und im Westen in Zofingen endete – existierte von 1875 bis 1880 und ging dann in Konkurs.

Zu den Aktionärinnen gehörten die Aargauer Städte Baden, Lenzburg, Mellingen und Zofingen – die auch zu den «Garantie»-Städten zählten und zur Deckung der verbliebenen Schulden Darlehen aufnehmen mussten. Unmittelbare Folgen waren der Verkauf von Wäldern und die Einführung von Steuern. Auch kleinere Gemeinden wie Kölliken waren vom Konkurs betroffen: Hier wurde Wald gerodet und Holz verkauft, um die Schulden zu begleichen. Im Volksmund hiess es: «Mit jedem Pfiff der Natzibahn-Loki fällt in unserem Wald eine Tanne um.»

Für Zofingen galt es, ein Bundesdarlehen abzustottern, dessen letzte Tranche 1935 zurückbezahlt wurde. Daneben mussten Obligationen «bedient» werden. Das letzte dieser Papiere wurde am 2. Februar 1943 unter notarieller Aufsicht feierlich im Gaswerk Zofingen verbrannt.

Was führte zum Debakel? Bei der Gründung des Bundesstaates 1848 war das Bahnnetz lediglich 25 Kilometer lang. Ein Eisenbahngesetz ermöglichte es drei grossen privaten Gesellschaften, Bahnlinien zu bauen. Im Aargau waren die Nordost- und die Zentralbahn tätig, die recht rasch ein relativ gutes Netz anboten – das allerdings in der Kritik stand. Gegen den Willen des Grossen Rates führte die Strecke Aarau-Baden nicht über Lenzburg – und Olten und nicht Zofingen wurde zum Eisenbahnkreuz der Schweiz. So schloss man sich der Nationalbahn an, die bewusst einen Bogen um grosse Zentren machte, was zum Konkurs führte. Das modernisierte Trassee Zofingen-Lenzburg dient heute der S 28. (bkr)

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