Entscheid zum «Goldenen Dach» wird für kleingeistig gehalten

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Das «Goldene Dach» lässt viele nicht kalt: Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. © Bruno Kissling

Es ist so etwas wie eine Sehenswürdigkeit: Denn Duden definiert eine solche als «etwas wegen seiner Einmaligkeit, aussergewöhnlichen Schönheit, Kuriosität oder Ähnlichem besonders Sehenswertes, was nur an einem bestimmten Ort zu finden ist und deshalb besonders für Touristen von besonderem Interesse ist.» Die Rede könnte hierbei vom «Goldenen Dach» in Olten sein. Denn dieses bewegt die Gemüter.

Keine wichtigeren Sorgen?
«Ach Gott, ich find’s ja auch hässlich (rein von den Proportionen), aber gibt es keine wichtigeren Sorgen als ein ästhetisch reines Ortsbild – in Olten notabene?», fragte Gabriele Bryant in der Facebook-Gruppe Olten. Eigentlich liesse sich die Bemerkung als Provokation verstehen. Vielleicht etwa so, als sei in der Stadt alles nur noch zu «verschlimmbessern», wie der Volksmund jeweils zu sagen pflegt.

Oder positiv interpretiert: Olten lebt architektonisch von einer scheinbar wilden Szenerie an wuchernden Bauformen und Strukturen, die in ihrer Gesamtheit auch schon wieder attraktiv wirken können. Dominik Probst nämlich kommentiert die Geschehnisse rund ums «Goldene Dach» so: «Mutig, von der Baukommission, mit dem Begriff ‹Ortsbild› zu argumentieren. Die Kommission möge doch mal einen Augenschein (an) der Baslerstrasse nehmen.»

Was damit gemeint ist? Es gibt auch die Haltung, wonach Citykreuzung und nähere Umgebung ein urbaner Paukenschlag sei: «Wenn ich als Kind mit den Eltern jeweils über die Kreuzung Richtung Trimbach fuhr, gefiel mir die dortige Atmosphäre. Sie erinnerte mich an Häuserschluchten amerikanischer Grossstädte», sagte der einstige OT-Redaktor aus dem Aargau, Thomas Stenz, vor Jahren.

Aber wieder zurück zum Goldenen Dach. Marcel Kuchta hälts diesbezüglich eher mit der Relativität: «Habs mir grad heute wieder gedacht, als ich dran vorbeigefahren bin: Es ist und bleibt eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Aber eben: Die Geschmäcker sind ja bekanntlich (zum Glück!) verschieden.»

Wohl wahr. Denn Alex Capus meint: «Ordnung muss sein, schon klar. Aber mir gefällt das goldene Dach eigentlich. Und die zweistöckige Lukarne auch.» Genau: Diese zweistöckigen Lukarnen beim «Goldenen Dach» strapazieren die kantonale Bauverordnung und haben mit lokalspezifischen Verhältnissen nichts zu tun, wie einige auf Facebook meinen. Die Verordnung sagt nämlich: «Die Baubehörde darf Dachaufbauten (wie Lukarnen, Liftaufbauten), Dacheinschnitte und Dachflächenfenster nur bewilligen, wenn sie architektonisch befriedigen und keine Gründe des Ortsbild- oder Denkmalschutzes dagegen sprechen. Räume über dem ersten Dachgeschoss sollen möglichst giebelseitig belichtet werden.»

Nichts ist absolut
So klar ist der Paragraf also auch wieder nicht. Früher war der noch mit dem Zusatz «Dachaufbauten oder Dacheinschnitte über dem ersten Dachgeschoss sind verboten» versehen war. Deshalb sind Ansichten, die mehr einem ästhetischen Empfinden folgen, nicht nur so in den Wind zu schlagen. Doris Loegel schliesst sich nämlich Capus’ Meinung an. «Mir persönlich gefallen das Dach und die Lukarne auch und ich finde das ganze Gezerre der Stadt darüber lächerlich. Eigentlich könnte die Stadt ja auch stolz sein, nebst der kleinen schmucken Altstadt mit der Holzbrücke auch noch ein weiteres modernes Oltner Wahrzeichen zu haben.» Und Rudolf Peter meint: «Mir gefällt es auch, ist ein schöner Farbtupfer», während Rolf Meier seine Sicht der Dinge auf den Punkt bringt: «Der Kleingeist von Olten ist ja schon legendär.»

Dieser an sich liberalen Haltung hält Sabina Fehlmann entgegen: «Ich bin der Meinung, dass es nicht darum geht, ob es einem gefällt oder nicht, sondern dass die Vorschriften eingehalten werden müssen. Ordnung ist gut und die Schweiz hat damit viel erreicht. Was, wenn alle machen, was sie wollen? Wir wollen ja keine Bananenrepublik werden.» Gefragt ist demnach Rechtssicherheit. Ein Zauberwort der Moderne. Rechtssicherheit nämlich soll das Vertrauen der Bürger in die Verlässlichkeit der Rechtsordnung hervorrufen, bestärken und einprägen. «Jedes Gesetz soll klar, einheitlich und genau sein; es auslegen heisst fast immer, es verderben», sagte Voltaire. Kann sein, dass der französische Philosoph schon damals recht hatte.

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